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Nationalmannschafts-Kommentar : Nutzloses Zeitspiel

Joachim Löw beobachtet ein Spiel der Fußball-Bundesliga von der Tribüne aus. Bild: dpa

In den vergangenen Tagen wurde deutlich: Gravierende Veränderungen wird es in der Nationalmannschaft nach dem WM-Debakel wohl nicht geben. Vorfreude auf einen Neustart fühlt sich anders an.

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          Selbst wenn die Bundesliga schon wieder auf Hochtouren läuft und bereits in einer Woche die neue Saison auch der Fußball-Nationalmannschaft mit dem Auftakt der Nations League gegen Weltmeister Frankreich beginnt – war da nicht noch was? Ach ja, die Aufarbeitung der Weltmeisterschaft in Russland, die für das Team von Bundestrainer Joachim Löw schon vor über zwei Monaten viel zu früh zu Ende gegangen war.

          An diesem Mittwoch (12.00 Uhr) soll nun die deutsche Öffentlichkeit erstmals nach dieser halben Fußball-Ewigkeit vom Bundestrainer die Gründe für das Scheitern aus Sicht der sportlichen Leitung erfahren. Die ganz große Erregung über das Aus in der Vorrunde und die endlosen Erdogan-Debatten haben sich mittlerweile etwas gelegt. Aber die Erwartung, eine umfassende und überzeugende Analyse für den nicht nur sportlich enttäuschenden Auftritt zu liefern, ist damit nicht verschwunden. Im Gegenteil: Der tiefe Fall des deutschen Fußballs ist trotz des Zeitspiels im Land des viermaligen Weltmeisters sehr präsent.

          Der DFB ist schon jetzt überzeugt

          In den vergangenen Tagen wuchs allerdings der Eindruck, dass die unmittelbar nach dem WM-Aus von Bundestrainer, Manager und Präsident annoncierten „gravierenden Veränderungen“ zumindest in personellen Fragen von oberster DFB-Stelle wieder runtergedimmt wurden. Über spektakuläre Personalwechsel im Team oder auf der sportlichen Führungsebene ist auch aus dem gesamten deutschen Fußball in den vergangenen Tagen nicht einmal geraunt worden, nachdem Löw und Bierhoff in der Vorwoche beim DFB-Präsidium, der DFL und vor einigen Bundesligaklubs mit ihrer Analyse und den Konsequenzen daraus vorstellig geworden sind. Grindel kündigte zuletzt an, dass Bundestrainer und Manager in München dann auch noch mit den Details ihrer Pläne an die Öffentlichkeit gehen werden, mit denen sie den DFB im Kern schon überzeugt hätten. Was auch immer kommen mag, eines ist jetzt schon sicher: Vorfreude auf einen Neustart fühlt sich anders an.

          Die Präsentation und Selbstreflexion des alten und neuen Duos an der Spitze der Nationalelf in der Münchner Arena werden ein erster Glaubwürdigkeitstest ihres Gestaltungs- und Veränderungswillens sein. Der erste Härtetest wird dann allerdings erst eine Woche später am gleichen Ort für Löw und sein wie auch immer verändertes Team auf dem Programm stehen. Vor dem ersten Pflichtspiel in der Nations League dürfte da schon allein die Vorstellung des Bundestrainers in der Arena einen Eindruck von der Stimmungslage an der Basis geben. Und danach wird Weltmeister Frankreich über 90 Minuten einen unbestechlichen sportlichen Hinweis auf einen neuen Anfang liefern, von dessen Richtung die deutschen Fans bisher nicht den Hauch einer Ahnung haben – aber dem seit zwei Monaten einfach kein Zauber innewohnen will.

          Michael Horeni
          (hor.), Sport

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