https://www.faz.net/-gtl-sfaf

Pokalfinale : Die Faszination Berlin erreicht Eintracht Frankfurt

Eintracht-Stürmer Amanatidis will auch beim Pokalfinale jubeln Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Draußen vor dem Stadion wird noch fleißig mit schweren Preßluftgeräten gewerkelt, und auch drinnen, im Bauch der riesigen Arena, herrscht hektische Betriebsamkeit. Langsam baut sie sich auf, die Pokalstimmung.

          3 Min.

          Draußen vor dem Stadion wird noch fleißig mit schweren Preßluftgeräten gewerkelt, und auch drinnen, im Bauch der riesigen Arena, herrscht hektische Betriebsamkeit. Langsam baut sie sich auf, die Pokalstimmung, auf die sich scheinbar eine ganze Fußballnation freut. Vor allem aber die Frankfurter Eintracht. Sie ist die große Unbekannte in diesem Millionenspiel, wenn sich der hohe Favorit Bayern München an diesem Samstag (Anstoß 20 Uhr) anschickt, den DFB-Pokalsieg des Vorjahres zu wiederholen.

          Das Gedränge im umgebauten Business-Bereich des Berliner Olympiastadions ist groß, und Harald Stenger, der Mediendirektor des Deutschen Fußball-Bundes, bittet um Entschuldigung für die dreizehnminütige Verspätung. Alles rund um dieses 63. Pokalfinale ist minutiös geplant - und scheint schon am Tag vor dem Tag aus den Fugen zu geraten. Doch als Friedhelm Funkel und Felix Magath, die beiden Endspiel-Trainer, sowie Heribert Bruchhagen und Karl-Heinz Rummenigge, die jeweiligen Vorstandschefs, auf dem Podium Platz genommen haben, schlägt die Stunde der Reporter.

          Nach dem Finale die entscheidenden Spiele

          Eine Kernbotschaft nach dem Frage-und-Antwort-Spiel: Die Eintracht und die Bayern, die sich zu Jahresbeginn noch in Person von Bruchhagen und Rummenigge eifrige Wortgefechte über die Verteilung der Fernsehgelder geliefert hatten, haben sich irgendwie doch lieb. Denn als über „diesen unglücklichen Finaltermin“ gesprochen wird, sind sich alle Beteiligten einig: Die einst große Saisonabschlußparty ist filetiert worden. Statt ausgelassen und beschwingt nach diesem 63. DFB-Pokalfinale zu feiern, ist dezente Zurückhaltung angesagt, stehen doch schon zur Wochenmitte wieder entscheidende Spiele um Meisterschaft (Bayern) und Abstieg (Eintracht) auf dem Plan. „Das Pokalfinale war früher immer ein Höhepunkt, den man ausleben konnte“, sagte Funkel. Trotzdem: Wenn alles vorbei ist, „dann werden wir mit der großen Eintracht-Familie zusammensitzen, etwas essen und dann ins Bett gehen“.

          Beide möchten ihn auch am Samstag in den Händen halten - aber nur einer wird es können

          So also stellt sich Friedhelm Funkel das vor. Der Trainer der Frankfurter Eintracht, zum vierten Mal schon als Finalpartner im Berliner Olympiastadion zu Gast, freut sich wie Bolle auf die Bayern. Er sagte: „Die Faszination Berlin hat uns in Frankfurt erreicht. Wir mußten einen schweren Weg gehen. Aber jetzt stehen wir verdient im Finale, in dem wir natürlich Außenseiter sind, denn Bayern hat die beste und erfolgreichste Fußballmannschaft Deutschlands.“ Was kann die Eintracht gegen die scheinbar übermächtigen Bayern erreichen? Und mit welchem Personal gedenkt Funkel den Münchnern auf Augenhöhe zu begegnen? Fragen, denen Funkel auch am Abend nach der einstündigen Trainingseinheit im Olympiastadion erwartungsgemäß auswich und nur vage beantwortete.

          Immerhin: Seiner Einschätzung nach „ist meine Mannschaft gut drauf. Sie hat gezeigt, auch zuletzt in der Bundesliga beim 2:0 in Stuttgart, daß sie erfolgreich Fußball spielen kann. Wir alle haben den Ehrgeiz, zu einem guten, spannenden Spiel beizutragen.“ Nicht nur gut, sondern im Gegenteil geradezu exzellent sind die äußeren Gegebenheiten, die sich der Eintracht in der Vorbereitung auf das Finale bieten. Abgestiegen im Schloßhotel im Grunewald, wandeln Funkels Kicker ein bißchen auf den Spuren der Nationalmannschaft, die vom Grunewald aus bei der anstehenden Weltmeisterschaft überraschen will. Funkel weiß, daß die Herberge normalerweise nicht dem Niveau der Eintracht entspricht. Doch diesmal, glaubt er, hätte der Klub eine Ausnahme verdient. „Weil wir Außergewöhnliches erreicht haben, dürfen wir auch außergewöhnlich wohnen. Zum Entspannen, zum Joggen, zum Spazierengehen ist es hier einfach ideal.“

          Funkel sieht Chancen gegen die Bayern

          Natürlich hat sich Funkel auch bei der offiziellen Finalpressekonferenz nicht in die Karten schauen lassen und irgendwelche Details von seinen Personalüberlegungen preisgegeben. Eindeutig zweideutig sagte er: „Alle Spieler, die mit nach Berlin gekommen sind, können auch spielen.“ Und mit Blickrichtung auf die nahende Bundesligapartie gegen Kaiserslautern gewandt, fügte er an, „daß es für mich überhaupt keinen Grund gibt, irgendeinen Spieler zu schonen.“ Funkel, sichtlich inspiriert von der Aura, die von dem nahenden Pokalfinale ausgeht, sieht die Eintracht keinesfalls chancenlos. „Seit unserem 6:0 gegen Schalke hat sich bei uns eine Euphorie entwickelt, die zu einem außerordentlichen sportlichen Erfolg geführt hat.“ Berlin als Magnet und Kristallisationspunkt auch für die Eintracht.

          Selbst Rummenigge pflichtet den Frankfurtern bei. „Berlin als Finalort hat sich wunderbar entwickelt. Früher habe ich als Spieler immer neidvoll nach Wembley geschaut.“ Aber Wembley ist weit, und das Finale in Berlin steht kurz bevor.Wer weiß: Vielleicht heißt der Überraschungssieger ja tatsächlich Eintracht Frankfurt.

          Weitere Themen

          Hütter steht zu Kapitän Abraham

          Eintracht Frankfurt : Hütter steht zu Kapitän Abraham

          Die Aufregung um den rüden Rempler von David Abraham legt sich nach dem Spiel dank Christian Streichs versöhnlichen Worten schnell. Der DFB wird dennoch eine harte Strafe aussprechen müssen. Die Kapitänsbinde bleibt dem Eintracht-Spieler aber sicher.

          Münchner Skateboarder will zu Olympia Video-Seite öffnen

          Für den Libanon : Münchner Skateboarder will zu Olympia

          Ali Khachab ist Münchner, doch bei den Sommerspielen 2020 in Tokio will er für den Libanon an den Start gehen, die Heimat seiner Vorfahren. Der 28-Jährige ist Skateboarder, und davon gibt es im Libanon nur sehr wenige.

          Topmeldungen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.