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Philipp Lahm : Ein sehr leises Adieu

Das war´s: Philipp Lahm bei seinem letzten Auftritt im deutschen Nationaltrikot Bild: dpa

Philipp Lahm überrascht alle Fußballfans und auch seine Mitspieler mit seinem plötzlichen Abschied. Die Nationalmannschaft hätte ihn noch gebraucht, aber der Kapitän geht auf dem Gipfel der Karriere von Bord.

          4 Min.

          Es war die siebzehnte Minute im Halbfinale gegen Brasilien, noch war nichts entschieden. Weder dieses Halbfinale, das zu einem epochalen Ereignis werden sollte, noch die WM, die wenige Tage später als Triumph der Deutschen gegen Argentinien endete. Es war jener Moment, als Marcello auf der linken Seite Philipp Lahm im Sprint überlief und in den Strafraum eindrang. Die große Chance zum Ausgleich war da. Aber Lahm hatte die Verfolgung aufgenommen, und nun, im höchsten Tempo grätschte er plötzlich von hinten, er rutschte mit dem Körper am Brasilianer vorbei, waghalsig, aber er traf den Ball perfekt und trennte ihn vollkommen fair von Marcello. Der Rest ist Fußball-Geschichte.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In zahlreichen Sportarten gibt es Aktionen oder Übungen, die nach Sportlern benannt sind: Der Gienger-Salto im Turnen. Der Salchow im Eiskunstlaufen. Der Fosbury-Flop im Hochsprung. Und das, was die Fußballwelt in diesem Augenblick beim 7:1 gegen Brasilien zu sehen bekam: das war die Lahm-Grätsche. Eine Rettungsaktion in Vollendung, das perfekte Verteidiger-Tackling.

          Jäh, schnell und kompromisslos

          Dieses Kunststück wird man in der deutschen Nationalmannschaft künftig nicht mehr bewundern können. Zumindest nicht von Philipp Lahm - und auf Jahre vermutlich auch von keinem anderen deutschen Außenverteidiger. Zehn Tage nach der Rettungstat gegen Brasilien und fünf Tage nachdem Philipp Lahm als Kapitän der deutschen Auswahl den Weltpokal in den Himmel von Rio de Janeiro reckte, ist eine große Nationalmannschafts-Karriere überraschend zu Ende gegangen. Philipp Lahm ist nach zehn Jahren in der Nationalelf zurückgetreten. So jäh, schnell und kompromisslos wie eine Lahm-Grätsche.

          Der 30 Jahre alte deutsche Kapitän hat am Freitag seinen Rücktritt erklärt - und hinterlässt eine verdutzte Führungsspitze im Verband und ein überraschtes Publikum. Einen Weltpokal gewonnen, einen Weltklassespieler verloren. So schnell ist nach fünf Tagen also schon wieder der Alltag mit all seinen Fragen beim nun viermaligen Weltmeister zurückgekehrt.

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          Nach 113 Länderspiel beendete der deutsche Kapitän, der zehn Jahre lang seine Weltklasse in der Nationalmannschaft erst auf der linken, dann auf der rechten Seite und in Brasilien zwischenzeitlich auch im defensiven Mittelfeld demonstrierte, seine internationale Laufbahn, die für viele Experten noch lange nicht zu Ende schien. Ist sie ja auch nicht. International wird Lahm zumindest noch für den FC Bayern spielen. Da hat er seinen Vertrag gerade noch einmal bis 2018 verlängert.

          Schon in der vergangenen Saison, so Lahm gegenüber dem DFB, sei seine Entscheidung gereift, dass er seine Karriere in der Nationalelf nach der WM beenden wolle. In einer kurzen persönlichen Erklärung auf der Homepage des Verbandes schreibt der Kapitän über den Zeitpunkt seines Entschlusses. Gründe für seinen Rücktritt gab er allerdings nicht an - genauso wenig der Verband. „Heute Morgen habe ich mich bei DFB-Präsident Wolfgang Niersbach verabschiedet und mich bei ihm stellvertretend für die tolle Zusammenarbeit mit dem Trainerteam um Joachim Löw, Hansi Flick, Andy Köpke und Teammanager Oliver Bierhoff sowie der gesamten Mannschaft und allen DFB-Mitarbeitern in den vergangenen zehn Jahren bedankt.“ Nach persönlichen Worten an den Bundestrainer oder die Kollegen sucht man vergeblich.

          Er gehe jedoch in „völliger Harmonie“, teilte der Kapitän gegenüber „Sportbild“ dann nachträglich mit. Ein Hinweis, der ihm wohl nötig schien, um den Verdacht zu entkräften, die Diskussionen während der WM um seine Rolle als Mittelfeldspieler, die er verlassen musste, hätten womöglich zu nachhaltigen Verstimmungen geführt und seine Rücktrittsentscheidung beeinflusst. Nach dem Achtelfinale gegen Algerien war Lahm von seiner bevorzugten Position wieder zurück in die Defensive gerückt, wo er auch danach wie so oft in seiner langen Karriere herausragende Leistungen gezeigt hatte.

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