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Niederlande bangen um WM : „Das ist saudumm, ein harter Schlag“

  • -Aktualisiert am

Niederlande-Kapitän Virgil van Dijk nennt die Spielweise in der zweiten Hälfte „unverschämt“. Bild: Reuters

Verpassen die Niederlande noch die WM-Teilnahme? Nach dem unnötigen Remis in Montenegro ist der Frust groß, Trainer Louis van Gaal reagiert entsetzt. Die Türkei mit Stefan Kuntz könnte profitieren.

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          Hochmut kommt vor dem Fall, Hoffnung wächst vor dem Endspiel: Die Nationalmannschaften der Niederlande und der Türkei haben am Samstagabend die Weltmeisterschafts-Qualifikationsgruppe G vor dem finalen Countdown am Dienstag spannend gemacht. Nach dem 2:2 der Holländer nach 2:0-Führung in Montenegro kann der Tabellenführer (20 Punkte) trotz eines Zweipunktevorsprungs vor den mit 6:0 gegen Gibraltar in Istanbul siegreichen Türken und den beim 0:0 gegen Lettland in Oslo enttäuschenden Norwegern sogar noch das greifbar nahe Ziel WM-Teilnahme 2022 in Qatar verspielen.

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          Bei einer Heimniederlage in Rotterdam gegen die Skandinavier und einem gleichzeitigen Sieg der vom deutschen Trainer Stefan Kuntz betreuten türkischen Mannschaft in Montenegro würden die Türken und Norweger die Plätze eins und zwei unter sich ausmachen. Derzeit trennt die beiden mit jeweils 18 Zählern punktgleichen Mannschaften nur ein Tor zugunsten der Türkei in der Tabelle.

          Dabei hatte sich Oranje wie so oft mit einem Anflug von Überheblichkeit so gut wie am Ziel gefühlt. Von wegen. Die beiden Treffer des für den FC Barcelona stürmenden Memphis Depay zur 2:0-Führung (25. Minute und Foulelfmeter/54.) reichten nicht zum Sieg. Die kampfstarken Montenegriner glichen in der Schlussphase zum Entsetzen des Favoriten durch Vukotic (82.) und Vujnovic (86.) aus.

          Der 70 Jahre alte Louis van Gaal, schon zum dritten Mal Trainer der Elftal, war entsetzt. „Ich kann mir das nicht erklären“, sagte der früher eher als Welterklärer des Fußballs aufgefallene Bondscoach nach dem wie eine schwere Niederlage empfundenen Remis auf dem Balkan. Depay, mit elf Treffern der Schützenkönig der WM-Qualifikation, war entsetzt. „Das ist saudumm, das ist ein harter Schlag“, urteilte er über den verspielten Sieg. „Wir lassen uns selbst, die mitgereisten Fans und die Fans zu Hause im Stich.“

          Optimismus bei der Türkei

          Abwehrchef Virgil van Dijk (FC Liverpool) stellte sich und seinen Kollegen ein vernichtendes Urteil aus, als er der Mannschaft attestierte, in der zweiten Hälfte „unverschämt“ gespielt zu haben. Den geballten Unmut der eigenen Anhängerschaft werden die Niederländer in Rotterdam für den Fall des Falles nicht zu spüren bekommen, da die Begegnung im Stadion De Kuip ob der auch in den Niederlanden grassierenden vierten Corona-Infektionswelle ein „Geisterspiel“ vor leeren Rängen sein wird.

          Anders als bei den ernüchterten deutschen Nachbarn herrscht in der Türkei nach dem deutlichen Pflichtsieg über den punktlosen Gruppenletzten Gibraltar Optimismus. Nach den Treffern von Aktürkoglu (11. Minute), Dervisoglu (38./41.), Demiral (65.), Dursun (81.) und Müldür (84.) sieht die von Kuntz, dem zweimaligen Europameistertrainer der deutschen U21-Auswahl (2017/2021), betreute Mannschaft voller Zuversicht dem finalen Countdown in Montenegro entgegen. Das Team, zu Kuntz‘ Einstand beim 1:1 gegen Norwegen noch verunsichert, hat sich durch den Last-Minute-Auswärtssieg in Lettland (2:1) stabilisiert.

          Der 59 Jahre alte Saarländer war am Samstag „stolz“ auf seine Spieler. „Es war eine große Freude, ihnen von der Seitenauslinie zuzusehen.“ Dem Team glückte gegen den durch Olivera-Mascarenhas‘ Platzverweis nach grobem Foulspiel zusätzlich geschwächten Gegner so viel, dass die Türkei dank ihrer sechs Treffer die Norweger, die gegen Lettland in Oslo nur ein 0:0 erreichten, in der Tordifferenz überflügelten. Die Teilnahme an den Play-off-Spielen zum Erreichen der WM 2022 scheint möglich, die direkte Qualifikation nicht ausgeschlossen. Wer hätte das bei Kuntz‘ Amtsantritt nach der ernüchternden Premiere gedacht?

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