https://www.faz.net/-gtl-9qomy

Niederlage in Europa League : Am Ende fällt die Eintracht auseinander

Das war nichts: Gegen Arsenal ist die Eintracht um Filip Kostic unterlegen. Bild: Reuters

Achtbarer Auftritt, bitteres Resultat: Frankfurt erspielt sich beim Start in die Europa League Torchancen in Hülle und Fülle, muss sich aber dem FC Arsenal geschlagen geben. In der nächsten Partie wird ein wichtiger Spieler fehlen.

          3 Min.

          Es war ein bewegter Sommer. 25 Spieler sind gekommen und gegangen bei der Eintracht, wodurch sich der Kader an vielen Stellen veränderte. Beibehalten haben sich die Mannschaft, der Klub und sein Anhang ungeachtet des Wandels insbesondere eine Passion: Die Lust an Fußballspielen auf der internationalen Bühne. Beim Auftakt in die Europa League gegen den FC Arsenal erreichte die Hingabe aller Beteiligten wieder bemerkenswerte Dimensionen. Die ausverkaufte Arena bildete die Kulisse für einen Abend, an dem die Frankfurter im Anschluss an eine eindrucksvolle Choreographie aufs Neue ihrem Ruf gerecht zu werden versuchten, unter besonderen Vorzeichen zu erstaunlichen Leistungen im Stande zu sein.

          Europa League
          ANZEIGE

          Das klappte aber diesmal nicht wunschgemäß. Gegen den Klub aus London gelang dem Team von Trainer Adi Hütter beim 0:3 eine beachtliche Darbietung, doch der Favorit von der Insel hielt den Bundesliga-Neunten in Schach. „Das Spielglück, das wir brauchen, um Tore zu erzielen, hat heute gefehlt“, bilanzierte Sportvorstand Fredi Bobic hinterher. Er sprach von einem „komischen Ergebnis“. So sah es auch Trainer Adi Hütter. „Es ist eine bittere Niederlage“, sagte der Österreicher. „Ergebnis und Leistung passen trotz allem nicht zusammen. Wir stehen leider mit 0:3 da, ich habe trotzdem eine sehr ansprechende Leistung gesehen.“ Durch die Niederlage erhöhte sich der Erfolgsdruck vor den nächsten Aufgaben in der Gruppe F gegen Vitoria Guimaraes und Standard Lüttich. Die Belgier setzten sich parallel 2:0 durch.

          Im Frankfurter Stadtwald begann es, wie es im Mai aufgehört hatte: Rund vier Monate nach dem tränenreichen Aus im Halbfinale beim FC Chelsea war es mit den „Gunners„ sogleich wieder ein englisches Spitzenteam, mit dem die Eintracht ihre Kräfte messen konnte. Zur Aufstellung, von der sich Trainer Adi Hütter ein couragiertes Auftreten versprach, gehörte mit Filip Kostic ein Rückkehrer, dessen Engagement am Wochenende in Augsburg (1:2) schmerzlich vermisst wurde. Mit seiner Laufstärke und dem Blick für den freien Raum gehörte der von einer Erkältung genesene Serbe vom Anstoß an zu den Triebfedern einer Frankfurter Mannschaft, die umgehend ihr Heil in der Offensive suchte. André Silva trug mit seiner Technik im Zweikampf dazu bei, dass die Arsenal-Abwehr um den Brasilianer David Luiz sogleich mächtig unter Druck geriet, während Bas Dost durch sein Körpermaß als Zielspieler im Angriff vorgesehen war, der die Nebenleute nach der Balleroberung in Szene setzen sollte.

