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Fußball-Nationalmannschaft : „Das Kapitel Özil ist vorbei“

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Es war einmal: Mesut Özil (links) und Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

Die Zeit heilt alle Wunden? Nicht im Fall Mesut Özil. Oliver Bierhoff erklärt einen Weg zurück ins Nationalteam für ausgeschlossen. Auch ein klärendes Gespräch mit dem Bundestrainer wird es wohl nicht mehr geben.

          Für Mesut Özil gibt es keinen Weg zurück in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. „Ich bin traurig darüber, wie es zu Ende gegangen ist, aber dieses Kapitel ist vorbei“, sagte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff (50) der englischen Boulevardzeitung „The Sun“. Özil (30) war nach der Erdogan-Affäre und dem historischen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland geräuschvoll aus der DFB-Auswahl zurückgetreten.

          Seither hat er mehrere Versuche der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft um Bundestrainer Joachim Löw abgeblockt, das durch seinen Abschied zerrüttete Verhältnis in einem klärenden Gespräch wieder zu verbessern. Löw (58) hat seine Bemühungen dahingehend inzwischen eingestellt. „Nein. Im Moment ist das nicht geplant“, sagte er der „Bild“-Zeitung auf die Frage, ob er in der Weihnachtszeit noch einmal einen Kontaktversuch zu seinem früheren Lieblingsschüler unternehmen wolle.

          Auch bei seinem Verein läuft es derzeit nicht rund. Unai Emery, sein Trainer beim FC Arsenal, etwa war zuletzt kurz angebunden. Der Spanier hatte zu Wochenbeginn keine Lust, Fragen zu Özil zu beantworten. „Er hat Rückenschmerzen“, sagte Emery nach dem 4:2-Sieg seines Teams gegen Tottenham Hotspur, bei dem der frühere deutsche Nationalspieler wieder im Arsenal-Kader gefehlt hatte. Wann er sich die zugezogen habe? „Ich weiß nicht.“ Ob Özil das Spiel im Stadion verfolgt habe? „Ich weiß nicht.“ Er wolle viel lieber über die Elf sprechen, die auf dem Platz gestanden habe, betonte Emery. Auf Özil scheint der Coach derzeit nicht mehr zu setzen.


          Britische Medien spekulierten schon über einen vorzeitigen Abschied nach Italien. Laut dem Boulevardblatt „The Sun“ zeigt Inter Mailand Interesse an Özil, der seinen Vertrag in London Anfang des Jahres bis in den Juni 2021 verlängert hatte. „Wenn man sich den Teamgeist gegen die Spurs anschaut, dann können sie gut ohne ihn weitermachen“, schrieb die Zeitung. Ein Wechsel im Winter sei jedoch kein Thema. Der ITV-Moderator und Arsenal-Promi-Fan Piers Morgan monierte, Özil habe „mehr Krankschreibungen als sonst irgendjemand in der Geschichte der Krankschreibungen“. Doch angesichts der wenig überzeugenden Antworten von Emery fühlen sich die Özil-Skeptiker in ihrer These bestätigt, sein Verhältnis zum Trainer sei stark angeknackst.

          Die Gerüchte sind nicht neu. Als Özil am dritten Spieltag im Derby gegen West Ham United (3:1) krankheitsbedingt fehlte, hatten britische Medien erstmals über einen Streit zwischen Spieler und Trainer spekuliert, obwohl Emery damals insistierte, Özil sei krank gewesen. Und Özil kam zurück. Als Kapitän zeigte er einige starke Auftritte, zum Beispiel beim 3:1 gegen Leicester City, wo er mit seinem 30. Tor nebenbei zum alleinigen deutschen Rekord-Torschützen der Premier League wurde.

          Doch jetzt wirkten Emerys Worte weniger überzeugend. Denn schon in der Vorwoche beim AFC Bournemouth (2:1) hatte er den 30-Jährigen auf der Bank gelassen. Seine Begründung klang wie eine verbale Ohrfeige für Özil: „Wir haben uns überlegt, wie wir uns in diesem Match, einem sehr anstrengenden Spiel mit Körperlichkeit und Intensität, besser präsentieren können“. Während die Özil-Fans seine Genialität loben, monieren seine Kritiker die mangelnde Konstanz. In großen Spielen, so hört man oft, würde Özil, der unter Emerys Vorgänger Arsène Wenger eine Startelf-Garantie genoss, fehlen oder untertauchen. TV-Experte Gary Neville ging nach dem Derbysieg beim Sender Sky Sports sogar noch weiter: „Einen solchen Auftritt von Arsenal bekommt man mit Özil im Team nicht.“

          An diesem Mittwoch bei Manchester United (21.00 bei DAZN) wird Mesut Özil laut Emery wohl verletzungsbedingt auch nicht im Arsenal-Kader stehen. Solange sich der Tabellenvierte weiter in Topform präsentiert, wird es ohnehin schwer werden, einen Platz im Team zu erobern. Nach dem Derbysieg gratulierte Özil seinen Mannschaftskollegen auf Twitter. „Was für ein Auftritt der jungen (Spieler) heute“, schrieb er, „die Zukunft sieht rosig aus.“ Ob Özil in dieser Zukunft noch eine Rolle spielt, ist momentan völlig offen.

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