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Finale der Copa America : Paolo Guerrero ist der König von Peru

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Krönt Paolo Guerrero seine Karriere im Nationalteam mit dem Sieg bei der Copa America. Bild: EPA

Paolo Guerrero – nicht Claudio Pizarro – ist Perus größter Fußballer der Gegenwart. Nun bekommt der frühere Bayern- und HSV-Spieler endlich sein Finale im berühmten Maracanã.

          Rio zeigte dem Rückkehrer sein hässliches Gesicht. Kühle Temperaturen und heftige Regenschauer des brasilianischen Winters sollten die Laune von Paolo Guerrero allerdings nach der Ankunft in der Olympiastadt nicht verhageln. Auch nicht, dass die Trainingsanlage von Rios Traditionsklub Fluminense nicht wirklich auf die Gäste vorbereitet war. Den Fitness-Raum mussten sich die Peruaner mit der Fluminense-Jugend teilen. Der Presseraum war belegt, und auch der Saal, den Trainer Ricardo Gareca für eine Teambesprechung nutzen wollte, stand nicht zur Verfügung. Doch die peruanische Fußball-Nationalmannschaft, die an diesem Sonntag (22.00 Uhr MESZ bei DAZN) im Finale der Copa América im Maracanã gegen Gastgeber Brasilien in der Außenseiterrolle ist, hat schon ganz andere Widrigkeiten überstanden.

          Mit seinen 35 Jahren blickt der ehemalige Bundesligaprofi des Hamburger SV und Bayern München auf eine bewegte Karriere zurück, die ihn am Ende zum beliebtesten Profi in seinem Heimatland werden ließ. Und die ihn nun nach den Wirren um eine Doping-Sperre das vielleicht größte Spiel seiner Nationalmannschafts-Karriere erleben lässt. Die Vorwürfe rund um möglichen Kokainkonsum wurden niemals richtig aufgeklärt. Dafür schafften es die Rechtsanwälte, Guerrero zumindest für die WM in Russland freizubekommen. Ein paar Wochen vor der Copa América endete die unterbrochene Sperre. Trainer Gareca reiste im April eigens nach Porto Alegre, inzwischen die neue sportliche Heimat Guerreros, um sich bei seinem wichtigsten Spieler über den Stand der Dinge zu erkundigen. „Guerrero hat mein Spiel verstanden. Er ist der perfekte Spieler für mein System“, sagte Gareca einmal über Guerrero.

          Paolo Guerrero – nicht Claudio Pizarro – ist der größte peruanische Fußballer der Gegenwart. Während der Bremer wegen seiner Unverwüstlichkeit in der Bundesliga großen Respekt genießt, ist in der Heimat die Frage nach dem König von Peru schnell beantwortet. Wo immer die peruanische Nationalmannschaft in diesen Tagen auch aufläuft: Der Rummel um Guerrero ist am größten. Trotz der Doping-Sperre, trotz juristischer Auseinandersetzungen mit peruanischen Medienvertretern um Boulevard-Geschichten. Guerrero hat im Nationaltrikot stets geliefert, Pizarro nicht. Mit Guerrero gelang die erste WM-Qualifikation seit 36 Jahren, während Pizarro vergeblich auf den Comeback-Anruf von Gareca wartete. Der Bremer hat das Vertrauen seiner Heimat verloren.

          Peru steht zum ersten Mal seit 1975 wieder im Finale der Südamerika-Meisterschaft. Damals holte die Anden-Mannschaft auch den zweiten Titel nach 1939. 2011 und 2015 reichte es jeweils für Platz drei, beide Male war Guerrero ein Schlüsselspieler. Sein Treffer zum 3:0 im Halbfinale über Chile war zugleich sein 13. Tor bei einer Copa América. Guerrero ist damit der aktive Spieler mit den meisten Treffern bei diesem Turnier. Pizarro mag mehr Geld verdient haben, die Herzen der Peruaner aber hat Guerrero gewonnen.

          Für den in Rio de Janeiro beheimateten Klub Flamengo absolvierte der peruanische Rekordtorschütze immerhin 86 Pflichtspiele. Allerdings längst nicht alle im legendären Maracanã, denn Flamengo trug eine Zeitlang seine Heimspiele im kleinen Stadion Ilha do Urubu unweit des internationalen Flughafens aus. Inzwischen sind die Streitigkeiten mit dem Stadionbetreiber aber ausgeräumt. Das während seiner Flamengo-Zeit wichtigste Spiel im Maracanã verpasste Guerrero allerdings: Seine Sperre verhinderte eine Teilnahme am Finale um die Copa Sudamericana im Dezember 2017. Flamengo brauchte nach einem 1:2 im Hinspiel bei Argentiniens Traditionsverein CA Independiente einen Sieg. 74.567 Zuschauer strömten ins Marcanã, um Flamengo siegen zu sehen. Guerrero hatte Tage zuvor die Nachricht von seiner Doping-Sperre bekommen und war am Boden zerstört. Ohne ihn fehlte Flamengo die Durchschlagskraft in der Offensive, der Titel ging an die Argentinier.

          Nun bekommt Guerrero endlich sein Finale im Maracanã. Er trifft auf eine Abwehr um Schlussmann Alisson Becker, die bislang noch kein Gegentor im laufenden Turnier hinnehmen musste. Und auf ein begeisterungsfähiges Publikum, das nach Jahren der fußballerischen Depression endlich wieder feiern möchte. Für Guerrero könnte es der krönende Abschluss seiner Nationalmannschaftskarriere werden. Die Weltmeisterschaft 2022 in Qatar findet wenige Wochen vor seinem 39. Geburtstag statt. Für einen Peruaner muss das allerdings kein Hinderungsgrund sein.

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