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Portsmouth zu Gast in Wolfsburg : Aus der Redknapp-Gefolgschaft wird die Adams-Familie

Prädestiniert für eine Führungsrolle: Tony Adams Bild: AP

Als der FC Portsmouth am letzten Oktoberwochenende über Nacht einen neuen Cheftrainer brauchte, war Assistent Tony Adams zur Stelle. Arsenals frühere Verteidiger-Ikone erhebt auch als Trainer die Abwehr von Angriffen zur Kunst.

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          Blasser Teint, Ringe unter den Augen, das Haar wirr - Tony Adams sieht nach manchen Spielen aus wie nach einer durchzechten Nacht. Aber das täuscht. Es ist lange her, das mit dem Zechen. Adams ist trocken, seit über zehn Jahren. Er war Kapitän der englischen Nationalmannschaft, als er sich 1996 öffentlich zu seinem Alkoholismus bekannte. Die Schonungslosigkeit, mit der er die Selbstentwürdigung durch die Sucht und den Kampf gegen sie in der Autobiographie „Addicted“ (Süchtig) beschrieb, trug viel dazu bei, die Saufkultur und Säuferverherrlichung im englischen Spitzenfußball zu beenden.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Wer so viel Mut und Charakter hat, scheint prädestiniert für eine Führungsrolle, wie sie Adams 22 Jahre lang als Profi des FC Arsenal, davon 14 Jahre als Kapitän, spielte. Das glaubte man auch beim FC Portsmouth, als der Klub am letzten Oktoberwochenende über Nacht einen neuen Cheftrainer brauchte. Harry Redknapp, der Portsmouth aus den Abstiegsrängen zum Pokalsieg und in den Uefa-Cup geführt hatte, wechselte wenige Stunden vor einem Ligaspiel zu den Tottenham Hotspurs. Portsmouth war geschockt, widerstand aber der in solchen Situationen gängigen Versuchung, einen mit Notsituationen (aber nicht mit dem Klub) vertrauten „Feuerwehrmann“ zu holen. Man entschied sich für den Assistenten, für Adams. Und der arbeitet seither an dem, was seine ganze Karriere geprägt hat: der Defensive.

          Die berühmteste Viererkette des englischen Klubfußballs

          Der Spieler Adams hatte die Abwehr von Angriffen zu einer Kunst erhoben, mit Dixon, Winterburn, Bould (später Keown) bildete er die berühmteste Viererkette des englischen Klubfußballs. Der Mensch Adams meisterte die Abwehr der Versuchung durch die Droge und gründete die „Sporting Chance Clinic“, die süchtigen Sportlern hilft.

          Der Trainer Adams sieht seine Hauptrolle nun in der Abwehr einer Abwanderungswelle. Viele der 17 Nationalspieler aus elf Ländern im Kader von Portsmouth sind zu dem Provinzklub vor allem wegen Redknapp gekommen, dem beliebtesten englischen Trainer. Deshalb fürchtet „Pompey“ nun einen Exodus im Januar, besonders in Richtung Tottenham. Als „größte Drohung für Portsmouth“ sieht der „Telegraph“ die Frage, „ob Redknapp genug Geld bekommen wird, um seine früheren Spieler zu jagen“, allen voran Jermaine Defoe, Peter Crouch, Lassana Diarra oder Nationaltorwart David James.

          „Das Training ist wirklich scharf“

          Adams hat mit Rücktritt gedroht, falls Stürmer Defoe verkauft werden sollte. Daneben versucht er mit ruhiger, sachlicher Arbeit die Stars zum Bleiben zu bewegen. Bei Crouch etwa, von Redknapp im Sommer geholt, scheint die Überzeugungsarbeit schon zu fruchten. Vor dem Uefa-Cup-Spiel in Wolfsburg an diesem Donnerstag (20.45 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) sagte Crouch, Portsmouth sei „ein besseres Team“, seit Redknapp gegangen sei - es klingt nicht wie eine Bewerbung für einen Klubwechsel zum alten Trainer.

          Die Mannschaft, so der Zwei-Meter-Stürmer, habe nun mehr Mumm: „Das Training ist wirklich scharf, seit Tony es übernommen hat. Wir verbessern uns kontinuierlich.“ Dennoch, seit der Klub durch den völlig unerwarteten Abgang des Chefs nach nur acht Spieltagen erschüttert wurde, sind die Erwartungen bei dessen Nachfolger auf das Nötigste beschränkt. Wolfsburg gegen Portsmouth, das ist die Begegnung des Achten der Bundesliga und des Achten der Premier League. Während aber der norddeutsche Klub nach oben will, schielt der südenglische nach unten: „Nicht absteigen“ lautet das Ziel von Adams für sein erstes Berufsjahr.

          Zuletzt büßte Portsmouth gegen Fulham, Wigan und Hull Punkte durch Gegentore in den letzten drei Minuten ein - auch vor einer Woche nach dem begeisternden Uefa-Cup-Spiel gegen den AC Mailand, der erst durch einen späten Ronaldinho-Freistoß und ein Inzaghi-Tor in der Nachspielzeit ein 2:2 retten konnte. „Wir müssen noch am Defensivverhalten arbeiten“, sagt Adams. „Wir gehen durch eine Phase, in der wir Geschenke machen.“ Damit soll Schluss sein. Tony Adams mag der trockenste Trainer Englands sein, aber er ist nicht der Nikolaus.

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