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Double mit dem FC Bayern : Der Stolz des Niko Kovac

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Großer Ertrag: Niko Kovac gewinnt mit den Bayern den Pokal und die Meisterschaft. Bild: dpa

Er musste sich die Anerkennung als Bayern-Trainer mühsam erkämpfen. Nun ist Niko Kovac am Ende seiner ersten Saison Meister und Pokalsieger. In Berlin äußert sich Karl-Heinz Rummenigge zum Münchner Dauerthema Kovac.

          Dass die Bayern auch feiern können, zeigten sie den 74.322 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion Stadion so ausgelassen wie lange nicht. Der Seriensieger, Rekordmeister (29 Titel) und Rekordpokalsieger (19 Erfolge) startete seinen Jubelparcours am Samstagabend mit einer beflügelten Polonaise vor der Ostkurve, wo ihre leidenschaftlichsten Anhänger den deutschen Dauerchampion hochleben ließen.

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          Der 3:0-Sieg im DFB-Pokalendspiel über RB Leipzig wurde nicht wie früher so mancher Titel am selben Ort routiniert zelebriert. Die Münchner waren mit sich und der Welt im Reinen nach einem phasenweise hochklassigen Spiel, in dem beide Teams den offenen Schlagabtausch gewählt und allein die Bayern die Treffer des Tages gesetzt hatten.

          Sehenswerte Tore des polnischen Gewohnheitstorjägers Robert Lewandowski (29./85. Minute) und ein kerniger Schuss des französischen Außenstürmers Kingsley Coman (78.) führten ein Ergebnis herbei, das eindeutige Kräfteverhältnisse vorspiegelte. Dabei hatten die Sachsen bei ihrer Finalpremiere über weite Passagen sehr gut mitgehalten, aber das Wesentliche versäumt: aus besten Gelegenheiten das Beste zu machen. So genoss nur der Favorit diesen Abend mit dem ersten Doublegewinn seit 2016, damals noch unter dem Trainerstar Pep Guardiola.

          Niko Kovac, der als Spieler des FC Bayern 2003 schon einmal das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg miterobern half, musste sich in dieser Saison die Anerkennung im erfolgsverwöhnten besten deutschen Fußballklub erst mühsam erkämpfen. Nun aber, da der Kämpfertyp nach für ihn schweren Wochen seine nationale Pflichtaufgabe, angereichert mit ein paar Kürelementen, erfüllt hat, kann der Berliner Kroate einer weiteren Spielzeit als Cheftrainer an der Säbener Straße entgegensehen. Er wird aber weiter unter ständigem Erfolgs- und Beobachtungsdruck stehen, mochte ihn am Samstag die treue Gefolgschaft der „Roten“ noch so lautstark unterstützt haben.

          Kovac schnappte sich, die günstige Gelegenheit nutzend, ein Megaphon und bedankte sich von Herzen bei den Fans. „Was die letzte Woche – beim 5:1-Meisterstück über Eintracht Frankfurt – und heute passiert ist, macht mich stolz und froh“, rief er den Bayern-Anhängern aus der Kurve zu. Volkes Stimme hatte gesprochen, und auch der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, der Kovac lange eher kritisch beäugt hatte, wollte dem nicht widersprechen. „Es hat keiner infrage gestellt und es war auch für uns kein Thema, dass er bei der Laufzeit des Vertrages (bis 2021) kein Trainer mehr wäre“, sagte er ziemlich gedrechselt zum Münchner Dauerthema der vergangenen Wochen.

          Kovac also kann weitermachen – mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die in einem Verein, der sich permanent unter Siegzwang sieht, zum Alltag gehören. Die Spieler dagegen genossen Saisonabschlusssause und feierten ihren streckenweise glänzenden Auftritt, den sie nach 25 schwachen Anfangsminuten hingelegt hatten – vorneweg der zweifache Torschütze Lewandowski und der nach sechs Wochen Verletzungspause ob eines Muskelfaserrisses in der Wade ins Tor zurückgekehrte Manuel Neuer.

          Der Weltmeister von 2014 zeigte nach einer Woche beschwerdefreien Trainings auf Anhieb wieder die Nervenstärke und Reaktionsgeschwindigkeit, die ihn zu einem Weltklassekeeper gemacht hat. „Es war eine Punktlandung, dass ich spielen konnte“, sagte Neuer, nachdem er im vorjährigen Endspiel, das für die Bayern mit einer 1:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt bitter endete, wegen der noch nicht auskurierten Folgen eines Mittelfußbruchs passen musste. Diesmal verhinderte er bei seinem Comeback zwei kapitale Gelegenheiten der Leipziger nach Poulsens wuchtigem Kopfball mit einem Megareflex (11.) und nach Forsbergs Solo, das beim abschließenden Schuss des Schweden an Neuer zerschellte (48.).

          Es waren die Momente, denen RB-Trainer Ralf Rangnick hinterhertrauerte. Der Schwabe sprach nach seinem womöglich letzten Spiel als Trainer von einer „großen Enttäuschung“ und davon, dass „wir das Spiel nicht hätten verlieren müssen“. Rangnicks Einschätzung gab die Wirklichkeit aber leicht geschönt wieder. Tatsächlich fehlte es seiner Mannschaft am Samstag an der Kaltschnäuzigkeit, die vonnöten ist, um einem Gegner vom Kaliber Bayern München richtig weh tun zu können, wie es im Vorjahr der Frankfurter Eintracht mit Kovac als Trainer geglückt war. Wesentlich kühler als Rangnick benotete Angreifer Yussuf Poulsen den Auftritt der Leipziger Endspieldebütanten, die in Berlin auch einen Preis für ihre fehlende Erfahrung im Umgang mit solchen Begegnungen zahlten. „Wenn man die Chancen, die man hat, nicht nutzen kann, verdient man auch nicht den Sieg“, hielt der Däne fest.

          Die Münchner dagegen hatten am Ende gut lachen. „Wir haben eine sehr gute Rückrunde gespielt, wenn man die 1:3-Heimniederlage gegen Liverpool (im Champions-League-Achtelfinalrückspiel) einmal ausklammert“, zog Mats Hummels, am Samstag eine weitere Größe im Münchner Spiel, Bilanz, „wir haben gezeigt, dass wir eine hervorragende Mentalität in der Mannschaft haben und den Willen, schwierige Situationen zu meistern.“ Ähnlich glücklich habe er in der Kabine auch Kovac erlebt. „Er war stolz darauf, was wir gemeinsam als Mannschaft erreicht haben.“

          Dieses fröhliche Zusammengehörigkeitsgefühl prägte die Berliner Pokalnacht, nach der sich die Wege der Münchner und ihrer ihrer in die Jahre gekommenen Kollegen und Freunde Franck Ribéry, Arjen Robben und Rafinha endgültig trennten. „Sie haben unsere gemeinsame Zeit geprägt“, rühmte Neuer das Trio, aus dem vor allem der Trickkünstler Ribéry und der Draufgänger Robben den FC Bayern des vergangenen Jahrzehnts bereichert haben. Die beiden durften am Samstag noch ein paar Minuten mitspielen, ohne noch einen entscheidenden Akzent zu setzen. Das war auch nicht nötig an einem mit Glückshormonen aufgeladenen Finaltag, der vom produktiven Gemeinschaftsgefühl einer ganzen Mannschaft bestimmt wurde.

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