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Oliver Bierhoff im Gespräch : „Wir sind DIE Mannschaft Deutschlands“

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So sehen Sieger aus: Manager Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw Bild: Picture-Alliance

Oliver Bierhoff hat den WM-Triumph zehn Jahre lang geplant. Der Manager der Nationalelf spricht im Interview über die Wucht des Erfolgs von Rio, sympathische Weltmeister und die Erfolgsformel der Zukunft.

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          Was war für Sie der emotional wertvollste Moment bei der WM?

          Der Abpfiff. Ich glaube an Energien, an Spannungen und Stimmungen. Und in diesem Moment des Abpfiffs war so eine unglaubliche Verbundenheit unter uns allen da, und auch Dankbarkeit. Das war total zu spüren. Bei einigen Spielern, vor allem bei denen, die schon 2006 dabei waren, habe ich auch die Erleichterung gesehen: Jetzt kann uns niemand mehr vorhalten, dass wir eine Mannschaft sind, die nicht gewinnen kann; dass wir eine goldene Generation ohne Titel sind. Das war für mich der Moment der WM. Es gab aber auch im Campo Bahia noch einen ganz besonderen Moment. In diesem Augenblick fand dort das Leben genau so statt, wie ich es mir erträumt hatte. Es war der Tag nach einem Spiel. Per Mertesacker bereitet das Eisbecken am Pool vor; der Scout sitzt mit einem Spieler draußen und geht mit ihm die Partie durch; Mesut Özil spielt mit den Zwillingen von Jerome Boateng. Alles war fließend. Da kam Hansi Flick zu mir und sagte: „Schau dir das an. Oliver, wir sind eine Familie.“

          Warum war Ihnen das so wichtig?

          Arbeiten. Entspannen. Miteinander sein. Trotzdem jedem seinen Freiraum lassen. Das war perfekt, das war die moderne Arbeitswelt. Und da habe ich gemerkt: Es läuft hier.

          Sie haben bei der EM 1996 im Finale beide Tore zum letzten deutschen Titel vor der WM 2014 beigesteuert. Wie unterscheiden sich die Momente des Triumphs?

          1996 ist es einfach passiert. Ich war völlig unbedarft, hatte ja nicht mal damit gerechnet, im Finale überhaupt zu spielen. Aber dann gerieten wir in Rückstand. Ich kam rein – und dann ist es eben so geschehen. Als der Schlusspfiff kam, habe ich gar nichts kapiert. Ich war nur froh. Und beeindruckt von der Kulisse. Eigentlich habe ich aber immer noch in meiner kleinen Welt gelebt. Erst am nächsten Morgen habe ich im Frühstücksfernsehen gesehen, was in Deutschland passiert ist. Der Erfolg in Brasilien dagegen war, wenn man so will, zehn Jahre geplant. Wir haben uns im Vorfeld so viele Gedanken gemacht, wie die Puzzleteile zusammenpassen. Und ganz heftig war es dann zwischen Halbfinale und Finale. Man kann sich nicht vorstellen, was da alles lief. Jeder will was, wirklich jeder. Wir hatten natürlich viele Dinge schon vor der WM geklärt, hatten unterschiedliche Szenarien durchgespielt, um vorbereitet zu sein. Das darf ich Jogi gar nicht sagen: Das Gewinner-Shirt war fertig, der Siegerflug geblockt. Zwei Wochen vor dem Endspiel stand schon die Einladungsliste, die Feier in Berlin war weitgehend geplant. Ich wusste beim Abpfiff also, was wir vorher alles dafür gemacht hatten – und was noch kommen würde. Den Moment dieses Sieges habe ich in Rio viel bewusster erlebt. 1996 flog alles ganz schnell an mir vorbei. Diesmal habe ich mir sagen können: Versuche den Moment festzuhalten, alles aufzusaugen. Das war ganz besonders.

          Ist das gelungen?

          Weitgehend. Aber irgendwann ist die Festplatte voll, es passt einfach nichts mehr drauf.

          1996 hat der Römerberg in Frankfurt gereicht, in Berlin haben zwei Millionen Menschen gefeiert. Macht das nicht auch Angst?

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