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Österreich vor der EM : Nur die eigene Nationalelf spielt noch nicht mit

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Espresso für einen Euro - zumindest bis zur EM Bild: FAZ.NET

Im Sommer stehen Österreich und Mit-Gastgeber Schweiz im Mittelpunkt des europäischen Fußballs. Die Stimmung bei den Österreichern ist durchaus gemischt. Vor allem das eigene Team gibt großen Anlass zur Sorge. Bernhard Böth hat sich im Finalspielort Wien umgesehen.

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          Es ist ein goldener Herbsttag, so wie man ihn sich vorstellt. Der Sonne gelingt es immer mehr, Nebel und kalte Temperaturen zu verdrängen. Doch auch bei schlechterem Wetter hätten sich die Jungs wohl zum Fußballspielen getroffen. Die Freude am Kicken ist ihnen anzusehen, ihre Gesichter strahlen sogar beim Warmmachen. Begeistert sehen sie auch aus, wenn man sie auf die Europameisterschaft im kommenden Jahr anspricht. „Das wird voll geil“, sagt ein Nachwuchskicker in urechtem Wienerisch. „Hier findet ja sogar das Endspiel statt.“

          Schülermannschaften aus dem Umfeld von Wien spielen auf einem Nebenplatz ihre Meisterschaften aus, nur wenige Steinwürfe vom Ernst-Happel-Stadion entfernt. Einige Jungs erzählen von ihren Erlebnissen bei Länderspielen, andere berichten voller Stolz, dass sie im Besitz von EM-Karten seien. Für sie ist es etwas „ganz Besonderes“, bei einem solches Endturnier im eigenen Land dabeisein zu dürfen. „Man weiß ja nicht, ob man das noch einmal erleben kann“, meint der Torwart der Truppe. Er ist geschätzte elf Jahre alt - und scheint die Fußballzeichen der Zeit erkannt zu haben.

          „Das Stadion in Wien ist zurecht der Ort des Finals“

          Rund um das Wiener Stadion, in dem am 29. Juni 2008 der neue Fußball-Europameister gekürt wird, sind derzeit noch Baustellenfahrzeuge im Einsatz. Es riecht nach frischer Farbe und heißem Teer, vor allem an der Infrastruktur wird noch gearbeitet. So zum Beispiel an der neuen U-Bahnstation, die erst im Mai fertig sein soll. „Das Stadion in Wien ist älter als andere, aber es hat viel Atmosphäre und ist zurecht der Ort des Finals“, sagte Michel Platini, Präsident der europäischen Fußball-Union (Uefa), jüngst nach Besichtigung aller acht EM-Arenen. In den Ausbau des Stadions, das 1931 eröffnet worden war, flossen insgesamt 37 Millionen Euro. Dort werden neben dem Endspiel die drei Vorrundenpartien der österreichischen Mannschaft vor 51.000 Zuschauern ausgetragen.

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          Österreich vor der EM : Nur die eigene Nationalelf spielt noch nicht mit

          Im „Stadion-Center“, einem angrenzenden Einkaufszentrum, stößt man in einem Sportartikelladen auf Fan-Utensilien aller Art. „Nach jeder Qualifikationsrunde steigt die Nachfrage“, berichtet der Filialleiter. Das Geschäft laufe gut. Neben Schals, Trikots und T-Shirts sind auch die offiziellen Maskottchen „Trix und Flix“ als Plüschfiguren zu haben. Auf ein ähnliches Fahnenmeer, das Deutschland bei der WM 2006 in schwarz-rot-goldene Farben tauchte, hoffen wohl auch die österreichischen Veranstalter. Ob sich die Bevölkerung dazu hinreißen lässt, die angebotenen rot-weißen Fähnchen ans Auto zu stecken, bleibt abzuwarten (Siehe auch: Fußball: Initiative Ösi-freie Euro).

          Nur vereinzelte EM-Spuren in der Wiener Innenstadt

          Das hängt sicher mit dem Auftreten der heimischen Nationalmannschaft von Josef Hickersberger zusammen. Im Prestigeduell gegen Mit-Gastgeber Schweiz setzte es am vergangenen Samstag, also 237 Tage vor Turnierbeginn, eine deprimierende 1:3-Niederlage. Damit stellten die Österreicher ihren Negativrekord von neun sieglosen Partien in Folge von 1973/74 ein. Trainer Hickersberger versucht dennoch Optimismus zu verbreiten: „Es wäre verfehlt, jetzt der Mannschaft irgendwelche Vorwürfe zu machen.“ Fakt ist: Der letzte Sieg liegt mehr als ein Jahr zurück. Und die Konkurrenz bei der EM ist kein Kanonenfutter.

          Geht man in der Wiener Innenstadt auf EM-Spurensuche, so wird man nur vereinzelt fündig. Am Rathaus steht der obligatorische Countdown-Turm, eine große Anzeigetafel, die die Tage, Stunden und Minuten bis zum ersten Anpfiff anzeigt. Hier beginnt auch die offizielle Fanzone, die über die Ringstraße bis zum Heldenplatz reicht: Auf neun Großbildleinwänden können Fans bei allen EM-Spielen unter freiem Himmel mitfiebern.

          „Im Frühjahr muss ich meine Bude schließen“

          Die Ringstraße ist schon geschmückt mit Bannern, an jeder Laterne flattert das EM-Logo im Wind. Rund um den Stephansdom ist es dagegen schwieriger, zu erkennen, dass in der Stadt in wenigen Monaten die besten Fußballer des Kontinents um die EM-Krone spielen werden. Wenn man Glück hat und scharf ist auf einen Schnappschuss, erwischt man eine von wenigen Straßenbahnen, die mit „Trix und Flix“ beklebt sind. Bei einem Kaffeehändler bekommt man schließlich bis zum Eröffnungsspiel - anscheinend aber nur bis dahin - einen kleinen Espresso für einen Euro.

          Zurück am Stadion: Während die Jungs unermüdlich dem runden Leder hinterherjagen und nebenbei vom EM-Viertelfinale träumen („Mit Glück überstehen wir die Vorrunde“), runzelt ein Beobachter die Stirn. Er betreibt einen Imbiss direkt am Stadion, lebt also vom Fußball. Auf die Frage, wie groß denn seine Vorfreude auf die Heim-EM sei, antwortet er: „Man sieht und hört nichts mehr von der Uefa.“ Doch was meint er damit? „Im Frühjahr muss ich meine Bude vorübergehend schließen.“ Die Uefa-Richtlinien in Sachen Sponsoring machen's nötig. Auch das ist die EM in Wien. Das Motto „Erlebe Emotionen“ hat zumindest beim Kioskbesitzer eine neue Bedeutung bekommen. Seiner Mannschaft drückt er trotzdem die Daumen. Das muss wahre Fußballliebe sein.

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