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Pep Guardiola : Mia san stolz

  • -Aktualisiert am

Hier ist er von nun an der Chef: Trainer Pep Guardiola in der Bayern-Kabine Bild: AFP

Guru, Weiser, Philosoph oder Denker - so wurde Pep Guardiola bezeichnet. Die Bayern-Führung tut nichts, um dieser Überhöhung entgegenzutreten. Was ist aber, wenn Guardiola nicht über Wasser zu wandeln versteht? Ein Kommentar.

          Die Münchner „Abendzeitung“ trieb den Wahnsinn in zwei Worten auf die Spitze: „Habemus Pep.“ Das Boulevardblatt empfing den neuen Fußballtrainer des FC Bayern München, als wäre er der neue Papst. Damit leistete sich die Zeitung nur eine Umdrehung mehr als die vielen anderen Medien, die Josep „Pep“ Guardiola in den vergangenen Tagen wahlweise als Guru, Weisen, Philosophen oder Denker vorstellten. Für welche Bezeichnung sie sich auch entschieden, Guardiola schien kurz vor der Ernennung zum Fußball-Heiligen zu stehen oder der Aufnahme in den Fußball-Olymp.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Bayern-Führung tut nichts, um dieser Überhöhung entgegenzutreten. Sie versteigt sich zwar nicht zu blasphemischen Vergleichen, aber die Ehrbezeugungen gegenüber „dem besten Trainer der Welt“, die Vorstandsvorsitzender Rummenigge, Präsident Hoeneß und Sportvorstand Sammer am Montag bei dessen Präsentation anstimmten, rundeten in Pastell das ansonsten grelle Heiligenbild des Pep Guardiola ab. Da war nichts mehr vom bayrischen „Mia san mia“ zu spüren, sondern nur vom Stolz und der Freude, dass dieser große Trainer ihrem Ruf in die Diaspora München folgte, nachdem er das Fußball-Paradies Barcelona aufgegeben hat.

          Was ist aber, wenn Guardiola nicht über Wasser zu wandeln versteht? Wenn ihm nicht Gras aus den Händen wächst? Oder um es auf Fußball-Niveau herunterzuschrauben: Wenn er nicht mit 25 Punkten Vorsprung die Meisterschaft holt und als Zugabe die Titel in der Champions League und im DFB-Pokal? Oder wenn er gar einen Start hinlegt wie vor fünf Jahren beim FC Barcelona, als er aus seinen ersten beiden Meisterschaftsspielen nur einen Punkt holte? Dann steht zu befürchten, dass dieser Wahnsinn weitergeht - mit den übersteigerten Bewertungen, dass ganz auf die Schnelle ein großartiges Projekt scheitert, weil aus dem Heilsbringer der Tölpel geworden ist.

          Guardiola ist weder das Eine, wenn er genauso erfolgreich arbeitet wie sein Vorgänger Jupp Heynckes, noch das Andere, wenn er weniger gewinnen sollte. Er ist nichts weiter als ein hervorragender Fußballtrainer, mit großer Sachkenntnis, einem offenbar guten Charakter und viel Gespür für das Spiel und die Menschen. Einer, der seine Spieler hinter sich schart, weil er sie von sich überzeugt, und weil er ihnen Zuneigung und Vertrauen entgegenbringt.

          Ob der Name Programm ist, wird sich im Laufe der Zeit zeigen müssen Bilderstrecke

          Von seinem Talent und seiner Art gibt es nicht gerade Hunderte, aber Pep Guardiola ist längst nicht der Einzige. Was ihn einzigartig macht, ist sein Glück. Das Glück, dass der Verein, in dem er groß wurde und in dem er sich auskennt wie nirgendwo anders, ihm in einem Moment der Verzweiflung die Chance gab, seine Begabung zu entfalten. Mit 37 Jahren und der Trainererfahrung von einem Jahr mit der zweiten Mannschaft des FC Barcelona.

          Seine großartigen Erfolge in den folgenden vier Jahren mit seinem Heimatklub, in denen er 14 von 19 möglichen Titel sammelte, sollen nicht kleingeredet werden. Um sie zu erringen, war es aber nicht nötig, über Wasser zu wandeln, sondern einer Mannschaft dazu zu verhelfen, ihr überragendes Talent ganz auszuspielen.

          Auf diesem Weg traf Guardiola viele richtige Entscheidungen. Aber wie viele falsche Entscheidungen hätte er treffen können, bei diesem Angebot an Weltklasseprofis? Sein Mittelfeld war das, mit dem Spanien gerade im Confed Cup gegen Nigeria 3:0 gewonnen hat, mit Busquets, Xavi, Iniesta, Pedro und Fabregas. Dazu hat Barcelona dem Welt- und Europameister noch einen gewissen Lionel Messi voraus.

          Der einzige, der momentan Pep Guardiola in Normalgröße sieht, scheint Pep Guardiola zu sein. Bei seiner Vorstellung leistete sich der 42 Jahre alte Katalane keinen Anflug von Großmut oder Hybris: „Die Zuschauer kommen wegen der Spieler ins Stadion, nicht wegen des Trainers“, sagte er. Und: „Es wäre arrogant zu sagen, wir werden jetzt eine neue Ära einleiten. Es muss Stück für Stück gehen. Gebt mir bitte Zeit.“ Ein frommer Wunsch, der, wenn er in Erfüllung geht, Guardiola und die Bayern an ihr Ziel führen wird.

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