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Konter von Niko Kovac : „Nicht in Ordnung, dass man mich ans Kreuz nagelt“

Im Fokus: Noch-Frankfurt- und Bald-Bayern-Trainer Niko Kovac. Bild: Reuters

Frankfurt steht im Pokal-Halbfinale. Doch vor dem Duell mit Schalke ist der scheidende Trainer Niko Kovac das Thema. Nun äußert er sich erstmals zu seinen Beweggründen. Eine Frage aber lässt er offen.

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          Der beständige Wechsel begleitet Niko Kovacs Laufbahn. Weder als Spieler noch als Trainer. Er trug das Trikot von sieben Vereinen, und seit er sich im Anschluss an seine letzte Partie als Profi für den Posten an der Seitenlinie empfahl, führte er fünf Teams. Wichtig, so erzählt es der heute 46-Jährige gerne, sei ihm dabei nie der Eindruck gewesen, den die Leute von ihm hatten, als er eine Aufgabe begann, sondern die Meinung, die sie bei seinem Abschied mit seinem Wirken verbinden: „Wenn man bei der Rückkehr auf die Menschen trifft, mit denen man in der Vergangenheit zusammen war und dann mit offenen Armen empfangen wird, hat man als Sportler, aber auch Mensch einiges richtig gemacht“, beschrieb er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine seiner Leitlinien, an denen er sich im Alltag orientiere. Ob es ihm gelingen wird, dass die Fußballanhänger in Frankfurt in Zukunft vor allem positive Erinnerungen mit ihm in Zusammenhang bringen, liegt nach den jüngsten Entwicklungen nicht mehr ausschließlich in seiner Hand.

          DFB-Pokal
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          „Ich sehe keinen Grund dafür, dass es nicht so kommt“, sagte Kovac am Dienstag, dreißig Stunden vor dem Pokalhalbfinale „auf“ Schalke an diesem Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky). Seit er am Freitag bestätigte, dass er im Sommer die Regie beim Rekordmeister in München übernehmen wird, der sich eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag mit der Eintracht zu eigen machte, sind seine Sympathiewerte in Frankfurt spürbar schlechter geworden. Auch weil sich Kovac in der Debatte um seine Person zuvor ungeschickt verhalten und mit seiner Argumentation wiederholt den Anschein erweckt hatte, dass sein Verbleib in Frankfurt – „Stand jetzt“ – nicht ausgeschlossen ist. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic bezeichnete das Verhältnis zu seinem leitenden Angestellten am Wochenende als „getrübt“.

          Stress verspüre er wegen der Turbulenzen, die zudem durch den Schlagabtausch zwischen Bobic und dem Münchner Präsidenten Uli Hoeneß befeuert wurden, nicht, sagte Kovac. Er versuche das Thema „einfach auszublenden“, wie er anfügte. „Vier, fünf Tage“ sollten nicht zunichtemachen, „was wir uns in zwei Jahren aufgebaut haben“. Er äußerte sich erstmals zu den Beweggründen seines bevorstehenden Wechsels: „Für mich war es immer ein Ziel, Trainer des FC Bayern zu werden. Das ist legitim und nicht verwerflich.“

          Bei der Frage nach der Chronologie des spektakulären Deals blieb er bei seiner Version – und der seines künftigen Arbeitgebers –, dass es erst am Donnerstag zur Übereinkunft gekommen sei und es vorher keine Kontakte über den „Buschfunk in der Bundesliga“ hinaus gab. Er habe allenfalls „Signale wahrgenommen“; welcher Art und von wem ließ er offen. Dass der Zeitpunkt des Bekanntwerdens nicht glücklich war, räumte Kovac ein. Dies sei so nicht geplant gewesen. Mehr an (selbstkritischen) Tönen zum Ablauf des Geschehens kam ihm nicht über die Lippen. Stattdessen lautete seine Einschätzung: „Moralisch war es clean.“

          Bei seiner Vertragsverlängerung im Dezember 2016 habe er sich die Option zusichern lassen, die Eintracht gegen Ablöse vor Ende Juni 2019 verlassen zu können, sollte ein Klub vorstellig werden, „der in der Champions League spielt“. Nie habe er in Frankfurt „um einen Cent gefeilscht. Das musste ich bei den Bayern auch nicht.“ Es sei alles „ganz schnell“ gegangen. Wer ihn kenne, wisse, dass er eine „hohe Erwartungshaltung“ habe. An sich und sein Umfeld. „Ich bin überzeugt von mir, und im Zusammenspiel mit der Mannschaft wollte ich interessant werden für Klubs aus dem obersten Bereich.“ Die Eintracht bot ihm demnach ein passendes Sprungbrett für die eigene Karriereplanung. Den FC Bayern bezeichnete Kovac, für den er von 2001 bis 2003 schon auf dem Rasen im Einsatz war, als das „Nonplusultra“ der Branche: „Die Chance, von diesem Weltklub als Trainer in Betracht gezogen zu werden, ist sehr gering. Ich musste sie wahrnehmen.“

          Ein sportlicher Erfolg, der gleichbedeutend mit dem abermaligen Einzug ins DFB-Pokalfinale Mitte Mai in Berlin wäre, käme Kovac gelegen, um seine Herausforderung in Frankfurt versöhnlich beenden zu können. Andernfalls würde der Druck auf ihn zunehmen und könnte die folgende Partie – gegen Hertha BSC – zu seinem persönlichen Frankfurter Endspiel werden. Sollten die Hessen Gefahr laufen, im Saison-Finale auch die Europapokal-Teilnahme aufs Spiel zu setzen, und die Stimmung auf den Rängen kippen, müssten sie abwägen, ob und wie sie die Beziehung mit Kovac zu Ende bringen. Er betonte, es habe sich um keine Entscheidung gegen die Eintracht gehandelt, sondern, wie er unverhohlen anfügte, um „eine für mich“. Dass er Mitstreiter und Sympathisanten der Frankfurter mit seinem Beschluss „enttäuscht“ habe, könne er verstehen: „Doch was nicht in Ordnung geht, dass man mich jetzt ans Kreuz nagelt und behauptet, dass plötzlich alles schlecht gewesen sein soll, was vorher gut war.“

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