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Einzug in den Bayern-Vorstand : Die Geschäfte und der ZDF-Deal des Oliver Kahn

Bald ist Oliver Kahn wieder ein Angestellter des FC Bayern. Bild: dpa

Seit seinem Karriereende war Oliver Kahn nicht untätig. Diverse Werbeverträge, ein eigenes Unternehmen und ein ZDF-Deal sprechen eine klare Sprache. Drohen nun Interessenkonflikte?

          Der frühere Nationaltorwart Oliver Kahn wird mit Eintritt in den Vorstand der FC Bayern München AG weiterhin unternehmerisch tätig bleiben, für eigene Sponsoren werben und vor allem auch dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ZDF als Fußballfachmann zur Verfügung stehen. Die Frage, ob diese Konstellation Interessenkonflikte zur Folge hätte, wollten weder er noch sein Management auf Nachfrage beantworten. Der Verein hatte am Freitag bekanntgegeben, dass der im Juni 50 Jahre alt gewordene langjährige Bayern-Kapitän im Januar nächsten Jahres in den Vorstand rücken und nach Ablauf des Vertrages von Karl-Heinz Rummenigge Ende 2021 dessen Position als Vorstandsvorsitzender übernehmen wird. Kahn unterschrieb einen Fünfjahresvertrag.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ZDF bestätigte, dass der dreimalige Welttorhüter während der Europameisterschaft im nächsten Jahr an der Seite des Moderators Oliver Welke eingesetzt würde. „Seine internationale Expertise kann er bei Spielen der Nationalmannschaft wie in den vergangenen Jahren sehr gut für die Zuschauer einbringen“, ließ ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann mitteilen.

          So wird Kahn also als hochbezahlter Bayern-Vorstand im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Senders aus Mainz über Spieler des FC Bayern in der Nationalmannschaft, aber auch von gegnerischen Vereinen urteilen – und das für eine satte Gage aus Rundfunkbeiträgen. Das ZDF verwies darauf, dass Kahn zu Spielen des FC Bayern nicht eingesetzt würde. Im Februar beendeten die ARD und Thomas Hitzlsperger ihre Zusammenarbeit, nachdem der frühere Nationalspieler Sportvorstand des VfB Stuttgart geworden war.

          Diverse Werbeverträge – und Interessenkonflikte?

          Zugleich bleibt Kahn Gesellschafter des von ihm mitgegründeten Unternehmens Goalplay und will sich dort in Zukunft weiter „einbringen“, wie er mitteilen ließ. Die Position als Geschäftsführer werde er Ende des Jahres aufgeben. Goalplay bietet Leistungen für Fußballtorhüter an – digitale und individualisierbare Trainingspläne, Ausrüstung und ein Akademieprogramm. Das in München ansässige Unternehmen bietet zudem Trainerausbildung und Talentförderung für Nationalverbände an. So gibt es eine Kooperation zur Ausbildung professioneller Torhüter mit dem Fußballverband in Saudi-Arabien. Dies sei „ein nachhaltiges Projekt, angelegt auf fünf bis acht Jahre“, hatte Kahn im vergangenen Jahr gesagt.

          Geld verdient der ehemalige Torwart der Nationalmannschaft auch als Testimonial in der Werbung. So wirbt Kahn für den Schokoladenriegel Snickers des amerikanischen Herstellers Mars und den südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung. Zudem besteht ein Werbevertrag mit dem Sportwettenanbieter Tipico, der ebenfalls Sponsor des FC Bayern ist. Ob Kahn diese Vereinbarungen später in der Funktion als Vorstandsvorsitzender weiterführen will, ist nicht bekannt.

          Im vergangenen Jahr hatte ein Mitglied des FC Bayern auf der Jahreshauptversammlung dem scheidenden Präsidenten Uli Hoeneß unter anderem Vetternwirtschaft vorgeworfen, weil die Bratwürstchen fürs Stadion aus dessen Fabrik stammten. Da gehörte sie schon Hoeneß’ Kindern.

          Als Nachfolger von Hoeneß soll nun dessen enger Freund und der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer Präsident des Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender der AG werden. Neben dem eingetragenen Verein (75 Prozent) sind Adidas, Audi und die Allianz mit jeweils etwa 8,3 Prozent an der Fußball-Kapitalgesellschaft beteiligt. Der Umsatz betrug zuletzt 657 Millionen Euro.

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