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Bierhoff mahnt zu Wachsamkeit : Schulung im Umgang mit „Verschwörungs-Schwachsinn“

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Bierhoff appelliert an Werte wie Respekt, Toleranz und Solidarität: „Das ist mit Verschwörungs-Schwachsinn unvereinbar.“ Bild: dpa

DFB-Direktor Bierhoff will Nationalspieler für gesellschaftlich relevante Themen sensibilisieren. Auch für die Austragung der Nations League hat er eine Idee. Keine Hoffnungen macht er Thomas Müller.

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          Die Coronakrise zeigt sich auch als Nährboden für Verschwörungstheorien - DFB-Direktor Oliver Bierhoff will deshalb bei den deutschen Fußball-Nationalspielern Aufklärungsarbeit leisten. „Erst kürzlich habe ich mich dazu mit einem unserer Spieler unterhalten. Solche Verschwörungs-Geschichten kommen zum Teil auch bei ihnen an“, sagte der 52-Jährige im Interview mit dem Nachrichtenportal t-online.de und betonte: „Grundsätzlich haben wir als DFB einen Wertekodex, der unter anderem gegenseitigen Respekt, Toleranz und Solidarität beinhaltet. Das ist mit Verschwörungs-Schwachsinn unvereinbar.“

          Im Rahmen kommender Länderspiele will Bierhoff die Spieler deshalb für den Umgang mit Verschwörungstheorien sensibilisieren. „Das machen wir mitunter in Form von Vorträgen oder Diskussionen bei Länderspiel-Lehrgängen oder indem wir auch mal einen journalistischen Artikel in einen Chat posten“, sagte er: „Wir müssen gemeinsam wachsam sein. Ich sehe es als unsere Aufgabe, immer wieder Themen mit unseren Spielern zu besprechen, die wichtig für die Gesellschaft sind. Wenn unsere Mannschaften demnächst wieder zusammenkommen, könnte das auch ein Thema sein.“

          Für die sportliche Entwicklung der Nationalmannschaft sieht der frühere Europameister die Corona-Unterbrechung und die Verschiebung der EM auf Sommer 2021 nicht als Nachteil. „Einige Spieler fielen durch Verletzungen länger aus“, sagte Bierhoff, dazu könne die junge Mannschaft „nun noch weiter reifen“. Wichtig sei jedoch, dass im Herbst wieder Länderspiele ausgetragen werden können: „Wenn wir dort nicht die Chance haben, uns weiter einzuspielen, wäre das für die Entwicklung dieser Mannschaft ein Risiko.“

          Nations League als Mini-Turnier?

          Um die im Herbst anstehende Nations League zu retten, hat Bierhoff vorgeschlagen, sie nicht mit Hin- und Rückspielen, sondern als eine Veranstaltung an einem neutralen Ort auszutragen. „Das wäre eine Alternative. Eine Art Mini-Turnier könnte eine Idee sein“, sagte er dem Fachmagazin „Kicker“. Da im Herbst wohl noch nicht mit Zuschauern gespielt werden könne, sei „bei den Nationalverbänden die Bereitschaft vielleicht größer, an einem neutralen Ort zu spielen.“ Man verhindere dadurch unnötige Reisen und könne die Gesundheit der Spieler auch besser kontrollieren.

          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) würde laut Bierhoff als Ausrichter eines solchen Turniers zur Verfügung stehen: „Wir haben das Know-how und eine Top-Organisation im DFB, das haben wir schon mehrfach bewiesen.“ Deutsche Gruppengegner in der Liga A sind die Ukraine, Spanien und die Schweiz.

          Keine Hoffnung für Müller

          Dass Thomas Müller trotz seiner zuletzt starken Form bei einem solchen Turnier dabei wäre, erscheint weiterhin unrealistisch. „Ich freue mich sehr für Thomas, wie er gerade aufspielt. Aber Jogi hat seine Entscheidung sehr deutlich gemacht, dass er den Spielern, die zuletzt dabei waren und bei uns überzeugt haben, die Stange hält“, sagte Bierhoff.

          Bundestrainer Joachim Löw hatte im vergangenen Jahr im Zuge des Umbruchs die Natonalteam-Karrieren von Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng beendet. Im Februar hatte er erklärt, dass die Chance auf ein Müller-Comeback „relativ gering“ sei, wenn alle Spieler fit seien.

          Forderungen nach einer Gehaltsobergrenze für Fußballprofis unterstützt Bierhoff unterdessen. „Wenn es rechtlich umsetzbar ist und sich auch europaweit gemeinsam dazu Gedanken gemacht werden - ja. Denn am Ende sollte es unser aller Interesse sein, dass wir einen interessanten, gut funktionierenden Wettbewerb haben“, sagte  er.

          Bierhoff plädiert dafür, zu „überlegen, wie wir beispielsweise Ablösesummen, Gehälter oder Beraterhonorare eindämmen können“. Der 52-Jährige glaubt dabei nicht, dass sich Fans am Gehalt der Topstars stören: „Messi, Cristiano Ronaldo oder Jo Kimmich sind nicht das Problem. Das Problem ist die Masse an Mittelmaß, die in diesem Sog mitschwimmt“ und überbezahlt sei.

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