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Polizei-Gewerkschafter Witthaut : „Ultras attackieren uns gezielt“

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Darüber müsste man intensiv nachdenken. Es reicht nicht mehr, ein Spiel, in dem es zu Ausschreitungen kommt, mal fünf Minuten zu unterbrechen. Man müsste einfach mal sagen: Schluss, Ende, Aus.

Aber die Fernsehrechte, die Millioneneinnahmen für die Vereine?

Der Veranstalter trägt das Risiko. So könnten die Ultras zum Nachdenken animiert werden.

Die Liga sagt jetzt auch, dass in Zukunft bei Risikospielen die Kartenkontingente für die Auswärtsfans gestrichen werden könnten.

Das ist der richtige Weg, um die Zuschauer zu schützen. Wir müssen darüber nachdenken, dass der DFB die Möglichkeit in Anspruch nimmt, Spiele ganz abzusagen, wenn es gesicherte Erkenntnisse über massive, gewalttätige Auseinandersetzungen gibt.

Beim Frankfurt-Spiel waren mehr als 1000 Polizisten, 700 Ordner, szenekundige Beamte, Streetworker, Pferdestaffeln und Hubschrauber im Einsatz. Es gibt Risikospiele in der dritten oder vierten Liga, die auf ähnliche Weise abgesichert werden müssen. Ist dieser Aufwand gerechtfertigt?

Es gibt ja inzwischen bis hinunter zu deutlich tieferen Ligen Auseinandersetzungen. Auch da sind aufgrund der Erfahrungen nicht mehr nur eine Streife, sondern mehrere Kollegen im Einsatz. Das ist grotesk. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zu dem, was so ein Fußballspiel eigentlich bedeutet. Jetzt sind die Veranstalter gefragt, den Ultras deutlich zu zeigen, dass eine Grenze überschritten wurde.

 Wo sehen Sie konkrete Lösungsansätze auch außerhalb der Verantwortung der Vereine?

Wir sind an den Spieltagen für ein generelles Alkoholverbot bei der Bundesbahn. Viele Fans reisen mit dem Zug - auch die gewaltbereiten. Das sollte umgesetzt werden. Auch die DFB-interne Sportgerichtsbarkeit ist verbesserungswürdig. Wir wollen erreichen, dass Vereine sanktioniert werden, wenn ihre Fans außerhalb der Stadien, zum Beispiel in Bahnhöfen, randalieren. Der Gewalt-Fan muss begreifen: Raste ich aus, zahlt mein Verein drauf! Wir brauchen technische Einrichtungen, um die Fans beim Einlass ins Stadion besser zu kontrollieren. Wenn viele auf einmal gezielt versuchen, das Stadion zu stürmen und Sprengkörper oder Pyrotechnik hineinzuschmuggeln, sind die Ordner nicht in der Lage, in solch einer Drucksituation für Sicherheit zu sorgen.

Ihr Kollege von der kleineren Polizeigewerkschaft DPolG fordert eine Beteiligung der Profiklubs an den Einsatzkosten der Polizei. Das erscheint konsequent. Warum sind Sie dagegen?

Das ist absoluter Populismus. Mit dieser Idee muss Schluss sein. Die Polizei und private Veranstalter kämen doch damit in eine riesengroße Bredouille. Wenn es gerecht zugehen soll, muss jeder private Veranstalter dann für die polizeilichen Kosten auch bei einem Weinfest, Marathonlauf oder Radrennen aufkommen. Gleiches gilt für Eishockey, Basketball oder Handball. Das ist der völlig falsche Weg.

Aber es hätte vielleicht erzieherische Wirkung bei den Vereinen, wenn schlechte Fanarbeit sie Millionen kosten würde.

Wohin sollte das eingenommene Geld gehen? Es würde in den Landeshaushalten verschwinden und nie bei der Polizei ankommen. Und bei den Vereinen wäre es durchaus wahrscheinlich, dass sie diese Kosten an anderer Stelle wieder reinholen. Wir müssen vielmehr daran arbeiten, dass die Gewalttäter nicht mehr ins Stadion kommen und als Besucher eines Fußballspiels isoliert werden. Darum geht's.

Hier und da gibt es den Vorwurf, die Polizei würde manchmal im Fußballeinsatz überreagieren und Gewaltausbrüche damit erst provozieren. Wie sieht es bei Ihnen mit Selbstkritik aus?

Ich kann mir schon vorstellen, dass Kollegen, die sich an 30 oder 40 Wochenenden immer wieder im Fußballeinsatz befinden und in der Woche auch kaum regenerieren können, sehr gefrustet sind. Den Vorwurf, dass sie bewusst oder unbewusst Menschen provozieren, kenne ich von Demonstrationen. Das wird uns gerne unterstellt. Aber ich kann nur sagen, dass jeder Einsatz professionell durchgeführt und innerhalb der Abteilungen und Hundertschaften aufgearbeitet wird.

Das Gespräch führte Michael Ashelm.

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