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Pfiffe gegen Gomez : Ziemlich billige Routine

  • -Aktualisiert am

Mario Gomez erlebte keine erfreuliche Rückkehr in den Kreis der Nationalelf Bild: dpa

Einige Fans schließen Mario Gomez mit Pfiffen demonstrativ von der Feiergemeinde aus. Ob der Stürmer wirklich nochmal eine Hauptrolle spielen kann, ist eine der spannenden Fragen auf dem Weg zur EM 2016.

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          Gemessen daran, was dem Brasilianer Fred im WM-Halbfinale in Belo Horizonte widerfuhr, waren die Pfiffe gegen Mario Gomez kaum der Rede wert. Als irritierendes Neben- und Störgeräusch blieben sie aber doch hängen an einem Abend, der als stimmungsvoller Schlussakkord für die deutschen Weltmeister gedacht war. Man kann es auch so sagen: Einige der Zuschauer in der Düsseldorfer Arena schlossen Gomez demonstrativ von der Feiergemeinde aus.

          Das war doch ziemlich unverhältnismäßig angesichts des vergleichsweise geringen Anlasses. Natürlich, Gomez hätte etwas aus seinen drei hervorragenden Torchancen machen dürfen - so, wie es sein Anspruch sein muss, und auch so, wie es der Bundestrainer im Sinn gehabt haben dürfte, als er Gomez in den Tagen vor dem Spiel als „einen der Besten überhaupt“ im Strafraum bezeichnet hatte. Aber man konnte beim besten Willen nicht sagen, dass Gomez’ Fehlschüsse die einzigen Ausfallserscheinungen beim Wiedersehen mit Argentinien gewesen wären.

          Joachim Löw reagierte, wie er es auch in der Vergangenheit getan hat: Er nahm seinen Mann in Schutz. Es könne grundsätzlich nicht sein, sagte er, dass ein Spieler der deutschen Nationalmannschaft vom eigenen Publikum ausgepfiffen werde, nur weil er ein paar Chancen liegengelassen habe. Bei Gomez liegt der Fall ein bisschen tiefer. Der Angreifer vom AC Florenz ist seit längerem nicht gerade das, was man einen Publikumsliebling nennt.

          Seit seinem, zugegeben kapitalen, Missgeschick bei der EM 2008 wird er vom Misstrauen und auch von der Geringschätzung des Publikums begleitet. Der böse Spott von Mehmet Scholl als Fernsehkritiker bei der EM 2012 („wundgelegen“) tat sein übriges. Gomez’ Qualitäten rücken bei der Bewertung oft ebenso in den Hintergrund wie die Tatsache, dass er ein selbstkritischer und sensibler Profi ist.

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          Dem Bundestrainer war es ein echtes Anliegen, Gomez nach der WM wieder ins Team zu holen. Die Entscheidung, ihn nicht mit nach Brasilien zu nehmen, war schließlich der größte Härtefall bei der Kaderplanung für Brasilien. Löw verzichtete nicht deshalb auf Gomez, weil er ihn für ein Auslaufmodell hielt, sondern - schweren Herzens - weil er einfach zu lang ohne Spielpraxis gewesen war nach seiner monatelangen Verletzungspause.

          Dementsprechend warb Löw auch am Mittwoch um Geduld. Es sei völlig normal, dass Gomez noch Zeit brauche, um zu seiner Bestform zu finden. „Es wäre ja verrückt, wenn es nicht so wäre“, sagte Löw.

          Ob der 29 Jahre alte Gomez wirklich noch einmal eine Hauptrolle im deutschen Team spielen kann, ist eine der spannenden Fragen auf dem Weg zur EM 2016. Schließlich hat die WM gezeigt, dass sich auch mit den Götzes, Schürrles und Müllers dieser Fußballwelt gut stürmen lässt. An eine andere Erkenntnis aus Brasilien hatte Löw vor dem Spiel noch einmal erinnert: dass Teamgeist und Zusammenhalt der Schlüssel zum Erfolg gewesen seien.

          Diese Botschaft, so legten es die Pfiffe gegen Gomez nahe, ist draußen offenbar noch nicht bei allen durchgedrungen. Der angegriffene Angreifer selbst nahm die Sache relativ gelassen. Das Ganze, sagte er, sei „mittlerweile ein Stück weit normal“. Er hätte auch sagen können: eine ziemlich billige Routine.

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