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Manchester-Star im Fokus : Viel „Blabla“ um Paul Pogba

  • -Aktualisiert am

Trifft mal wieder: Paul Pogba Bild: Reuters

Der französische Fußballprofi Paul Pogba findet langsam seinen Platz bei Manchester United. Doch sein berüchtigter Berater kokettiert mit einem Wechsel. Was steckt dahinter?

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          Hätte er nicht einige der besten Fußballprofis Europas unter Vertrag, würden die meisten Klubs wohl nur zu gerne auf Geschäfte mit dem Spielerberater Mino Raiola verzichten. Das dürfte aktuell besonders für Manchester United gelten, den Arbeitgeber des französischen Mittelfeldstars Paul Pogba. Im Dezember stiftete Raiola in einem Interview mit der italienischen Sportzeitung „Tuttosport“ abermals Unruhe um seinen Klienten, als er behauptete, Pogba wolle bei der nächstbesten Gelegenheit zu einem anderen Verein wechseln.

          Der 27-Jährige sei unzufrieden in Manchester, weil er unter Trainer Ole Gunnar Solskjær nicht seine Stärken entfalten könne. Pogbas Vertrag läuft noch bis Sommer 2022, aber laut Raiola wäre es das Beste für beide Seiten, wenn er so früh wie möglich wechsle: Andernfalls riskiere United, Pogba ohne eine Ablösezahlung zu verlieren, weil eine Vertragsverlängerung für den Spieler nicht mehr in Frage komme. Das klang wie eine Drohung, und es dürfte auch als solche gemeint gewesen sein. „Wer das nicht versteht, der versteht den Fußball nicht“, sagte Raiola.

          „Bin immer glücklich, wenn ich gewinne“

          Am Dienstagabend schien das Gepolter seines Beraters für Pogba allerdings keine Rolle zu spielen. Beim 1:0-Sieg von United beim FC Burnley erzielte er durch einen abgefälschten Volleyschuss den entscheidenden Treffer und zeigte insgesamt eine starke Leistung. Durch den Sieg ist Manchester in der Tabelle auf den ersten Platz geklettert und hat vor dem direkten Aufeinandertreffen an diesem Sonntag (17.30 Uhr bei Sky) drei Punkte Vorsprung vor Meister FC Liverpool. Als Burnley kurz vor dem Abpfiff die letzte Chance auf den Ausgleich vergab, ballte Pogba seine Hand zur Faust.

          So verhält sich keiner, der unbedingt weg will. „Ich bin immer glücklich, wenn ich gewinne, und jetzt sind wir Erster“, sagte Pogba lächelnd. Auch Solskjær war zufrieden mit seinem Spieler. „Tolle Ausführung, toller Stil, tolle Technik“, sagte der frühere Stürmer über Pogbas Treffer: „Ich habe immer gesagt, dass Paul für uns ein wichtiger Spieler ist. Auch in der Kabine ist er ein guter Charakter.“ Solskjærs Vorgänger José Mourinho hatte mit diesem Charakter so seine Probleme gehabt, etwa als Pogba in aller Öffentlichkeit die für seinen Geschmack zu defensive Spielweise Mourinhos kritisiert hatte.

          Und viele United-Fans sind nach wie vor der Meinung, dass der Franzose zu selten so starke Leistungen wie gegen Burnley abrufe, um die 105 Millionen Euro zu rechtfertigen, die der Klub vor viereinhalb Jahren für ihn bezahlt hat – das Beraterhonorar noch nicht mitgerechnet. Tatsächlich bleibt Pogba oft blass: In dieser Saison hat er in 22 Einsätzen in Premier League, Champions League und Ligapokal drei Tore geschossen und drei vorbereitet. Das ist nicht die Ausbeute, die man von einem Spieler seines Kalibers erwartet. Der Portugiese Bruno Fernandes, der vor einem Jahr für rund die Hälfte von Pogbas Ablösesumme geholt worden ist, ist schon jetzt wichtiger für das Team.

          „Im Moment ist er in Bestform“

          Das erkennt man auch an Pogbas Einsatzzeiten in dieser Saison. In der Champions League, aus der United nach der Gruppenphase ausgeschieden ist, kam er als Einwechselspieler überwiegend zu Kurzeinsätzen unter einer halben Stunde. Ein Grund war, dass es in Solskjærs bevorzugtem 4-2-3-1-System keinen idealen Platz für ihn gab – weder auf der Sechs noch auf der Zehn – und andere Spieler wie Fernandes, Fred oder Scott McTominay den Vorzug erhielten.

          Am Anfang der Saison sah es auch in der Premier League nicht besser aus, seit seinem sehenswerten Fernschusstor gegen West Ham United Anfang Dezember hat Pogba zuletzt aber in sechs von acht Spielen im defensiven, zentralen oder linken Mittelfeld durchgespielt. Zum Saisonbeginn habe Pogba unter Blessuren und den körperlichen Folgen seiner Coronavirus-Erkrankung im August gelitten, verteidigte Solskjær seinen Spieler nun trotz des Geredes um dessen angeblichen Wechselwillen: „Im Moment ist er in Bestform.“ Während seiner gut zwei Jahre im Amt wurde Ole Gunnar Solskjær oft kritisiert.

          Wenige trauten dem als Trainer auf höchstem Niveau vergleichsweise unerfahrenen Norweger zu, Manchester United zurück zu alter Größe führen zu können. Nach 17 Spielen in dieser Saison steht der Klub nun auf Platz eins der PremierLeague-Tabelle; das bislang letzte Mal standen sie im Winter 2012 so gut da, damals noch unter Uniteds Trainerlegende Sir Alex Ferguson, der am Ende seiner letzten Saison den Titel gewann. Solskjær erhält dafür viel Lob, nicht zuletzt auch für seinen nach außen hin souveränen Umgang mit Paul Pogba.

          Nach Raiolas Aussagen sagte Solskjær: „Je früher Pauls Agent versteht, dass dies ein Mannschaftssport ist und wir zusammenarbeiten, desto besser. Das ist das Letzte, was ich dazu sage.“ Pogba selbst nutzte die sozialen Medien, um sich zu den Spekulationen um seine Zukunft zu positionieren. „Ich habe immer gekämpft, und ich werde immer für Manchester United kämpfen, für meine Mitspieler und die Fans“, schrieb er bei Instagram: „Blabla ist nicht wichtig. Die Zukunft ist fern, es geht um das Heute, und ich bin zu 1000 % dabei!“ Wie lange noch, darüber dürfte am Ende vor allem Mino Raiola entscheiden. Geschäft ist Geschäft.

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