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33 Jahre nach Hillsborough : England bricht mit einem langen Tabu

  • Aktualisiert am

Am 15. April 1989 kam es in Sheffield zur Hillsborough-Katastrophe. Bild: dpa

97 Personen starben, 766 wurden verletzt: Seit den dramatischen Vorfällen im Hillsborough Stadium waren Stehplätze in englischen Fußballstadien verboten. Das ändert sich jetzt. Doch es gelten „strenge Sicherheitskriterien“.

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          In den komplett überfüllten Stehplatzblöcken drei und vier des Hillsborough Stadiums kämpften Menschen um ihr Leben. Doch statt die Hilferufe zu erhören, öffnete die Polizei weitere Tore – es folgte die Tragödie. Zuschauer wurden an den Zaun gepresst oder in der Massenpanik niedergetrampelt. Insgesamt starben 97 Personen, dazu kamen 766 Verletzte. Mit dieser Katastrophe waren Stehplätze in England Geschichte. Bis jetzt.

          Denn im Mutterland des Fußballs kommt es zum Tabubruch. 33 Jahre nach Hillsborough gibt die Regierung grünes Licht für die Wiedereinführung von Stehplätzen, für viele Fans auf der Insel ist es ein Zurück zu den Wurzeln des Fußballs.

          Testphase zum „Safe Standing“ abgeschlossen

          „Dank eines robusten Versuchs, gründlicher Beweise und moderner Technik sind wir nun bereit, Stehplätze in unseren Stadien wieder zuzulassen“, sagte Nadine Dorries, die britische Ministerin für Sport, Kultur, Medien und Digitales.

          Seit Januar hatten unter anderem Meister Manchester City, Rekordchampion Manchester United oder der FC Chelsea an einer Testphase zum sogenannten „Safe Standing“ teilgenommen. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Stehplätze ausweiten werden“, schwärmte Nigel Huddleston, Staatssekretär für Sport: „Es ist ein großer Tag für den Fußball, ein großer Tag für die Fans.“

          Dramatische Augenblicke: Die Hillsborough-Katastophe forderte viele Opfer.
          Dramatische Augenblicke: Die Hillsborough-Katastophe forderte viele Opfer. : Bild: picture alliance / Actionplus

          Die Situation in Stehplatzbereichen sei mittlerweile eine komplett andere als zu Hillsborough-Zeiten. „Dies ist nicht mehr die alte Tribüne, dies ist eine ganz andere Welt, und die Sicherheit steht im Mittelpunkt“, führte Huddleston aus. Alle Erst- und Zweitligateams können die Umrüstung auf Stehplätze beantragen, müssen für eine Erlaubnis allerdings die „strengen Sicherheitskriterien“ der Regierung erfüllen.

          Für acht Stadien wurden die Lizenzen bereits erteilt, zahlreiche weitere Anträge dürften in den kommenden Wochen folgen. Auch in Wembley wird für die nationalen Pokalwettbewerbe umgerüstet, das Länderspiel gegen Deutschland findet gemäß internationaler Richtlinien im September aber nur mit Sitzplätzen statt. Der Stehplatzbereich in Wembley wird zunächst zwei Bereiche mit jeweils 1000 Plätzen hinter beiden Toren umfassen.

          Dank verbesserter Videoüberwachung werde man künftig auch bei Stehplätzen „genau wissen, wer sich auf jedem einzelnen Platz und in jedem einzelnen Bereich aufhält“, betonte Huddleston. Anders als noch damals in Hillsborough beim Halbfinale des FA Cup zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest, wo die Blöcke drei und vier maßlos überfüllt waren, während es nebenan noch reichlich Platz gab.

          Als Folge wurde 1994 für die höchsten beiden Spielklassen ein generelles Stehplatzverbot ausgesprochen. Die aktuelle Rolle rückwärts freut auch Jürgen Klopp, eine noch bessere Stimmung scheint möglich. „Ich mag die Idee. Ich bin mir sicher, dass die Leute verantwortungsbewusst damit umgehen werden“, sagte der Teammanager des FC Liverpool bereits zu Beginn der Testphase. Es sei „der richtige Moment“ für Veränderungen gekommen.

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