          Optische Dominanz, kein Treffer

          In der ersten halben Stunde bot sich der Eintracht fast ein halbes Dutzend Gelegenheiten, bei der sie aus ihrer optischen Dominanz mit dem Führungstreffer zählbaren Nutzen hätte schlagen können. Doch Effizienz gehört in diesem Herbst noch nicht zu ihren Stärken. Djibril Sow, der trotz seiner fehleranfälligen Vorstellung am Wochenende auf der Sechser-Position eine Bewährungschance erhielt, kam in der vierten Minute zum Abschluss freistehend zum Schuss, aber der Schweizer, der im weiteren Verlauf wiederum durch einige Patzer auffiel, verzog knapp. Auch bei Silva (11.) fehlten Zentimeter, genau wie bei Kostic, der danach im Alleingang auf Emiliano Martinez los flitzte und die Kugel ans Außennetz schlenzte (18.). Der Argentinier zwischen den Pfosten von Arsenal hatte den Vorzug vor dem Deutschen Bernd Leno erhalten und es mangelte ihm bis zur Pause nicht an Gelegenheiten, sein Können zu demonstrieren; sowohl gegen Kostic (23.) wie 120 Sekunden darauf gegen Daichi Kamada parierte der Keeper reaktionsschnell.

          Gewohntes Bild in der Europa League: Die Frankfurter Fans zeigen wieder eine sehenswerte Choreographie.

          Doch auch den Männern in Rot und Weiß boten sich Chancen, wobei sie gleich zweimal von Aussetzern Sows profitierten, der im defensiven Mittelfeld unter Bedrängnis die Kontrolle über das Spielgerät und den Überblick verlor; daraufhin bewahrte zunächst Kapitän David Abraham die Mannschaft vor Schlimmerem, als er sich Bukayo Saka in höchster Not vor die Füße war (13.). Danach war es Torhüter Kevin Trapp, der durch seine Tatkraft gegen Emile Smith Rowe das Missgeschick des Kollegen bereinigte (32.).

          Vor allem wenn Pierre-Emerick Aubameyang das Tempo anzog, herrschte in Reihen der Frankfurter Alarmstimmung, denn sie probierten stets, den früheren Dortmunder Goalgetter zu zweit abzuschirmen, um ihm ein Eindringen in den Strafraum zu verwehren. Für Abraham bedeuteten die Sprint-Duelle gegen den gewandten Gabuner Stress, der Spuren hinterließ. Als der 33-Jährige in der Vorwärtsbewegung einen Moment unachtsam zu Werke ging, fuhr ihm Granit Xhaka in die Parade und schaltete seinerseits sofort auf Attacke. Bei seiner Absicht, das Versehen zu kompensieren, wurde Abraham abermals auf dem falschen Fuß erwischt und verlängerte die Hereingabe von Joe Willock so, dass sie sich für Trapp unhaltbar zum 0:1 ins Netz senkte (38.).

          Den zweiten Abschnitt begann Hütters Auswahl mit der erkennbaren Intention, schnell die Wende einzuleiten. Der Sturmlauf brachte bei den Versuchen von Dost (47.), Silva (48., 53., 59.) sowie Kostic (53.) aber lediglich Szenenapplaus ein. Die Fans der Eintracht unter den mit 47.000 Zuschauern ausverkauften Arena erlebten zudem eine Schrecksekunde, als Xhaka einen Freistoß ans Aluminium knallte (56.). Mit der Hereinnahme von Goncalo Paciencia für Dost, der sich zu selten durchsetzen konnte, wollte Hütter das Signal für den Endspurt geben.

          Kostic (67.), Paciencia (68.) und Silva (70.) kamen dabei Martinez nahe, aber um ihn zu überwinden, fehlte es den Aktionen an Ruhe und Zielstrebigkeit. Durch die Gelb-Rote Karte für Dominik Kohr (80.) verschlechterten sich die Karten weiter. In Unterzahl hielt die Eintracht die Angelegenheit nur noch ganz kurz spannend, ehe der Abend der vergebenen Möglichkeiten für sie ein bitteres Ende fand: Saka (85.) und Aubameyang (87.) setzten mit den Toren zum 3:0 für Arsenal die Schlusspunkte.

          Europa League

          Weitere Themen

          Altes Spiel, neuer Glanz

          Eintracht Frankfurt : Altes Spiel, neuer Glanz

          Rennen, schießen, grätschen: Filip Kostics Leistung gegen Leverkusen erinnert an spektakulärste Momente der vergangenen Spielzeit. Trainer Hütter spricht sogar von der besten Halbzeit der Saison.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.