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Fußball in Palästina : Der Nahostkonflikt spielt mit

  • -Aktualisiert am

Weibliche Unterstützung der Fans. Bild: Reuters

Die Palästinenser tragen zum ersten Mal seit vier Jahren in der WM-Qualifikationsspiel wieder ein Heimspiel aus. Die Palästinenser lieben Fußball, doch leben können ihre Lieblinge davon nicht.

          Die staubige Straße, die vom Checkpoint Kalandia zwischen Jerusalem und Ramallah zum Faisal Al Husseini-Stadion führt, ist eine Sackgasse, sie endet an der neun Meter hohen Mauer, die das Land seit 14 Jahren durchschneidet. Genau an dieser Stelle trägt sie die Aufschrift: Knocking on heaven’s door.

          Vergeblich klopfte der Palästinensische Fußball-Verband in den vergangenen vier Jahren bei der israelischen Besatzungsmacht an, um dieses Tor für ein sportliches Großereignis zu öffnen. Doch dank der Hartnäckigkeit des palästinensischen Fußballverbandsvorsitzenden Jibril Rajoub, ehemaliger Sicherheitsberater Jassir Arafats, fand am Dienstag zum ersten Mal seit vier Jahren wieder ein Heimspiel der Nationalmannschaft im Westjordanland statt. Erstmalig dürfen anlässlich des Qualifikationsspiels der Gruppe A die palästinensischen Nationalspieler aus dem Gazastreifen einreisen, ebenso wie das gegnerische Team aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, einem Staat, mit dem Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Ein Meilenstein in sportlicher Diplomatie.

          Ein auf sportlicher Ebene historischer Schulterschluss

          Seit der 62-jährige General Jibril Rajoub vor vier Jahren die Fußball-Geschäfte der Palästinenser übernommen hat, ließ er keine Gelegenheit aus, im internationalen Fußballverband (Fifa) auf die israelischen Sanktionen und Restriktionen zu verweisen, die es der palästinensischen Nationalmannschaft unmöglich machten, vereint, mit den Nationalspielern aus dem Gazastreifen, Heimspiele auszutragen. Im Mai dieses Jahres forderte Rajoub in Genf sogar den Ausschluss des israelischen Fußballverbandes aus der Fifa, zog den Antrag dann jedoch überraschend zurück und erreichte einen, auf sportlicher Ebene, historischen Schulterschluss. Kann jetzt wirklich nichts mehr schiefgehen?

          Doch: Nachdem sich im „Heiligen Land“ die Sportdiplomaten geeinigt haben, zieht in der Nacht auf Dienstag ein gewaltiger Sandsturm über den gesamten Nahen Osten hinweg, eine bleierne Dunstglocke legt sich über das ganze Gebiet. Das israelische Gesundheitsministerium warnt vor körperlich anstrengenden Aktivitäten im Freien. Das Spiel findet dennoch statt.

          Die Fans sind begeistert.

          Zwei Stunden vor dem Anpfiff stauen sich Autos und Zuschauer vor dem Faisal Al Husseini-Stadion, das wie ein irregeleitetes Ufo in einer Senke hinter der Mauer liegt. Die meisten Zuschauer kommen zu Fuß, denn es gibt keine regulären Parkplätze - die Straße ist eine Sackgasse. Vor dem Stadion werden Tickets verkauft, sie kosten zehn Schekel, umgerechnet zwei Euro.

          Seit 1998 gehört der Palästinensische Fußball-Verband der Fifa an, nahm seitdem an den Qualifikationsturnieren zur WM-Endrunde teil, ohne dabei über die zweite der bis zu fünf Qualifikationsrunden der Asiatischen Fußball-Vereinigung hinauszukommen. Für die Fußball-Asienmeisterschaft konnte sie sich erstmals 2015 qualifizieren, kamen jedoch über die Vorrunde nicht hinaus. In der Weltrangliste pendelt der Verband in den Rängen zwischen 80 und 95.

          16.20 Uhr Ortszeit: Auf den 12 500 farbigen Sitzen des Stadions liegt eine feine Sandschicht, der die Zuschauer mit Feuchttüchern bewaffnet zu Leibe rücken. Das Stadion ist zur Hälfte gefüllt: Familienangehörige der Spieler, Frauen und Kinder sitzen im Friends & Family-Bereich, in dem sich auch die zahlreichen Pressevertreter befinden. Als die palästinensischen Nationalspieler das Feld betreten, erheben sich die Fans und klatschen begeistert Beifall: „Falesteen! Falesteen!“ - das palästinensische Wort für „Palästina! Palästina!“ Am lautesten ruft der Fanklub des palästinensischen Kapitäns Haissam Deeb, dem Star der Mannschaft. Die Angehörigen des 28-Jährigen sind mit einem Bus über den Checkpoint aus Haissams arabischem Heimatdorf in Israel gekommen, denn der Mannschaftskapitän gehört zu den sogenannten 48er-Palästinensern: Er ist ein arabischer Staatsbürger Israels, der in Israel geboren wurde, dort lebt und arbeitet, jedoch für einen palästinensischen Erstligaklub und die palästinensische Nationalmannschaft spielt. Der andere große israelisch-arabische Fanklub kommt ebenfalls über den Checkpoint aus dem arabischen Dorf Taybe, dem Geburtsort des Spielers mit der Rückennummer 4, Abdulla Jaber.

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