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Polizeieinsätze beim Fußball : Wer zahlt, wenn es kracht?

  • -Aktualisiert am

Polizei-Einsatz mit Reiterstaffel: Sicherheitskräfte auf dem Rasen des Karlsruher Stadions Bild: picture alliance / GES-Sportfoto

Die Diskussion um die Kosten von Polizeieinsätzen beim Fußball lodert weiter: Der Blick ins Ausland zeigt, dass die Vereine und Verbände dort meistens nicht so günstig wegkommen wie in Deutschland.

          7 Min.

          In Deutschland ist klar geregelt, dass der Staat für alle Polizeieinsätze bezahlt. Für die Sicherheit in den Zügen und an den Bahnhöfen ist dabei die Bundespolizei zuständig. Dort sind pro Saison mehr als 100.000 Beamte bei Fußballspielen im Einsatz, pro Kalenderwoche rund 2000. Für die Saison 2012/2013 entstanden so Kosten von 27,8 Millionen Euro für Personal, hinzu kamen 10,2 Millionen Euro Materialkosten.

          Ab dem jeweiligen Bahnhof übernimmt dann die jeweilige Landespolizei. In Dortmund zum Beispiel schwankt dabei die Anzahl der Beamten stark. Es gibt Spiele, bei denen sind unter 100 Beamte im Einsatz, bei einem Derby gegen Schalke können es durchaus 300 Beamte sein. Welche Kosten dabei entstehen, kann die Polizei Dortmund nicht sagen.

          Auch in den Arenen ist die Polizei präsent, in Dortmund etwa mit einer eigenen Stadionwache. Das Hausrecht wird aber nur bei Bedarf auf die Polizei übertragen. Ansonsten setzen die Vereine eigene Sicherheitskräfte ein. Nach Angaben der Deutschen Fußball-Liga geben alle Bundesligaklubs dafür zusammen pro Saison 15 Millionen Euro aus.

          Großbritannien: Geld an die Polizei

          Im Gründungsland des Fußballs ist es seit Jahren selbstverständlich, dass die Vereine mitbezahlen. Grundlage dafür sieht John Shea, Anwalt für Sportrecht in der Kanzlei Blake Morgan, im „Police Act“ von 1996. Dort ist geregelt, dass die Polizei im Auftrag von jedermann „Special Police Services“ anbieten darf, wenn entsprechend gezahlt wird. In einem mehr als 60 Seiten langen Leitfaden ist genau geregelt, wie solche „Special Police Services“ kalkuliert werden können, inklusive Beispielrechnungen und juristischen Fallentscheidungen aus der Vergangenheit.

          Bis vor kurzem wurde in Großbritannien diskutiert, Während in Deutschland diskutiert wird, ob die Vereine und Verbände überhaupt zahlen sollen, gibt es in Großbritannien immer wieder gefordert, ob dieses Gesetz nur für die Polizeieinsätze auf dem Gelände der Vereine gilt oder ob die Vereine nicht auch für die Polizei an den Bahnhöfen oder auf dem Weg zu den Stadien mitbezahlen müssen.

          In einem Urteil des zweithöchsten englischen Gerichts aus dem vergangenen Jahr heißt es dazu, dass dieses Gesetz nur für Kosten der Polizeieinsätze auf dem eigenen Gelände gilt. „Daran wird sich so schnell nichts mehr ändern“, sagt Shea.

          Die Polizei hat auch in England stets ein wachsames Auge.
          Die Polizei hat auch in England stets ein wachsames Auge. : Bild: AFP

          Für die Vereine bedeutet es, dass sie pro Jahr mehrere hunderttausend Euro an den Staat überweisen müssen. Allein der Klub Leeds United, der in dem Fall vor Gericht einer der Beteiligten war, muss laut Shea für die Polizei auf seinem Gelände umgerechnet fast 450 000 Euro pro Saison zahlen.
          Darüber hinaus brauchen die Vereine auf der Insel für jedes Spiel ein Sicherheitszertifikat, um die Partie überhaupt ausrichten zu dürfen. Darin können weitere Auflagen festgelegt werden, etwa für den Umgang mit Hooligans.

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