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Manchester City : Guardiolas harter Kampf um die Kontrolle

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Für Pep Guardiola geht es mit Manchester City jetzt vor allem um die Meisterschaft in England. Bild: Reuters

Die Meisterschaft in England ist nach dem Aus in der Champions League ein Muss für Pep Guardiola und Manchester City. Doch es wird schwierig. Denn Jürgen Klopp und Liverpool haben einen Vorteil.

          Pep Guardiola liebt es, alles unter Kontrolle zu haben. Seine Mannschaft, Manchester City, hat in der Premier League oft bis zu 70 Prozent Ballbesitz oder mehr. Schwächere Gegner igeln sich gegen City meist ein – und werden dann Opfer von Guardiolas würgegriffartigem Kombinationsfußball. Aber als Manchester City im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen Tottenham Hotspur antrat, trat kurz nach dem Anpfiff das blanke Chaos zutage. Nach elf Minuten stand es 2:2 – einen so wilden Auftakt hatte es in der Champions League zuvor noch nie gegeben –, und Guardiolas Plan war für die Tonne. Der 4:3-Sieg reichte nicht, Manchester City schied wegen der 0:1-Niederlage im Hinspiel aus Europas Spitzenwettbewerb aus. Wieder einmal.

          „Es ist hart“, sagte Guardiola hinterher. „Es ist grausam, aber wir müssen es akzeptieren.“ Das jedoch dürfte den Eigentümern des aus Abu Dhabi so feudal finanzierten Klubs zunehmend schwerfallen. Seit seinem Amtsantritt vor knapp drei Jahren durfte Guardiola angeblich rund 600 Millionen Euro ausgeben, um sich ein Team nach seinen Bedürfnissen zusammenzukaufen. Die englische Meisterschaft hat er in der vergangenen Saison mit überwältigender Dominanz gewonnen. Aber was die Besitzer weit mehr begehren, das ist ein Triumph in der Champions League, auf der größtmöglichen Bühne des europäischen Klubfußballs. Und auf der liefert Guardiola nicht ab, was sie von ihm erwarten. Mit Manchester City ist er nun in drei Jahren einmal im Achtelfinale und zweimal im Viertelfinale gescheitert. Mit dem FC Bayern München, seinem vorigen Klub, war zuvor dreimal in Serie im Halbfinale Schluss gewesen.

          Mit dem FC Barcelona hat Guardiola die Champions League zweimal gewonnen. Das ist jetzt jedoch acht beziehungsweise zehn Jahre her. Und der „Mythos Guardiola“, so ist nun in verschiedenen Publikationen zu lesen, sei in dieser Zeit verblasst. Die Schuld für sein wiederholtes Scheitern in der Champions League wird seinem Streben nach Perfektion gegeben; in der K.-o.-Phase des Wettbewerbs „zerdenke“ er sozusagen seine Aufstellungen auf der Suche nach dem besonderen Kniff bis an den Punkt, an dem ihm taktische Fehler unterliefen, schrieb nach dem Hinspiel gegen Tottenham die BBC.

          Anstelle des wichtigen Kevin De Bruyne hatte Guardiola in dem Spiel Ilkay Gündogan aufgeboten, statt Leroy Sané hatte Ergänzungsspieler Riyad Mahrez von Beginn an gespielt. Und als linker Außenverteidiger war Fabian Delph in die Startelf gerückt, der es ansonsten häufig nicht mal in den Kader schafft. Im Rückspiel bot Guardiola zwar De Bruyne auf, der sodann drei Tore vorbereitete, aber der deutsche Nationalspieler Sané stand abermals nicht in der Startformation. „Und warum hat Guardiola gegen eine Mannschaft, die so raffiniert und so schnell ist wie die Spurs, mit Vincent Kompany seinen schwerfälligsten Innenverteidiger aufgestellt und nicht den beweglicheren John Stones oder den gierigeren Nicolás Otamendi?“, fragte der „Guardian“ in seiner Analyse.

          Bei aller Kritik: Zur Wahrheit gehört auch, dass City, dass Guardiola in beiden Begegnungen Pech hatte. Im Hinspiel hatte Sergio Agüero in der Anfangsphase einen Elfmeter verschossen. Und im Rückspiel half Tottenham der Videoschiedsrichter, der in der Nachspielzeit eine knappe Abseitsstellung von Agüero erkannte, weshalb der Treffer zum vermeintlichen 5:3 durch Raheem Sterling nicht zählte, mit dem City ins Halbfinale eingezogen wäre. Guardiola, ein ausgesprochener Befürworter des Videobeweises, bemühte sich trotz des herben Rückschlags, den Blick auf die kommenden Aufgaben zu richten. „Wir werden wieder bereit sein.“

          Das müssen sie auch. Denn in der Premier League liefert sich City wenige Spieltage vor dem Ende der Saison ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem FC Liverpool um die englische Meisterschaft. „Wir haben neun, zehn Monate in der Premier League gekämpft“, sagte Guardiola. „Wir haben es selbst in der Hand. Es wird schwierig, aber wir müssen das schaffen.“ In der Tabelle liegt City zwei Punkte hinter dem FC Liverpool auf Platz zwei, hat aber ein Spiel weniger absolviert. Die Meisterschaft ist nach dem Aus in der Champions League nun ein Muss.

          Doch es wird schwierig. Der FC Liverpool spielt im Schlussspurt gegen vier vergleichsweise schlagbare Gegner. City dagegen muss jetzt innerhalb von fünf Tagen in zwei „Endspiele“, wie es Guardiola nannte. An diesem Samstag (13.30 Uhr bei DAZN) geht es – diesmal in der Liga – schon wieder gegen Tottenham. Und am Mittwoch ist City im Stadtderby gegen Manchester United zu Gast im Old Trafford. Guardiola hat es selbst in der Hand. Aber jeder verlorene Punkt kann von jetzt an den Verlust der Kontrolle im Titelkampf bedeuten.

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