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Auftakt in Premier League : Die neue Herausforderung des Jürgen Klopp

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Jürgen Klopp lebt die Intensität und den Einsatz vor, den er von seiner Mannschaft sehen möchte. Bild: dpa

Mit aggressivem Pressing und blitzschnellen Angriffen begeistern Jürgen Klopp und Liverpool ganz England. Doch jetzt sorgt auch ein zweiter deutscher Trainer auf der Insel für Furore – mit ganz ähnlichem Spielstil.

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          Wenn an diesem Freitagabend (21.00 Uhr bei Sky) der FC Liverpool und Aufsteiger Norwich City die neue Saison der Premier League eröffnen, dann ist das auch ein Duell der deutschen Trainerkollegen Jürgen Klopp und Daniel Farke. Klopp ist seit Oktober 2015 Trainer in Liverpool. In der vergangenen Saison verpasste seine Mannschaft mit einem Punkt Rückstand auf Manchester City nur knapp die erste Meisterschaft seit 29 Jahren. Dafür hat sie später die Champions League im Finale gegen Tottenham Hotspur gewonnen, gefolgt von einem Triumphzug durch die Liverpooler Innenstadt. Klopp ist spätestens durch diesen langersehnten Erfolg Teil der Liverpooler Folklore geworden.

          Der 52-Jährige ist Kult in England. Sein auf aggressives Pressing und blitzschnelle Angriffe ausgerichteter Spielstil gilt nicht nur in England als sein Markenzeichen. In Kombination mit einer für viel Geld verstärkten Defensive hat Klopp den FC Liverpool in den vergangenen Jahren wieder zu jenem stolzen Klub gemacht, der er zuletzt in den 70er- und 80er-Jahren war. Auch in dieser Saison dürfte der Kampf um die Meisterschaft zwischen Liverpool und Manchester City entschieden werden.

          Farke, zehn Jahre jünger als Klopp, ist erst seit dem Sommer 2017 Trainer von Norwich City. Er hat den Klub aus der zweitklassigen Championship in die Premier League geführt. Für ihn bedeutet das einen steilen Aufstieg: Vor seiner Zeit in England hatte er nur in den unteren Ligen Deutschlands beim SV Lippstadt und der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund gearbeitet – und jetzt darf er sich mit Trainergrößen wie Klopp, Guardiola, Pochettino und all den anderen großen Namen messen.

          Farke drohte zu Scheitern

          Ein deutscher Trainer, der in Deutschland keinen großen Namen hat, übernimmt die Leitung bei einem englischen Zweitliga-Klub und steigt in die Premier League auf: Zwei Jahre vor Farke war das bereits David Wagner mit Huddersfield gelungen. Aber Farke schreibt jetzt seine eigene Geschichte. In Norwich hat er seit seinem Dienstantritt einen neuen Stil geprägt, der in seiner Ausführung an Klopps „Heavy-Metal“-Stil erinnert: technisch und körperlich anspruchsvoller, auf Ballbesitz und hohes Pressing getrimmter Fußball, stets mit Zug zum Tor. Nicht gerade typisch für Englands zweite Liga. In seiner ersten Saison tat sich seine mit deutschen Spielern durchsetzte Mannschaft mit den Anforderungen noch schwer. Das Projekt drohte zu scheitern, Gerüchte über Farkes angeblich bevorstehende Entlassung machten die Runde.

          Daniel Farke bejubelte im April den überraschenden Aufstieg mit Norwich.

          Das Team war vorne nicht gefährlich und hinten nicht stabil und beendete die Saison auf Platz 14 von 24 Teams. Der Klub ordnete außerdem einen Sparkurs an, weshalb vor der neuen Saison wichtige Spieler verkauft wurden. Für sie kamen andere, die wenig oder nichts kosteten, darunter der frühere Schalker Stürmer Teemu Pukki und Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Entsprechend gering waren die Erwartungen.

          Aber im zweiten Jahr kam der Erfolg. Nach einem mühsamen Auftakt kletterte Norwich an die Spitze; von Februar an führte die Mannschaft die Tabelle an, und am Ende der Saison stand ein ungefährdeter Aufstieg als Meister der zweiten Liga mit 94 Punkten und 93 Toren – 29 davon durch Pukki –, allerdings auch mit 57 Gegentoren.

          In der Presse hing Norwich bald der Ruf als Englands neuer „Hipster-Klub“ an. Attraktiver Fußball, der anders ist als die Mehrheit des englischen Fußballs. Aufregender Fußball, viele Tore, ein Kern aus Nachwuchsspielern und ein mehr oder weniger unbekannter Trainer aus Deutschland.

          Auch in der Premier League bleibt Norwich dieser Maxime treu. Der Klub hat im Sommer nicht groß nachgerüstet. Die prominenteren Zugänge sind Torwart Ralf Fährmann, der vom FC Schalke 04 ausgeliehen ist, und der ebenfalls ausgeliehene Ibrahim Amadou vom FC Sevilla. Josip Drmic ist zudem ablösefrei aus der Bundesliga von Borussia Mönchengladbach gekommen. Zum Vergleich: Mitaufsteiger Aston Villa hat sich für rund 150 Millionen Euro verstärkt.

          Auch der FC Liverpool hat sich auf dem Transfermarkt dieses Mal zurückgehalten und nur zwei Nachwuchsspieler neu unter Vertrag genommen. Die Anforderungen sind vor der neuen Saison derweil sehr unterschiedlich. In Liverpool erwarten Fans und Umfeld, dass der Klub wieder um den Titel mitspielt. In Norwich wäre der Nichtabstieg schon ein großer Erfolg. Das letzte Mal, als der Klub in die Premier League aufgestiegen war, ging es schon nach einer Saison wieder nach unten. Farke muss beweisen, dass er es besser kann.

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