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Premier League : Liga der Unersättlichen

Die Liga der Gepamperten

Der Status als „Weltmeister-Liga“ ist zwar ein Bonus, doch der finanzielle Rückstand dürfte weiter wachsen, erst recht bei den Auslandsrechten, bei denen die Bundesliga ihre Erlöse von der nächsten Saison an auf rund 150 Millionen Euro verdoppeln wird. Die Premier League erlöst fast das Vierfache - mit rosigen Aussichten für die nächsten Verhandlungen, vor allem in den Vereinigten Staaten, wo die WM 2014 den Durchbruch des Fußballs beim Publikum gebracht hat.

Die Folgen für den Spielermarkt in Deutschland und Europa lassen sich leicht hochrechnen. Wer 2016 in die Premier League aufsteigen wird, hat eine TV-Einnahme von rund 130 Millionen Euro sicher - und wird, so die englischen Gepflogenheiten, mit diesem Geld die Teams und Nachwuchsschulen auf dem Kontinent plündern. Eine Zocker-Investition, um drinzubleiben in der Liga der Gepamperten. So wie das alle anderen auch tun, um nicht abzusteigen.

Jeder der zwanzig Premier-League-Klubs wird von 2016 an automatisch zu den dreißig umsatzstärksten Klubs Europas gehören. In Deutschland können dann wohl nur noch die Bayern, vielleicht noch die Wolfsburger, ihre Spieler gegen Avancen von der Insel verteidigen. Die Gefahr: England als Land, das schlecht ausbildet, aber viel Geld hat, als Plünderer des deutschen Marktes, gute Ausbildung, weniger Geld. Geht künftig der gut geschulte deutsche Fußballer der Job-Chancen wegen nach England, so wie derzeit der gut ausgebildete spanische Facharbeiter nach Deutschland?

Verdient auch schon „ganz ordentlich“: Mesut Özil von Arsenal London
Verdient auch schon „ganz ordentlich“: Mesut Özil von Arsenal London : Bild: AP

„Englische Klubs können künftig holen, wen sie wollen“, sagt Arsenal-Trainer Arsène Wenger. Pep Guardiola, der Bayern-Trainer, sieht es genauso: „Sie können jetzt alles kaufen. Sie kaufen die besten Spieler. Wir haben weniger Geld, dafür brauchen wir mehr Ideen.“ Javier Tebas, Chef der spanischen Liga, klang zuletzt aber so, als gingen ihm die Ideen aus: „Wir haben ein echtes Problem. In einem Jahr werden wir nicht mehr die beste Liga sein.“ Er fordert als Reaktion auf den England-Deal, dass Spanien wie England und Deutschland zur kollektiven Vermarktung der TV-Rechte übergehen müsse. Bisher handeln die Klubs ihre eigenen Verträge aus, so dass Real Madrid und FC Barcelona den anderen wenig übrig lassen. Um die Regierung zu einem entsprechenden Gesetz zu drängen, hat Espanyol Barcelona bereits mit einem Streik mehrerer Klubs gedroht.

England ist der Gewinner, Spanien und Italien sind die Verlierer, und Deutschland weiß noch nicht, was es ist - im großen Wettlauf um die Marktanteile in der Expansion des Fußballs zum globalen Sport Nummer eins. Bis in die Neunziger war der Kick ein kleinteiliges Geschäft, waren die Klubs, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Unternehmen mit regionaler Kundschaft. Seitdem hat sich das Geschäft auf Milliarden potentieller Kunden erweitert, von China über Indien bis Lateinamerika. Auf diesem gigantischen Markt hat man eines der wenigen Unterhaltungsprogramme im Angebot, die weltweit gleich gut, bei Jung und Alt, Arm und Reich, Frau und Mann funktionieren: Fußball. Und das praktischerweise in jeder Sprache, am besten in der Sprache des Geldes.

Und was könnte Henry Adams mit dem schönen Schein seiner Million-Pfund-Note heute noch anstellen? Zum Beispiel: eine Woche lang die vier teuersten Profis der Premier League bezahlen. Sie spielen alle bei Manchester United, dem mit einer halben Milliarde Euro verschuldeten Rekordmeister: Wayne Rooney, Radamel Falcao, Robin van Persie, Angel di María. Er muss sich beeilen. Bald wird es nur noch für einen der vier reichen.

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