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Port Said : Tage der Gewalt

Im Gedenken an die 72. Opfer: Al-Ahly-Fans feiern am Samstag die harten Strafen des Gerichts Bild: AFP

Die Todesurteile nach der Fußballtragödie von Port Said sorgen in Ägypten für blutige Krawalle. Die Ultra-Fans vom Klub Al Ahly in Kairo sprechen von Gerechtigkeit.

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          Die Gesänge hätten aus einem Stadion kommen können, aber sie hatten nichts mit Fußball zu tun. Als die Ultras des bedeutenden Kairoer Fußballklubs Al Ahly Mitte der Woche durch die Innenstadt ziehen, geht es um eine Botschaft an die Machthaber: „Wir vergessen nicht und fordern Gerechtigkeit, ihr Hunde des Militärs“, skandieren sie. Es geht um den 1. Februar 2012, Al Ahly spielt in Port Said gegen den dortigen Klub Al Masry. Ein Mob, mit Messern, Brechstangen, Flaschen bewaffnet, greift die Fans aus Kairo und auch ihre Spieler an, mehr als 70 Menschen werden bei dem Blutbad getötet. Die Sicherheitskräfte bleiben untätig. Für die Ahlawy, wie sich die Ultras von Al Ahly nennen, ist von Beginn an klar, dass es sich um eine Verschwörung handelt, um die Rache des Sicherheits-Establishments.

          Feindschaft mit dem Polizeistaat Mubaraks

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Denn die Ahlawy waren die Faust der Revolutionsjugend, die auf dem Tahrir-Platz gegen das Mubarak-Regime demonstrierte. Immer wieder kamen in den Tagen der Revolution Aktivisten auf dem Platz auf die Heldentaten der Ultras zu sprechen. „Sie hatten uns schon fast, nur die Ultras haben mich und meine Freunde wieder rausgehauen“, sagte damals ein Arzt, der in einer Moschee in den Seitenstraßen des Tahrir-Platzes verletzte Demonstranten behandelte. Die Feindschaft mit dem Polizeistaat Mubaraks hatten die Ahlawy da schon lange gepflegt.

          Am gestrigen Samstag nun verhängen die Richter 21 Todesurteile, die das Staatsfernsehen live übertrug. Die Fernsehbilder zeigten einen entnervten Richter, der die Verkündung der Urteile immer wieder unterbrechen und lautstark Ruhe einfordern musste, weil es Tumult auf der Zuschauertribüne im Gerichtssaal gab, wo die Angehörigen der Todesopfer von Port Said in Jubel ausbrachen. Gegen mehr als 52 andere Angeklagte in dem Fall sollen nun am 9. März weitere Urteile gefällt werden, es sind auch Vertreter der Sicherheitsbehörden unter ihnen. Das Urteil sei „gerecht“ und eine „Erleichterung für die Familien der Opfer und die Fans“, teilte der Klub Al Ahly am Samstag in einer Stellungnahme auf der Internetseite des Klubs mit. Der Verein werde jene nicht vergessen, die ihr Leben für den Klub gegeben hätten.

          Auf dem Al-Ahly-Vereinsgelände feierten Tausende Ultras mit Sprechchören vor einer riesigen Stellwand, die Bilder der 72 getöteten Ahlawy zeigt. „Die Märtyrer sind im Himmel“, riefen sie. Denen würden sie „Blut und Seele“ opfern. Sie schimpfen auf die verhassten „Port Saidis“ und auf Feldmarschall Muhammad Hussein Tantawi, der den Hohen Militärrat, der zur Zeit des Blutbads von Port Said über Ägypten herrschte, anführte. Auf ihrer Facebook-Seite erklären die Ultras, die Todesurteile seien „ein Anfang“, ein erster Schritt in Richtung Gerechtigkeit. Sie hatten die neue Führung und die Justiz vor die Wahl gestellt: Gerechtigkeit oder Chaos. Die Ultras, deren Anführer sagen, sie könnten jederzeit 500 Anhänger für Proteste oder Straßenschlachten mobilisieren, hatten zuvor die Börse blockiert, eine Station der Metro in der Nähe des Innenministeriums gestürmt und zur Rush Hour Gleise besetzt. Dass sie dazu in der Lage sind, Chaos zu stiften, hatten sie damit bewiesen.

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