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Polizeikosten im Fußball : Kein Länderspiel in Bremen?

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Wer zahlt? Polizeieinsatz beim Nordderby im März 2014 zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV Bild: dpa

Der Bremer Vorstoß, Fußballklubs an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen zu beteiligen, führt laut Medienberichten zur Neuvergabe der EM-Qualifikationspartie gegen Gibraltar.

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          Als Reaktion auf den Vorstoß der Bremer Landesregierung zur Bezahlung von Polizeieinsätzen bei Risikospielen will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) offenbar das erste Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Gibraltar am 14. November neu vergeben. Die Qualifikationspartie zur Europameisterschaft 2016 sollte im Bremer Weserstadion ausgetragen werden, nun ist ein neuer Austragungsort im Gespräch. „Wir können die Reaktion des DFB nachvollziehen“, sagte Thomas Eichin, Manager des Bundesligaklubs Werder Bremen, gegenüber der „Bild“-Zeitung nach einem Treffen mit dem Verband. Werders Klubchef Klaus Filbry sagte: „Das wäre eine sehr harte, aber sehr konsequente Entscheidung.“ Der Verband wollte noch nicht bestätigen, dass das Spiel definitiv nicht in Bremen stattfinden wird.

          Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga, hatte einen entsprechenden Antrag angekündigt und zugleich vor einem „Flickenteppich“ im deutschen Fußball in der brisanten Sicherheitsthematik gewarnt. Bremens Politiker stehen allerdings mit ihrem Vorstoß alleine da. Am Tag nach der viel diskutierten Initiative von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer bekam der SPD-Politiker keinerlei Unterstützung aus anderen Bundesländern - auch nicht von Parteifreunden aus Hamburg, Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen. Der geschlossene Protest aus dem Profi-Fußball hält derweil unvermindert an.

          „Unser Ziel ist es, die Einsatzzeiten der Polizei beim Fußball auf Dauer zu reduzieren. Dabei setzen wir auf den Schulterschluss mit DFB, DFL, den Vereinen und den friedlichen Fans“, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger. „Nur gemeinsam kann es uns gelingen, Chaoten und Gewalttäter aus den Stadien herauszuhalten. Wir haben in Deutschland eine einmalige Fußballkultur. Wir haben moderne Stadien, Stehplätze und eine Superstimmung. Mir ist es wichtig, dieses wunderbare Fußballerlebnis zu erhalten“, fügte der Vorsitzende der Innenminister-Konferenz an.

          Herrmann: Zuständigkeit liegt bei Polizei

          Bayerns Innenminister Joachim Herrmann positionierte sich am Mittwoch am deutlichsten gegen den sogenannten Bremer Beschluss. „Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt die originäre Zuständigkeit beim Staat und damit bei der Polizei“, sagte der CSU-Politiker in München. „Wenn HSV-Fans am Marienplatz randalieren, kann man nicht den FC Bayern dafür verantwortlich machen“, sagte Herrmann. Der Beitrag der Vereine müsse sein, Gewalttäter auf Dauer von Fußballspielen auszuschließen und gegen Pyrotechnik einzuschreiten.

          Bremen hatte am Dienstag verkündet, den Fußball für Polizeieinsätze bei Risikospielen in der Bundesliga in der kommenden Saison zur Kasse bitten zu wollen. Nach Ansicht Herrmanns wie praktisch aller seiner Amtskollegen sind die Veranstalter von Fußballspielen oder anderen Großveranstaltungen „generell in den eigenen Räumen und eigenen Veranstaltungsorten für den geordneten Ablauf selbst zuständig“. Auch müssten sie für eine ausreichende Anzahl an Ordnern sorgen - mehr aber auch nicht.

          Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, erfährt Unterstützung aus der Politik.
          Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, erfährt Unterstützung aus der Politik. : Bild: dpa

          Auch aus Schleswig-Holstein, Hessen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern kamen am Mittwoch ablehnende Reaktionen. Die Landesregierungen in Baden-Württemberg und Niedersachsen hatten sich schon am Dienstag entsprechend geäußert. Ligapräsident Rauball hatte seine Sorge ausgedrückt, der Bremer Beschluss werde eine uneinheitliche Regelung in Deutschland hervorrufen. „Es droht demnach ein Flickenteppich - und das kann niemand wollen“, sagte der Präsident von Borussia Dortmund in einem Interview der Funke-Mediengruppe. Im Moment ist Bremen aber der einzige Mini-Flicken auf dem deutschen Fußball-Teppich.

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