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Bierhoff und Wolff im Interview : „Wir wollen ein Lagerfeuer für die Fans sein“

Zwei Macher aus zwei Welten: Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff (l.) und Mercedes-Teamchef Toto Wolff Bild: Michael Wittershagen

Zwei Manager, zwei Mythen: Oliver Bierhoff, DFB-Teammanager, und Mercedes-F1-Teamchef Toto Wolff über Marken, Superstars und die bessere Sportstrategie der Amerikaner.

          10 Min.

          Der DFB und Mercedes trennen sich Ende kommenden Jahres nach dann bald 50 Jahren. Warum verliert heute im Sport auch eine scheinbar ewige Werbepartnerschaft plötzlich ihren Wert?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wolff: Hast du jetzt schon deinen Wagen zurückgeben müssen, Oliver? Fährst du jetzt Passat?

          Bierhoff: Meinen Wagen habe ich noch (lacht). Aber was ich künftig fahren werde: Darüber habe ich mir wirklich noch keine Gedanken gemacht. Die VW-Palette hat ja auch einiges zu bieten. Den Wert einer guten Partnerschaft sieht man übrigens auch daran, dass Toto und ich hier jetzt zusammen sitzen. Er spiegelt sich eben auch in der Verzahnung der jeweiligen Netzwerke.

          Wolff: Wir zwei sind zum ersten Mal vor einigen Jahren auf Initiative von Mercedes zusammengekommen. Wir haben in unseren Positionen mit vielen ähnlichen Themen zu tun, es gibt viele Parallelen in unseren unterschiedlichen Welten. Diese Netzwerkarbeit hat uns beide weitergebracht. Und nach dem diesem Interview werden wir uns dann auch wieder sehr intensiv austauschen. Wir wollen voneinander lernen.

          Aber vor allem geht es doch ums Geld.

          Bierhoff: Die Entscheidung für VW dokumentiert, dass es nicht nur um Geld geht. VW ist schon jetzt ein starker Partner des Fußballs und kann uns als global agierendes Unternehmen auf vielen Ebenen unterstützen, in der Spitze genauso wie in der Breite. Dort ist VW traditionell sehr aktiv. Aber zurück zum wirtschaftlichen Aspekt: Wir sind ein gemeinnütziger Verband und haben Verpflichtungen gegenüber unseren Mitgliedern. Wenn es da einen finanziellen Unterschied im Angebot gibt und dieser dann in einer transparenten Ausschreibung dokumentiert wird, sind wir schon allein dadurch verpflichtet, diesen Weg zu gehen. Unsere Basis mit 27.000 Vereinen braucht finanzielle Unterstützung. Aber neben dem wirtschaftlichen Rahmen werden auch andere wichtige Kriterien bei solch einer Entscheidung berücksichtigt.

          Wolff: Es ist für einen Verband eine schwierige Aufgabe, die langjährige Partnerschaft und die wechselseitige Loyalität zu honorieren. Die Verbindung Mercedes und Nationalelf ist mittlerweile gelernt. An den ökonomischen Faktoren kommt man aber nicht vorbei.

          Bierhoff: Diese Entscheidung ist auch ein Ergebnis unserer Bemühungen um Transparenz, auch um Spekulationen, die immer wieder kolportiert werden, entschieden entgegenzutreten. Durch die neuen Prozesse gibt man andererseits aber auch Entscheidungsfreiheit aus der Hand. Man versucht mittlerweile möglichst viele objektive Kriterien aufzustellen, die es allen Beteiligten erlauben, auch nur danach zu entscheiden. Schwierig wird es dann, wenn man sich dadurch vielleicht auch unbewusst ein sehr enges Korsett anlegt und Aspekte jenseits dieser Kriterienkataloge nicht mehr berücksichtigen kann.

          Sie klingen skeptisch. Fühlen Sie sich als Manager eingeschränkt?

          Bierhoff: Ich bekenne mich ganz klar zu den Compliance-Richtlinien, gar keine Frage. Aber wenn ich einem Mitarbeiter einer unserer Partner, der uns das ganze Jahr über mit größtem Engagement begleitet hat, nicht einmal mehr ein Trikot von uns als Dankeschön und Anerkennung geben kann, finde ich das bedauerlich. Das muss er ablehnen, weil es einen gewissen monetären Wert übersteigt und steuerlich als geldwerter Vorteil gilt. Entscheidend ist aber etwas anderes: Es geht ein Stück Flexibilität und Freiheit für Entscheidungsträger verloren. Manche guten Entscheidungen kamen und kommen auch ein bisschen aus dem Bauch heraus. Es gibt eben Dinge, die lassen sich nicht exakt beziffern. Langfristige Ziele und Visionen, die man im Kopf hat, die sich aber nicht in Tabellenform ausdrücken lassen, weil sie noch im Entstehen sind.

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