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Gala in Nations League : „Ronaldo ist ein Genie“

Hellauf begeistert: Cristiano Ronaldo trifft, Bernardo Silva (rechts) freut sich mit. Bild: dpa

Mit drei Toren schießt Cristiano Ronaldo Portugal im Alleingang ins Finale der Nations League. Dafür bekommt er viel Lob. Vom Maestro persönlich aber gibt es nur ein paar lobende Worte für andere.

          Vom Maestro persönlich gab es nur ein paar lobende Worte für das heimische Publikum und die gegnerische Mannschaft. Ihn selbst zu preisen, überließ er den anderen. Denen also, die er entweder zu Siegern oder Besiegten gemacht hatte. „Wieder mal der Beste der Welt“ war er für Mitspieler Ruben Neves. Für Gegenspieler Granit Xhaka auch: „Es gab heute nur einen Unterschied zwischen uns und Portugal – Cristiano Ronaldo. Er ist nicht umsonst der beste Spieler der Welt.“ Nein, umsonst schon mal gar nicht. „Dafür“, schwärmte Abwehrmann José Fonte von dem, was der Superstar bot, „bekommt man im Klub so viel Geld“. Mehr als dreißig Millionen Euro netto soll Ronaldo jährlich bei Juventus Turin verdienen – und, als bestverdienender Sportler der Welt, mit seinen vielfältigen Business-Aktivitäten längst noch viel mehr.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Am Ende einer eher glanzlosen Saison, in der Ronaldo nach dem Wechsel von Real Madrid außer der Serienmeisterschaft von Juventus nicht viel zu feiern hatte und in Italiens Torjägerliste von einem sogar noch zwei Jahre Älteren, Fabio Quagliarella, abgehängt wurde, einem Jahr, in dem er zudem in Spanien wegen Steuerhinterziehung verurteilt und in den Vereinigten Staaten wegen sexueller Gewalt angeklagt wurde, könnte er sich zurücklehnen und auf anderes konzentrieren. Doch der brennende Ehrgeiz, den Fernando Santos als Trainer von Sporting Lissabon schon an dem 18-jährigen Ronaldo bemerkte, ist mit 34 derselbe geblieben. Gefragt, welche Adjektive ihm einfielen, um Ronaldo zu beschreiben, erklärte Santos, inzwischen Portugals Nationaltrainer, nach dem 3:1-Sieg über die Schweiz im Halbfinale der Fußball-Nations-League, er habe alle Adjektive schon damals verbraucht. Nur ein Substantiv fiel ihm noch ein: „Er ist ein Genie.“

          Ein manchmal faul wirkendes Genie, das gemütlich über den Platz wandelt, vor allem nach Ballverlusten, und über weite Strecken des Spiels auch am Mittwoch in Porto eine Art Zockeltrab bevorzugte. Doch das ist nur die clevere Ökonomie der Kräfte, die den in jungen Jahren jeden Ball fordernden, jeden Sprint, jedes Dribbling suchenden Angreifer mit Mitte dreißig, mit mehr Gefühl für Ökonomie und Tempowechsel, zum immer noch unberechenbarsten aller Torjäger macht. Als es daran ging, das Spiel zu entscheiden, war er so schnell und scharf zur Stelle, dass die braven Schweizer nur staunen konnten. „Ich gratuliere Portugal zu diesem Spieler“, sagte der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Dessen Team war über weite Strecken das bessere, hatte aber eben keinen wie ihn, „den Extra-Spieler, der aus einem Minimum das Maximum macht.“

          Er hat eine Qualität im Torabschluss, die man in der Bundesliga nicht gewohnt ist. Der Mönchengladbacher Torwart Yann Sommer erfuhr das beim 1:0 durch einen knallharten Freistoß mit überraschender Richtung: „Ich mache einen Schritt nach rechts, dann erwischt er mich in der Torwartecke.“ Der Dortmunder Verteidiger Manuel Akanji erlebte es bei den beiden späten Treffern zum 2:1 und 3:1, als ihm Ronaldo stets eine Idee und einen Schritt voraus war. „Beim 2:1 sehe ich im Rücken Ronaldo und versuche so zu stehen, dass der Ball nicht vor mir durchgehen kann“, beschrieb der verblüffte Verteidiger den spielentscheidenden Moment. „Er hat einen kleinen Raum und haut ihn perfekt in die Ecke. Das macht ihn aus.“

          Der einzige Bundesliga-Akteur, der dem Star des Abends ein Tor verweigern konnte, war Schiedsrichter Felix Brych, der nach 55 Minuten erst einen Elfmeter für Portugal pfiff, worauf Ronaldo sich den Ball schon zurechtlegte, dann aber den Elfmeter der Schweiz zusprach – nach Rücksprache mit dem Video-Gehilfen und Nachbetrachtung eines Duells im anderen Strafraum, das dem portugiesischen Konter vorausgegangen war. Ricardo Rodriguez nutzte den kuriosen Elfmeter zum Ausgleich, doch am Ende rückte Ronaldo die Sache zurecht – und feierte den 53. Hattrick, also drei oder mehr Tore in einem Spiel, in seiner Karriere. „Unersättlich“ findet ihn Abwehrkollege Nélson Semedo.

          Neben den mehr als sechshundert Treffern, die er für Klubs erzielt hat, steht seine Bilanz im Nationalteam nun bei 88 Treffern, mehr als selbst ein Puskas, Pelé oder Gerd Müller schossen. Vor ihm liegt nur noch der Iraner Ali Daei, der den Großteil seiner 109 Tore allerdings gegen asiatische Fußballzwerge erzielte und nur einen einziges davon gegen ein Team unter den ersten Zehn der Weltrangliste – während Ronaldo gegen nahezu alle Großen getroffen hat. Unter den wenigen Ausnahmen ist die deutsche Nationalelf. Aber weder Daei noch Deutschland können sich vorerst sicher fühlen. „Er ist immer noch so fit“, schwärmte der frühere englische Fußballstar Chris Waddle als BBC-Experte, „es gibt keinen Grund, warum er nicht mit vierzig noch spielen sollte.“

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