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Österreich : Propalästinensische Fußballfans stürmen Platz

  • Aktualisiert am

Zuschauer greifen während des Fußballspiels zwischen OSC Lille und Maccabi Haifa am Mittwoch Spieler des israelischen Vereins an. Bild: imago/PanoramiC

Folgen des Gaza-Konflikts: Ein Testspiel zwischen Haifa und Lille muss abgebrochen werden, weil propalästinensische Fußballfans das Spielfeld stürmen. Ein Testspiel von Paderborn findet nun unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt.

          Bei einem Freundschaftsspiel in Österreich zwischen Mannschaften aus Israel und Frankreich haben propalästinensische Fußballfans aus Protest gegen die israelische Militäroffensive im Gazastreifen den Rasen gestürmt. Die Fans rannten drei Minuten vor Schluss mit palästinensischen Fahnen auf das Spielfeld in Bischofshofen und griffen mehrere Spieler der Mannschaft von Maccabi Haifa an. Nach einem Handgemenge wurden sie von Sicherheitsleuten fortgeführt. Der Schiedsrichter brach das Spiel aus Sicherheitsgründen ab. Die Mannschaft von OSC Lille führte zu diesem Zeitpunkt 2:0.

          Maccabi Haifa erklärte anschließend gegenüber der „Jerusalem Post“, der Club glaube an „Koexistenz und Toleranz“. „Wir verurteilen die Gewalt, die gegen uns eingesetzt wurde. Dies geschah nicht wegen Sport oder Fußball, sondern weil wir ein Team sind, das Israel repräsentiert.“ Die israelische Armee geht seit 16 Tagen gegen die palästinensische Hamas-Bewegung im Gazastreifen vor, um den Raketenbeschuss Israels zu unterbinden. Bei dem Einsatz wurden mehr als 700 Palästinenser getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. International wächst die Kritik an der hohen Zahl ziviler Opfer.

          Paderborn unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

          Der Fußball-Bundesligaklub SC Paderborn wird sein Testspiel gegen Maccabi Haifa am Samstag im österreichischen Wörgl (18.00 Uhr) nun unter besonderen Schutzmaßnahmen austragen. Wie ein Clubsprecher der in Bielefeld erscheinenden Tageszeitung „Neue Westfälische“ am Donnerstag erklärte, werde man das Spiel „nur mit Sicherheitsvorkehrungen durchführen“. Alle Paderborner Fans, die zum Spiel kommen wollen, würden deshalb gebeten, ihren Personalausweis mitzubringen. Eine Absage der Begegnung sei kein Thema. „Wir wollen dieses Testspiel, weil es einfach ein guter Gegner ist“, sagte Pressesprecher Matthias Hack.

          Manager Sport Michael Born betonte, dass man das Spiel nicht deshalb absagen sollte, weil in dem Land des Gegners Kampfhandlungen stattfinden: „Ich denke, da sollte der Sport im Vordergrund stehen. Für mich ist das eine unfassbare Eskalation, wenn Sportler auf einem Platz angegriffen werden.“

          Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat auf den anti-israelischen Vorfall mit Empörung reagiert. „Gäste, die sich in Österreich aufhalten, haben das Recht, das in Sicherheit zu tun; unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer religiösen Zugehörigkeit“, erklärte Faymann am Donnerstag.

          Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Laut Polizei gab es keine Festnahmen. Das Landesamt für Verfassungsschutz habe die Ermittlungen übernommen. Österreich stehe für den respektvollen Umgang aller Religionen miteinander, sagte Faymann weiter. „Übergriffe auf Sportler, die ihre Saisonvorbereitung in Österreich absolvieren, sind absolut nicht zu tolerieren. Österreich steht für ein friedliches Miteinander aller Religionen. Das soll auch in Zukunft so sein.“

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