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Ottmar Walter : Ein „Held von Bern“ wird 85

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Ottmar Walter: Ein Held von Bern wird 85 Bild: ddp

Der Kaiserslauterer Ottmar Walter ist der älteste der noch lebenden Weltmeister von 1954. Heute wird der Bruder von Fritz Walter 85 Jahre alt. Die Feier fällt wegen gesundheitlicher Probleme des Mittelstürmers der Herberger-Elf klein aus.

          Die Feier zum 85. Geburtstag von Ottmar Walter an diesem Freitag hat die Landesmutter Roswitha Beck arrangiert. Die Familie der Walters wird in einem Restaurant in Schweigen an der deutschen Weinstraße mitten in der pfälzischen Heimat des Jubilars stattfinden. Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, wird erwartet. Vielleicht schafft es auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck.

          Dass die Feier nur im kleinen Kreis und nicht wie vor fünf Jahren in großer Runde stattfindet, hat seinen Grund. Dem Mittelstürmer der „Helden von Bern“, die am 4. Juli 1954 überraschend das Weltmeisterschaftsendspiel gegen Ungarn gewannen (siehe: Schweiz 1954: „Das Wunder von Bern“), geht es gesundheitlich schlecht. Ottmar Walter wird direkt von einem Rehabilitationszentrum aus Bad Bergzabern zum Familientreff gefahren. Der älteste der noch lebenden Weltmeister von 1954 sitzt im Rollstuhl.

          Fraglich, ob Walter noch mal wird gehen können

          „Er hat sich aber in der Reha körperlich gut erholt. Es geht ihm nach drei Wochen Therapie besser“, berichtet seine Frau Anneliese. Beim „Durchchecken“ zehn Tage vor Weihnachten war Ottmar Walter im Krankenhaus „sehr schwer gestürzt“, berichtet Frau Walter. Arm ausgekugelt. Schwere Prellungen an der Wirbelsäule. Als Folge des Sturzes Gedächtnisstörungen. „Er hat furchtbare Angst zu stehen, und es bleibt die Frage, ob er wieder wird gehen können“, sagt Anneliese Walter über ihren Mann, der in 21 Länderspielen zehn Treffer und in 312 Pflichtspielen für den 1. FC Kaiserslautern 336 Tore erzielte.

          Ottmar Walter 1956

          Seit einigen Jahren schon braucht Ottmar Walter einen Stock. Das rechte Knie war nach dem 80. Geburtstag zum siebenten Mal operiert worden. Keine Folgeschäden des Fußballs, sondern des Krieges. Das wahre Wunder im Leben des Pfälzers war schon vor dem „Wunder von Bern“ geschehen. „Als ich aus dem Krieg nach Hause kam, hatte ich nicht mehr geglaubt, noch 13 Jahre Hochleistung bringen zu können“, hat Walter einmal gesagt. Mit 20 Jahren hatte er ein Seegefecht überlebt, war aber am rechten Knie schwer verwundet worden. Das Bein drohte steif zu werden. Mit täglich fünfstündigem Beugungstraining besiegte Ottmar Walter das Schicksal.

          Das erste Länderspiel war ihm wichtiger als der WM-Triumph

          Mit dem Krieg – und mit dem großen Bruder Fritz – hängt wohl auch die Verklärung seines Debüts im ersten Nachkriegsländerspiel Deutschland gegen die Schweiz am 22. November 1950 zusammen. In seinen Erzählungen schwangen stets mehr Emotionen beim ersten Länderspiel mit als beim Berner Finale. Fritz Walter war damals verletzt. Ohne den großen Bruder, in dessen Schatten er stets stand, sei er nur die Hälfte wert, polemisierte die Presse und forderte den Fürther Mittelstürmer Horst Schade.

          Doch Sepp Herberger stand zu Ottmar Walter. „Ottes, Sie sind mein Mann. Ich weiß, was Sie können. Auch ohne den Fritz“, habe der Bundestrainer zu ihm gesagt. Der Elfmeter, den Herbert Burdenski zum 1:0-Sieg verwandelte, war Walters Verdienst. Seinen wuchtigen Kopfball konnte der Schweizer Verteidiger Neury nur noch mit der Hand auf der Linie abwehren. Die vorher so kritische Presse überschlug sich später mit Lobeshymnen. Ottmar Walter hat daher immer wieder gesagt: „Mein erstes Länderspiel war für mich vielleicht der größte Erfolg in meinem Leben.“

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