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Fußball in England : Wie Aubameyang den FC Arsenal retten soll

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Der Mann fürs Außergewöhnliche: Arsenal hofft auf neuen Glanz durch Pierre-Emerick Aubameyang. Bild: AP

Der frühere Dortmunder ist der teuerste Transfer in der Geschichte des FC Arsenal. Vom früheren Dortmunder wird einiges erwartet. Denn der Klub aus London muss Spott einstecken – sogar aus den eigenen Reihen.

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          Über den FC Arsenal werden in England öfter mal gemeine Dinge gesagt. Der Verein aus dem Norden Londons sieht sich selbst als Spitzenklub der Premier League, hinkt diesem Anspruch aber seit langer Zeit hinterher. Die bislang letzte Meisterschaft ist jetzt 14 Jahre her. Da darf man sich über Spott nicht wundern. Aber wenn eine Klub-Legende wie Ian Wright zu Journalisten sagt, Arsenal sei heute doch nicht mehr als eine „gewöhnliche Fußballmannschaft“, dann kann man sich vorstellen, wie sie sich rund um das Emirates Stadium empören.

          Der Blick auf die Tabelle gibt Wright allerdings recht. Arsenal steht nach 25 Spieltagen auf Platz sechs und droht damit zum zweiten Mal in Folge die Champions League zu verpassen. In den vergangenen Wochen wechselten sich zudem immer wieder peinliche Ausrutscher mit vereinzelten Lichtblicken ab: Arsenal ist gegen den Zweitligaklub Nottingham Forest aus dem FA-Cup ausgeschieden, hat dafür aber den FC Chelsea aus dem weniger prestigeträchtigen Ligapokal befördert. Doch einige Tage später gab es eine Niederlage gegen den Abstiegskandidaten Swansea. Das klingt mehr nach Mittelmaß als nach Spitzenklub.

          Zum Glück für den FC Arsenal gibt es im Fußball jedoch ein Mittel, um solche Probleme zu lösen: Geld. Umgerechnet rund 64 Millionen Euro haben die Londoner in dieser Woche an Borussia Dortmund überwiesen, damit der Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang fortan für sie auf Torejagd geht. Der Wechsel hatte sich länger angedeutet – phasenweise mit albernen Auswüchsen seitens des Spielers. Seit Mittwoch ist er nun vollzogen. Sein Debüt dürfte Aubameyang schon an diesem Samstag im Heimspiel gegen den FC Everton geben (18.30 Uhr bei DAZN).

          Pierre-Emerick Aubameyang soll in London gleich für Tore sorgen.

          Der Gabuner ist der teuerste Zugang in der Geschichte des FC Arsenal. Trainer Arsène Wenger hat sich in seinen bald 22 Jahren bei dem Verein nicht gerade den Ruf erworben, besonders kauflustig zu sein. Allerdings musste Arsenal in diesem Wintertransferfenster reagieren: Mit Alexis Sánchez hat der beste Spieler den Verein in Richtung Manchester United verlassen; auch Olivier Giroud und Theo Walcott sind gewechselt. Dass ausgerechnet dieses Trio den FC Arsenal auf einen Schlag verlassen könnte, hätte man noch vor der Saison für unmöglich gehalten. In der vergangenen Saison waren die drei für zwei Drittel aller Arsenal-Tore verantwortlich gewesen. Nun sind sie weg, und das Toreschießen müssen andere übernehmen.

          Im Tausch für Sánchez ist Henrich Mchitarjan von Manchester United zu den „Gunners“ gewechselt. Der Armenier kennt Aubameyang bereits aus ihrer gemeinsamen (und erfolgreichen) Zeit bei Borussia Dortmund. Im vergangenen Sommer hatte Arsenal zudem schon einmal seinen alten Transferrekord gebrochen, als mit Alexandre Lacazette ein weiterer Stürmer für 53 Millionen Euro verpflichtet worden war. Mesut Özil hat in dieser Woche seinen Vertrag bis 2021 verlängert, der andernfalls im Sommer ausgelaufen wäre. Es heißt, der deutsche Nationalspieler, der seit viereinhalb Jahren für Arsenal spielt, habe seine Entscheidung auch an namhafte Zugänge geknüpft.

          Es sind tiefgreifende Umwälzungen, die gegenwärtig beim FC Arsenal vor sich gehen. Und man wird den Eindruck nicht los, dass sie eher um Wenger herum passieren als in seinem Auftrag. So mancher im Umfeld des Klubs macht den 68 Jahre alten Franzosen für die Flaute verantwortlich. Dessen Amtszeit lässt sich grob vereinfacht in zwei Hälften unterteilen: die fetten Jahre zwischen 1996 und 2006, als Arsenal mit ihm von einem Titel zum nächsten rauschte – und die mageren Jahre seitdem. Viele Fans befürchten angesichts der immer stärker werdenden Konkurrenz, vor allem aus Manchester, dass ihr Verein im Mittelmaß versinken könnte.

          Schon länger fordern Fan-Gruppen Wengers Rücktritt. Der hatte im vergangenen Sommer trotzdem seinen Vertrag noch einmal bis 2019 verlängert. Dessen ungeachtet, wird im Maschinenraum des Emirates aber bereits die Zeit nach seinem Abschied vorbereitet – und Spieler wie Aubameyang stehen sinnbildlich für das nahende Ende seiner Ära. So hat Arsenal-Geschäftsführer Ivan Gazidis damit begonnen, neues Personal in den Verein zu bringen.

          Seit Ende des vergangenen Jahres arbeitet mit dem Deutschen Sven Mislintat ein neuer Chef-Scout beim FC Arsenal. Mit Huss Fahmy ist zudem ein Spezialist für Vertragsangelegenheiten geholt worden. Und in der vergangenen Woche hat Raul Sanllehi, bislang Direktor für Profifußball beim FC Barcelona, seine Arbeit als „Head of Football Relations“ in London aufgenommen, womit er einem Sportdirektor ziemlich nahe kommen dürfte. Das wiederum ist ein Posten, von dem Wenger vor wenigen Monaten sagte, dass er nicht mal genau wisse, wozu man ihn überhaupt brauche.

          Wenger hat die meiste Zeit seiner Karriere alle wichtigen Entscheidungen allein getroffen. Jetzt wird die Verantwortung auf viele Schultern umverteilt. Die Transfers von Aubameyang und Mchitarjan dürften maßgeblich auf die Arbeit von Mislintat zurückzuführen sein. Er hat vor seinem Engagement beim FC Arsenal viele Jahre bei Borussia Dortmund gearbeitet und in dieser Zeit beide Spieler in die Bundesliga geholt. „Wenger hat definitiv nicht mehr die Kontrolle über den Klub, die er früher hatte“, sagte Ian Wright dazu der BBC: „Dort passiert gerade so vieles im Hintergrund.“ Arsenal arbeitet daran, in der Premier League in nicht zu ferner Zukunft wieder oben mitmischen zu können. Das nötige Geld dazu ist vorhanden. Der Klub gehört zu den zehn reichsten Teams in Europa. Dennoch nur eine gewöhnliche Mannschaft zu sein – dieses Image passt Arsenal gar nicht.

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