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Sorgen in Premier League : Für Lampard wird es bei Chelsea ungemütlich

  • -Aktualisiert am

Bei den Fans ist Frank Lampard beliebt, doch auch der Trainer des FC Chelsea braucht sportlichen Erfolg. Bild: Reuters

Mit fast 250 Millionen Euro hat Chelsea im Sommer deutlich mehr investiert in seinen Kader als die gesamte englische Konkurrenz. Dennoch läuft es nicht. Die teuren deutschen Neuzugänge Timo Werner und Kai Havertz bleiben einiges schuldig.

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          Frank Lampard weiß, was von ihm erwartet wird. Vor dieser Premier-League-Saison, seiner zweiten als Trainer des FC Chelsea, sagte er: „Ich habe den Job nicht bekommen, um für den vierten Platz zu kämpfen.“ In seinem ersten Jahr als Trainer seines früheren Fußballklubs hatte er sich ordentlich geschlagen: Platz vier in der Tabelle bedeutete die Qualifikation für die Champions League; hinzu kam der Einzug ins FA-Cup-Finale, das Chelsea verlor. Jetzt aber ist der Anspruch ein anderer. Der Klub hat Zugänge im Wert von umgerechnet fast 250 Millionen Euro verpflichtet und damit deutlich mehr in den Kader investiert als die gesamte Konkurrenz. „Diesen Sommer haben wir Geld ausgegeben“, sagte Lampard, der mit 42 Jahren als Trainer noch vergleichsweise unerfahren ist – „und jetzt beginnt die harte Arbeit.“

          Wissen war nie wertvoller

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          Nach 16 Ligaspielen hinkt Chelsea dem Anspruch allerdings hinterher. Der Klub des Milliardärs Roman Abramowitsch, der kurz- bis mittelfristig wieder um die Meisterschaft mitspielen will, steht in der Tabelle unterhalb der Europapokalplätze. Zwischendurch sah es schon mal besser aus: Chelsea blieb zwischen Ende September und Anfang Dezember neun Premier-League-Spiele nacheinander unbesiegt, kletterte bis auf Platz drei und hatte nach dem elften Spieltag nur zwei Punkte weniger auf dem Konto als der damalige Tabellenführer Tottenham Hotspur. Doch seitdem ist die Mannschaft außer Form. Von fünf Spielen gewann sie danach nur noch eins, einmal spielte sie unentschieden, drei Begegnungen gingen verloren. Vier von 15 möglichen Punkten, das ist zu wenig für den sechsmaligen englischen Meister und seinen notorisch ungeduldigen Besitzer.

          Besonders schmerzhaft war aus Chelseas Sicht die 1:3-Niederlage gegen den aktuell taumelnden Londoner Stadtrivalen FC Arsenal am zweiten Weihnachtsfeiertag. Lampard war stinksauer – und machte daraus kein Geheimnis, als er öffentlich die Einstellung einiger seiner Spieler hinterfragte. „War es Müdigkeit? Nein“, sagte er im Interview mit der BBC: „Fehlte den Spielern gegen Arsenal der Charakter? Ja, und das wissen sie auch.“ Einige hätten die absoluten Grundlagen des Fußballs – Laufen und Kämpfen – vermissen lassen. Beim nächsten Spiel gegen Aston Villa stellte Lampard das Team dann auf sechs Positionen um. Trotzdem kam Chelsea am Montagabend nicht über ein 1:1 hinaus. Lampard meinte dennoch, Positives erkannt zu haben: „Die Leistung war gut. Ich fand, wir hätten den Sieg verdient gehabt.“

          Die beiden teuersten Zugänge ließ er gegen Villa zunächst auf der Bank sitzen: Mittelfeldspieler Kai Havertz ist für 80 Millionen Euro von Bayer Leverkusen nach London gewechselt, Stürmer Timo Werner für 53 Millionen von RB Leipzig. Beide kamen in dem Spiel erst 20 Minuten vor Schluss zum Einsatz und konnten am unbefriedigenden Remis nichts ändern. Havertz hat seit seiner Coronavirus-Erkrankung im November noch nicht wieder zu seiner anfänglich soliden Form gefunden.

          Nach der Blamage gegen Arsenal hatte Lampard aber besonders Werner scharf kritisiert: „Heute hat Timo uns zu wenig gegeben – mit und ohne Ball.“ Einerseits räumte der Trainer ein, man müsse dem 24-Jährigen Zeit geben, sich an die körperlich strapaziöse Premier League zu gewöhnen. Andererseits sagte er, diese Gewöhnung müsse sich nun rasch einstellen. In 23 Einsätzen für Chelsea in Liga, Champions League und Ligapokal hat Werner acht Tore geschossen und sechs vorbereitet – kein schlechter Wert.

          Allerdings blieb er in den vergangenen elf Pflichtspielen ohne Treffer und vergab teils klare Chancen. Lampard setzt den Deutschen meistens auf dem linken Flügel ein statt in der von ihm bevorzugten Mitte des Angriffs, wo er vor seinem Wechsel für Leipzig so erfolgreich war. „Sein ausbleibender Effekt ist kein personelles Versagen“, schrieb deshalb der „Guardian“ in einer Analyse, „sondern eine Verwechslung von Positionen.“

          Überhaupt wächst mit dem aktuellen Formtief auch der Druck auf Frank Lampard. Bei den Fans ist er beliebt, für sie ist der frühere Kapitän einer der großen Helden des Klubs. Sein Status wird ihn aber wohl kaum davor schützen, sich vor der weniger sentimentalen Vorstandshierarchie rechtfertigen zu müssen, sollte der Erfolg länger ausbleiben. Erst am Dienstag schrieb die „Bild“-Zeitung, Thomas Tuchel könnte nach seiner Entlassung bei Paris Saint-Germain ein Thema bei Chelsea werden.

          An diesem Sonntag (17.30 Uhr bei Sky) ist mit Manchester City ein Gegner zu Gast an der Stamford Bridge, der im Moment ebenfalls unter seinen Möglichkeiten spielt. „Wenn du ein paar Spiele verlierst, werden die Dinge schwieriger. Und der einzige Weg, da wieder rauszukommen, ist zu kämpfen und hart zu arbeiten“, sagte Lampard zuletzt. „Es ist mein Job, das wieder hinzukriegen.“

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