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Pep Guardiola : Die Prüfung des Meisters

Immer wieder Real Madrid: Trainer Pep Guardiola trifft mit den Bayern auf die Königlichen Bild: AP

Noch nie hat Pep Guardiola ein Spiel in Madrid verloren. Doch vor dem Halbfinale des FC Bayern im Bernabéu am Mittwoch ist die Stimmung angespannt. Hat der Bayern-Trainer den Fuß zu früh vom Gas genommen?

          3 Min.

          In Pep Guardiolas Leben als Fußballprofi, noch mehr aber in seinem Leben als Fußballtrainer, gab es immer einen großen Maßstab dafür, ob eine Saison eine gute Saison war: die Spiele gegen Real Madrid. Das war fünfzehn Jahre lang so, in denen er den FC Barcelona anführte, elf im Mittelfeld, vier auf der Trainerbank. Nun, in seinem ersten Jahr als Trainer beim FC Bayern, wird es genauso sein.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der epochale 6:2-Sieg im „Clásico“ bei Real Madrid vor fünf Jahren, am 2. Mai 2009, installierte „Barça“ als globales Modell für eine neue Art von begeisterndem Fußball. Dem damals 38-Jährigen brachte es seinen ersten Meistertitel als Trainer, vor allem aber einen Ruf als Revolutionär des Fußballs. Die Demontage des größtmöglichen Gegners, der zuvor 52 von 54 möglichen Punkten gewonnen hatte, begründete die Trainerlegende von Pep Guardiola.

          Zu dieser Legende gehörte der Satz, den er seinem Biographen Guillem Ballagué zufolge den Spielern sagte, bevor sie die kleine Treppe hinauf zum Rasen gingen: „Wir sind hierhergekommen, um zu gewinnen! Und im Bernabéu-Stadion kann man nur auf eine Art gewinnen: Seid tapfer!“ Zwei Stunden später, nach Schlusspfiff, nannte Guardiola es „einen der glücklichsten Tage meines Lebens“.

          Großer Fußball, große Worte, große Gefühle. Fünf Jahre später, vor seinem nächsten Besuch im Bernabéu am Mittwoch (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET), sind es eher kleinliche Ängste und Debatten, die das Stimmungsbild seines Teams, des FC Bayern, prägen.

          Matthias Sammer: „Wir brennen nicht“

          Nach dem im Resultat deutlichen, in der Spielweise aber nicht überzeugenden 5:1-Sieg im Pokalhalbfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern sah sich Guardiola plötzlich einer Stimmungskritik von Matthias Sammer ausgesetzt. Der Sportvorstand sprach ein Wort ins TV-Mikrofon, das im Fußballbetrieb im Gegensatz zum Freizeitbereich nicht positiv besetzt ist: „Kuscheloase“. Dazu gab Sammer in seiner Eigenschaft als Feuermelder der Bayern Alarm: „Wir brennen nicht.“

          Guardiola nahm die Sache mit Humor ab. „Matthias hat eine große Nase“, sagte er, was dem Vorgesetzten wohl einen guten Riecher für Probleme attestieren soll. Ansonsten mied er die öffentliche Diskussion interner Meinungsverschiedenheiten, die unnötig Energien kosten kann. In Barcelona fraßen diese Nebenschauplätze nach Einschätzung des früheren Barça-Trainers und Guardiola-Vertrauten Charlie Rexach „siebzig Prozent der Energie“ des Trainers.

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          Jetzt zählt es: Der Spanier erklärt Mario Götze seine Philosophie : Bild: dpa

          Eine weitere Technik Guardiolas, um Kontroversen klein zu halten, ist öffentliche Selbstkritik. Nach der 0:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund „haben wir unsere Trainingsintensität verbessert“, sagte er am Freitag. Es ist das Eingeständnis einer Korrektur seiner bisherigen Linie, des Schonprogramms nach dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft vor dreieinhalb Wochen. Seine Analyse der jüngsten Schwächen des Teams: „Das war mein Fehler und nicht der der Spieler.“

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