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Korruption im griechischen Fußball : „Pass gut auf! Olympiakos muss gewinnen!“

  • -Aktualisiert am

Im Zwielicht: Evangelos Marinakis und die Erfolge von Olympiakos Piräus Bild: picture alliance / ANE

Erst gehen Scheiben zu Bruch, dann explodiert eine Bombe: Ein neuer Korruptionsfall erschüttert Griechenlands Profi-Fußball. Im Mittelpunkt steht der Haupteigner von Serienmeister Olympiakos Piräus.

          Petros Konstantineas staunte nicht schlecht, als ein kleiner, rundlicher Mann an einem kalten Tag im Januar 2012 seine Bäckerei in der Stadt Kalamata auf dem Peloponnes betrat. Konstantineas erkannte ihn sofort. Und er ahnte sogleich, dass er keine Brötchen kaufen wollte. „Pass gut auf! Olympiakos muss morgen auf jeden Fall gewinnen! Verstanden?“, raunte ihm der vermeintliche Kunde zu. „Ich werde gerecht sein. Ich pfeife das, was ich sehe. Der Bessere und Glücklichere soll gewinnen“, entgegnete Konstantineas. Der Mann, der Konstantineas’ Bäckerei aufsuchte: Theodoros Kouridis, damaliger Justiziar des griechischen Fußballverbands (Epo).

          So hat es jedenfalls der damalige Fifa-Schiedsrichter Konstantineas vor der Athener Staatsanwaltschaft in einer eidesstattlichen Zeugenaussage zu Protokoll gegeben. Das Spiel, das der zu jenem Zeitpunkt zwei Punkte hinter dem Erzrivalen Panathinaikos Athen liegende Klub aus Piräus unbedingt gewinnen sollte, fand am 22. Januar 2012 am 18. Spieltag der Saison 2011/12 in Griechenlands Super League statt. Doch Olympiakos verlor bei AO Xanthi mit 0:1 – trotz klarer Dominanz. Der Favorit aus Piräus hatte den Schuldigen für die herbe Niederlage in Xanthi rasch ausgemacht: Schiedsrichter Petros Konstantineas.

          Ein paar Tage später warfen Unbekannte Steine auf die Bäckerei von Konstantineas in Kalamata. Glasscheiben gingen zu Bruch. Schlimmer noch: Exakt einen Monat nach besagter Partie deponierten Unbekannte dort einen Sprengsatz. Die Bombe explodierte, erheblicher Sachschaden entstand. Empört erklärte Konstantineas kurze Zeit später seinen Rücktritt vom Schiedsrichterwesen. Klar ist für den früheren Referee, wer bei all den Machenschaften die Fäden zog: Evangelos Marinakis, omnipotenter Eigner von Griechenlands Serienmeister und Champions League-Teilnehmer Olympiakos Piräus.

          Zweiter Wettskandal-Prozess

          Der Fall wirft abermals schlimme Verdachtsmomente gegen den griechischen Profifußball auf. Im ersten Prozess von Manipulationen im griechischen Fußball sind im vorigen Herbst vier Klubfunktionäre und ein Trainer verurteilt worden. Das Gericht stellte strafrechtliche Verstöße bei insgesamt sechs Partien fest, davon fünf Zweitligaspiele und eines im Pokal, alle aus dem Jahr 2009. Die Straftatbestände, welche die drei Richter als erfüllt ansahen: aktive und passive Bestechung.

          Ein zweiter Wettskandal-Prozess soll ferner in den nächsten Monaten beginnen, er dürfte größere Dimensionen annehmen. Im Visier der Athener Staatsanwaltschaft stehen gegenwärtig 187 Personen. Überdies beschäftigt der Fall von vier Profis eines Erstligaklubs die Athener Justizbehörden. Sie sollen auf die genaue Anzahl der Eckstöße in der Liga-Partie am 5. Februar dieses Jahres zwischen Olympiakos Piräus und Panionios Athen gewettet haben – mit Erfolg. Ihr Gewinn: 19.100 Euro.

          100 Seiten legal abgehörte Telefonate

          Die Causa Konstantineas ist derweil in einer weiteren Strafakte mit dem Aktenzeichen O/2012/176 aufgeführt. Sie wird immer dicker. Seit Mitte August 2012 führt die Athener Staatsanwalt schon Ermittlungen zu Schiedsrichteransetzungen und damit in Zusammenhang stehenden dubiosen Vorgängen im griechischen Profifußball.

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