https://www.faz.net/-gtl-9tfpl

Jubel in Österreich : Eine „Schülermannschaft“ fährt zur EM

  • Aktualisiert am

Jubel in Wien: Österreich qualifiziert sich für die EM 2020. Bild: Reuters

Erst schoss der eigene Verbandspräsident mit harschen Worten gegen die Auswahl, dann gab es noch Häme für das neue Trikot. Dennoch qualifiziert sich Österreich für die EM 2020 – und formuliert ambitionierte Ziele.

          2 Min.

          Nach den kläglichen Auftritten zu Beginn der EM-Qualifikation hatten viele Österreicher das Thema Europameisterschaft 2020 bereits abgehakt. Vor allem das 2:4 gegen Israel, trainiert ausgerechnet von Andreas Herzog, schmerzte. „Viele haben uns nach den ersten zwei Spielen schon abgeschrieben“, sagte Bayern-Star David Alaba am Samstagabend. „Aber wir haben Charakter gezeigt.“ Seit dem Israel-Spiel im März hat das Team von Franco Foda keine Partie mehr verloren – und löste mit einem 2:1-Erfolg gegen Nordmazedonien am Samstag das Ticket für die EM 2020.

          „Wir haben Großes vor. Wir haben eine hohe individuelle Qualität, das können wir auf der großen Bühne zeigen. Große Bühne, großes Turnier, das fordert große Leistungen“, sagte Gladbach-Verteidiger Stefan Lainer nach dem Spiel. Der 27-Jährige hatte mit seinem ersten Tor für die Nationalmannschaft in der 48. Minute für die Vorentscheidung gesorgt, das 1:0 hatte Alaba bereits in der siebten Minute erzielt. „Wir sind eine hungrige Mannschaft, alle sind richtig geil drauf“, so Lainer. Und die Mannschaft bringt durchaus Potenzial mit zur EM.

          Denn die Auftritte der vergangenen Wochen waren durchweg ansehnlich. Nach den zwei Auftaktniederlagen musste sich die Truppe von ÖFB-Präsident Leo Windtner „Schülermannschaft-Charakter“ attestieren lassen. Die harte Kritik wirkte offensichtlich, die Leistungen und auch die Ergebnisse wurden deutlich besser. „Wir haben als Mannschaft Erfahrungen gesammelt, sind reifer geworden, das merkt man“, erklärte Bayern-Star Alaba.

          Kapitän Julian Baumgartlinger von Bayer Leverkusen nutzte die gelungene EM-Qualifikation dazu, mit einer klaren Aussage Präsident Windtner in die Parade zu fahren. Baumgartlinger betonte nun laut übereinstimmenden Medienberichten in Österreich, „schön, dass wir die erste Schülermannschaft sind, die sich für die EM qualifiziert hat. Das ist besonders. Aber es ist oft so, dass sich der Direktor nur im Erfolgsfall vor die Mannschaft stellt und sonst immer nur draufhaut, das kennen wir ja schon...“

          Aus den eigenen Reihen seien Schüsse gekommen, wo es besser gewesen wäre, diese Dinge intern zu besprechen. Windtner bemühte sich, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen: „Ich meine, das ist die finale Replik. Das Thema ist längst ausgestanden, denn wir haben uns ausgesprochen. Ich weiß, dass er einigermaßen sauer war, aber ich glaube, wir hatten auch allen Grund, sauer zu sein nach der Vorstellung in Israel.“ Die seien Dinge ausgeräumt.

          Allein der Blick auf den von Bundesliga-Legionären geprägten Kader zeigt, dass die Österreicher gute Chancen haben, bei einer EM erstmals die Gruppenphase zu überstehen. Defensiv sorgt Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt für Struktur. Außenverteidiger Stefan Lainer empfahl sich sowohl bei Borussia Mönchengladbach als auch in der Nationalmannschaft zuletzt mit starken Leistungen. Und im Mittelfeld hat Foda mit Alaba, Valentino Lazaro (Inter Mailand) und dem derzeit in Topform aufspielenden Marcel Sabitzer (RB Leipzig) eine gefährliche Formation im Angebot. Für die Österreicher geht es höchstwahrscheinlich nicht um den EM-Titel – aber jedes Turnier braucht auch eine Überraschungsmannschaft.

          Dass Alaba und Co. für die EM ein zuletzt hämisch kommentiertes Auswärtsdress im Gepäck haben werden, dürfte den Fans im Erfolgsfall letztlich egal sein. Schwarze Trikots zu türkisen Hosen – bisher standen die beiden Farben in Österreich für den früheren Kanzler Sebastian Kurz und seine ÖVP statt für Fußball. „Wenn der Designer am Telefon ÖVP statt ÖFB verstanden hat“, kommentierte daher ein Nutzer bei Twitter, andere Kommentatoren witzelten über einen neuen Namen der Mannschaft, etwa „Sebastian Kurz Österreich“. Bisher ist das Outfit, dass laut den Designern an den Jugendstil erinnern soll, aber zumindest ungeschlagen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ökonom Gabriel Felbermayr : „Trump hat dem Welthandel bisher nicht geschadet“

          Der Ökonom Gabriel Felbermayr hat seine Meinung geändert: Zölle findet er nicht mehr so schlimm wie früher. Im Interview erklärt er, wie Deutschland mit Amerika und China umgehen sollte und warum es eine Digitalsteuer braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.