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Premier League : Die Auferstehung des FC Arsenal

  • -Aktualisiert am

Die Spieler von Arsenal London versprühen gute Laune. Bild: AP

Der FC Arsenal wirkt so lebendig wie lange nicht – das liegt an Trainer Mikel Arteta und dessen Jugendstil. Ist die Tabellenführung in der Premier League mehr als eine Momentaufnahme?

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          Von einer Auferstehung zu sprechen, wäre leicht übertrieben. Tot war der FC Arsenal schließlich nie. So richtig lebendig war der Premier-League-Klub aus dem Norden Londons in den vergangenen Jahren aber auch nicht – zumindest gemessen an den eigenen hohen Standards. 2004 gewann Arsenal zum bislang letzten Mal die englische Meisterschaft, seit 2017 wurden sie dreimal Fünfter, einmal Sechster und zweimal Achter.

          Die „Gunners“ versanken langsam aber sicher im Mittelmaß, Konkurrenten wie Manchester City und der FC Liverpool schienen plötzlich unerreichbar.

          Hohe Identifikation

          Jetzt aber führt Arsenal die Tabelle überraschend an: Von sieben Saisonspielen haben sie sechs gewonnen und nur eins verloren. Der Saisonauftakt mit fünf Siegen in Serie war ihr bester seit 18 Jahren. Quasi im Vorbeigehen gewannen sie außerdem ihr erstes Europa-League-Gruppenspiel gegen den FC Zürich Anfang September. Mannschaft und Fans sind deshalb so selbstbewusst wie seit Jahren nicht, wenn sie an diesem Samstagmittag (13.30 Uhr bei Sky) in das Stadt-Derby gegen Tottenham Hotspur gehen, die mit nur einem Punkt weniger auf dem dritten Tabellenplatz lauern.

          Der Höhenflug ist auch eine Genugtuung für Trainer Mikel Arteta. Der 40 Jahre alte Spanier ist seit Dezember 2019 im Amt, unter seiner Führung wurde Arsenal zunächst zweimal Achter und vergangene Saison Fünfter. Trotz dieses mäßigen Abschneidens hielt der Klub an ihm fest. Arteta war als Spieler Kapitän des FC Arsenal und identifiziert sich dementsprechend mit dem Verein, der nun seine erste Station als Cheftrainer ist.

          Zuvor hatte er einige Jahre bei Manchester City als Ko-Trainer von Pep Guardiola Erfahrung gesammelt. 2020 gewann er mit Arsenal den FA Cup, und auch wenn von der Meisterschaft in dieser Saison niemand ernsthaft zu träumen wagt, könnte er es sein, der Arsenal zum ersten Mal seit der Saison 2016/17 zurück in die Champions League führt.

          Bei seiner Mission setzt der Trainer auf einen der jüngsten Kader aller Premier-League-Teams; im Schnitt hatten seine bisherigen Startaufstellungen ein Alter von gerade einmal 23,6 Jahren. Innenverteidiger William Saliba ist 21 Jahre alt, ebenso wie Englands Nationalspieler und Arsenal-Eigengewächs Bukayo Saka auf dem rechten sowie Gabriel Martinelli auf dem linken Flügel. Alle drei sind schon jetzt Eckpfeiler der Mannschaft.

          Junge Spieler sind gefragt

          Vor der Saison hat Arteta Martin Ødegaard zum Kapitän ernannt: Der Norweger, der 2021 von Real Madrid nach London wechselte, wird im Dezember 24 Jahre alt. Als Arteta gegen den FC Brentford beim Stand von 3:0 für Arsenal kurz vor Schluss Ethan Nwaneri einwechselte, wurde der mit 15 Jahren und 181 Tagen zum jüngsten Premier-League-Spieler in der Geschichte des Wettbewerbs. Arsenals Fans sangen vergnügt „morgen muss er zur Schule“.

          Die Strategie, überwiegend auf junge Spieler zu setzen, erkennt man auch an Arsenals Sommer-Transfers. Der erst 19 Jahre alte Brasilianer Marquinhos wurde vom FC São Paulo geholt und kam in der Liga bislang nur zu einem Kurzeinsatz gegen Brentford. Beim 2:1 gegen Zürich schoss der junge Rechtsaußen allerdings ein Tor und bereitete eins vor. Der 22-jährige Portugiese Fábio Vieira kam vom FC Porto und wird allmählich an die Premier League herangeführt, gegen Brentford erzielte er sein erstes Tor zum 3:0.

          Der Schlüsseltransfer im Sommer aber war der gestandene Mittelstürmer Gabriel Jesus, immerhin schon 25 Jahre alt, für den Arsenal mehr als 50 Millionen Euro an Manchester City überwies. Er steht bei vier Toren und drei Vorlagen in sieben Premier-League-Einsätzen – ein Spitzenwert. Bei City war er nicht immer erste Wahl, bei Arsenal ist er nun der Hauptdarsteller im Angriff, und bis jetzt nutzt er das Rampenlicht ganz vorzüglich.

          Besserer Teamgeist

          Wenn es so läuft, ist natürlich auch die Stimmung gut. In den vergangenen Jahren wurden Arsenals Fans wegen der oft miesen Stimmung in ihrem Stadion regelmäßig vom gegnerischen Anhang verspottet: „Is this a library?“, sangen sie – ist das hier eine Bibliothek? Jetzt aber stehen Arsenals Fans hörbar hinter ihrer Mannschaft. „Die Arsenal-Fans drehen die Lautstärke hoch, während der Glaube an Arteta und die Spieler wächst“, beobachtete der „Guardian“ zuletzt.

          Das Vertrauen spürt die Mannschaft, in der es einen besseren Teamgeist gebe als in der Vergangenheit, sagte der Routinier Granit Xhaka, der seit über sechs Jahren für Arsenal spielt: „Man sieht die neue und andere Mentalität, die wir diese Saison haben.“

          Doch bei aller Begeisterung sagt Arsenals Tabellenführung so früh in der Saison nicht viel aus. Ihr Auftaktprogramm war vergleichsweise einfach, und das bislang einzige Spiel gegen einen sogenannten „Big-Four“-Gegner verloren sie 1:3 zu Gast bei Manchester United. Umso wichtiger ist das Derby gegen Tottenham an diesem Samstag, denn die „Spurs“ würden mit einem Sieg an Arsenal vorbeiziehen. Im Oktober stehen außerdem Spiele gegen den FC Liverpool und Manchester City auf dem Programm. Es beginnt der Monat der Wahrheit für den FC Arsenal. Jetzt muss die Mannschaft zeigen, wie viel Leben in ihr steckt.

          Die Zuschauer feiern den Torschützen Gabriel Martinelli – und haben wieder Freude an den Spielen ihres Klubs.
          Die Zuschauer feiern den Torschützen Gabriel Martinelli – und haben wieder Freude an den Spielen ihres Klubs. : Bild: AFP

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