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Wer wird neuer Präsident? : DFB geht neue Wege bei Suche von Grindel-Nachfolger

Die internationale Personalberatung Egon Zehnder soll den DFB bei der Suche nach einem neuen Präsidenten unterstützen. Bild: dpa

Reinhard Grindels Rückzug war schon der dritte vorzeitige eines DFB-Präsidenten innerhalb von sieben Jahren. Bei der Neubesetzung will der Verband nun einiges anders machen – und bekommt Unterstützung.

          Die internationale Personalberatung Egon Zehnder soll den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in den nächsten Monaten bei der Suche nach dem neuen Präsidenten unterstützen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz hat den Auftrag erhalten, bis Ende Juni eine sogenannte Stakeholder-Befragung umzusetzen. Hierbei sollen unter anderem Verantwortliche aus Landes- und Regionalverbänden des DFB, der Liga oder auch von Sponsoren interviewt werden, welche Erwartungen sie an die Rolle des DFB-Chefs knüpfen, welche Kompetenzen vorhanden sein müssten und woher er oder sie kommen sollte.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es geht offenbar nicht darum, dass die Personalberater Besetzungsvorschläge mit konkreten Namen erarbeiten sollen. Damit will sich das DFB-Präsidium zusammen mit Ligavertretern vermutlich selbst auf Grundlage der Befragungsergebnisse im Juli befassen. Beim Bundestag des DFB am 27. September soll die Präsidentenwahl stattfinden. Der DFB bestätigte am Freitagnachmittag, dass Egon Zehnder „ein klares Anforderungsprofil“ entwickeln solle.

          Anfang April war Reinhard Grindel aufgrund fragwürdiger Nebeneinkünfte sowie der Annahme einer geschenkten Luxusuhr vorzeitig als DFB-Chef abgetreten. Dies war nach Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach schon der dritte vorzeitige Rückzug eines Präsidenten innerhalb von sieben Jahren, so dass der Verband im Hinblick auf diese Neubesetzung andere Wege gehen will. Die Satzung des DFB schließt einen hauptamtlichen Präsidenten nicht aus. Ligapräsident Reinhard Rauball, der den Verband zusammen mit DFB-Vizepräsident Rainer Koch vorübergehend führt, brachte diese Überlegung wieder ins Spiel.

          Am Donnerstag hatte eine bisher unbekannte Vertreterin des katholischen DJK-Sportverbandes ihr Interesse an einer Bewerbung zur ersten DFB-Präsidentin bekundet. Die 60 Jahre alte Ute Groth ist Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf, aber bisher weder von einem DFB-Landesverband oder der Liga dafür vorgeschlagen worden, was für eine Kandidatur notwendig wäre.

          Derweil ging es am Freitag während einer DFB-Sitzung in Frankfurt um die Strukturreform im Verband. Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge präsentierten Präsidium und Vorstand ein Konzeptpapier. Der Plan konkretisiert sich, dass alle wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe mit den Vermarktungseinnahmen aus der Nationalmannschaft, dem DFB-Pokal-Wettbewerb und der dritten Liga in der seit 2017 existierenden hundertprozentigen Tochtergesellschaft DFB GmbH gebündelt werden. Es soll sich nicht um eine Ausgliederung der einzelnen Sparten, sondern lediglich um eine vertragliche Übertragung von Rechten auf die GmbH mit Pachtvereinbarungen handeln. Die genannten Geschäftsfelder, welche zukünftig in der GmbH zusammengefasst werden könnten, sorgen für 80 bis 90 Prozent der Gesamteinnahmen des DFB. Die Bilanzsumme des Verbandes betrug zuletzt 323 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2017).

          Im gemeinnützigen DFB e.V. verblieben der Jugend- und Amateurfußball, die Nachwuchsförderung, Trainerausbildung, das Schiedsrichterwesen, die Sportgerichtsbarkeit, soziale Projekte und Stiftungen. Einnahmen kämen aus den Pachtverträgen mit der Bundesliga und der GmbH, Zuschüssen von Fifa und Uefa, Erlösen aus Finanzanlagen und Lizenzgeschäften. Der Bundestrainer wäre in dem neuen Konstrukt Angestellter der GmbH. Es gäbe in der Tochtergesellschaft mehrere Geschäftsführer, darunter wohl Oliver Bierhoff, derzeit Direktor für die Nationalmannschaften. Der Aufsichtsrat könnte zudem auch mit externen Vertretern aus der Sponsorenschaft oder gesellschaftlichen Interessengruppen besetzt werden. Möglich wäre, dass der zukünftige DFB-Präsident den Aufsichtsratsvorsitz übernähme.

          Der DFB hat sich als Ziel gesetzt, mit der Neuorganisation die Aufsichtsstrukturen deutlich zu verbessern und im Zusammenspiel von Gemeinnützigkeit sowie wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb für mehr steuerliche Transparenz zu sorgen. Allerdings gilt es wohl, vor der Entscheidung noch einige Vertreter aus Landesverbänden zu überzeugen, die einen Einflussverlust seitens der ehrenamtlichen Funktionäre befürchten. Hier wird von den Befürwortern der Reform stets angeführt, dass die Hoheit des Verbandes über die Gesamtorganisation auch in sportpolitischer Hinsicht erhalten bliebe.

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