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Fußball-Legende : Johan Cruyff ist tot

  • Aktualisiert am

Johan Cruyff (1947-2016) Bild: AP

Er war der beste niederländische Fußballspieler aller Zeiten. Dazu ein genialer Trainer und eine charismatische Führungsfigur. Johan Cruyff, Erfinder von „Voetbal totaal“, starb im Alter von 68 Jahren nach einer Krebserkrankung.

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          Die Fußball-Legende Johan Cruyff ist tot. Der Niederländer ist am Donnerstag im Alter von 68 Jahren nach einer Krebserkrankung in Barcelona „nach einem harten Kampf“ im Kreise seiner Familie gestorben. Das teilte seine Stiftung mit. Cruyff hatte erst im vergangenen Herbst eine Lungenkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht und wenig später mit einer Chemotherapie begonnen. Bis Anfang der 90er Jahre war der Fußball-Star ein starker Raucher gewesen.

          Noch vor etwa einem Monat hatte sich der frühere Mittelfeldspieler überzeugt gezeigt, seine Krebserkrankung besiegen zu können. „Ich habe das Gefühl, mit 2:0 in der ersten Halbzeit eines Spiels vorne zu liegen, das noch nicht zu Ende ist. Aber ich bin mir sicher, dass ich es gewinnen werde“, hatte Cruyff damals auf seiner Internetseite geschrieben.

          Nach Bekanntwerden seiner Krankheit hatte Cruyff öffentlich eine große Anteilnahme erfahren. Die Reaktionen seien „emotional bewegend und herzerwärmend“, schrieb er in einer Kolumne im Oktober. „Ich bin sehr stolz auf die Wertschätzung, die aus allen Reaktionen spricht.“ Cruyffs Tod sei die Folge einer Lungenkrebs-Erkrankung, hieß es am Donnerstag von seiner Stiftung.

          In einem Werbespot gegen das Rauchen jonglierte der einstige Kettenraucher Cruyff 1991 eine Zigarettenschachtel, als wäre sie ein Ball.

          Am 26. Februar des gleichen Jahres klagte der damalige Trainer des FC Barcelona auf der Rückfahrt vom Liga-Spiel in Valladolid über Magenschmerzen, schwere Arme und Schweißausbrüche. Dank einer schnellen Untersuchung im Krankenhaus wurde ein schwerer Herzinfarkt in letzter Minute vermieden, es folgte eine Bypass-Operation. 1997 hörte er nach weiteren Herzbeschwerden als Trainer auf und schwor, nicht mehr zurückzukehren.

          Cruyff gilt als bester niederländischer Fußballspieler der Geschichte. Er wurde immerzu für seinen Spielwitz und seinen Tordrang verehrt. Der Mann im orange-farbenen Trikot mit der Nummer 14 setzte auf dem Rasen die als „Voetbal totaal“ in die Sport-Geschichte eingegangene Offensiv-Philosophie von Trainer und Mentor Rinus Michels um. Er war eine ebenso unumstrittene Führungsfigur wie Beckenbauer auf deutscher Seite.

          In seiner Karriere gewann der geniale Kreativspieler mit Ajax Amsterdam unter anderem drei Mal den Europapokal der Landesmeister und prägte auch mit dem FC Barcelona eine mehrjährige Ära. 1971, 1973 und 1974 wurde er als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Später wurde er auch noch zu Europas Fußballer des Jahrhunderts geehrt.

          Weltmeistertitel blieb ihm verwehrt

          Der WM-Sieg 1974 blieb ihm jedoch verwehrt – die Niederlande verloren das Endspiel in München gegen die deutsche Nationalelf 1:2. Der als Ideengeber und Torschütze gleichermaßen starke Cruyff sagte ein Leben lang auch stets unverblümt seine Meinung. Das brachte ihm im Münchner WM-Finale nach der ersten Halbzeit auf dem Weg in die Kabine die Gelbe Karte durch den englischen Schiedsrichter John Taylor ein.

          Später kritisierte Cruyff mit scharfer Zunge im Fernsehen und als Kolumnist der Zeitung „De Telegraaf“ gern seine Nachfolger - er konnte es sich aufgrund seiner großartigen Fähigkeiten erlauben. 1977 bestritt Cruyff das letzte seiner 48 Länderspiele, in denen er 33 Tore erzielte. Eine Rückkehr lehnte er gewohnt gradlinig ab. Für die WM 1978, ausgetragen im vom Militär beherrschten Argentinien, gab er dem damaligen Trainer Ernst Happel einen Korb. „Bevor ich einen Fehler mache, mache ich ihn nicht“, war einer der markanten Sprüche, für die Cruyff ebenfalls in Erinnerung bleiben wird.

          Cruyff prägte auch als Trainer des FC Barcelona, mit dem er 1992 den Europapokal der Landesmeister gewann, eine Ära der Erfolge. Für den katalanischen Klub erfand er eine eigene Spielphilosophie, die bis heute Bestand hat. Vom „niederländischen Zauberer“ schwärmte sein einstiger Club in seinem Nachruf.

          Barcelona war zu seiner zweiten Heimat geworden. Im November 2015 brach Cruyff dagegen endgültig mit seinem eigentlichen Heimatverein aus Amsterdam und gab seine Tätigkeit als Berater auf, weil er mit Entscheidungen der Klubspitze nicht einverstanden war. „Seit Jahren schon stelle ich fest, dass meine Ideen bei Ajax nicht umgesetzt werden. Hinzu kommt der Eindruck, dass dies bewusst geschieht. Und bei Spielchen mache ich nicht mit“, sagte er.

          Auf die Nachricht von seinem Tod folgten direkt die ersten bestürzten Reaktionen: „Ich bin geschockt. Er war nicht nur ein sehr guter Freund, sondern auch ein Bruder für mich“, sagte Franz Beckenbauer über seinen einstigen Rivalen. „Die Niederlande haben ein Gesicht in der Welt verloren. Er hat unseren Fußball auf die Weltkarte gebracht“, kommentierte Hollands früherer Weltklassespieler Ruud Gullit die traurige Nachricht im niederländischen „Telegraaf“. „Worte können den Verlust, den wir fühlen, nicht beschrieben“, hieß es beim niederländischen Fußballverband.

          „Ohne den Ball kannst Du nicht gewinnen“, lautete die Philosophie von Cruyff. „Was er erschaffen hat, war einmalig. Das haben seine Nachfolger, insbesondere Pep Guardiola, zur Perfektion veredelt“, urteilte Günter Netzer in der „Welt“. Er habe Cruyff über alle Maßen bewundert, „er war der größte Stratege unserer Zeit“. Der gesperrte Uefa-Präsident Michel Platini, 1984 Europameister und Star der französischen Mannschaft, meinte: „Ich bin sehr traurig, weil Johan das Idol meiner Kindheit war, mein Idol und mein Freund.“

          Der deutsche Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus bezeichnete Cruyff als „einen Mann, der den Fußball transformiert“ habe. Und Deutschlands früherer Nationaltrainer Jürgen Klinsmann schrieb: „Was für ein einzigartiger Spieler, Trainer, Lehrer und Mensch er war.“

          Die Person und der Spieler Johan Cruyff

          Name: Hendrik Johannes Cruijff, genannt Johan Cruyff
          Geburtstag: 25. April 1947 in Amsterdam
          Todestag: 24. März 2016 in Barcelona

          Position: Spielmacher
          Rückennummer: 14
          Stationen als Spieler: Ajax Amsterdam (1964-73), FC Barcelona (1973-78), Los Angeles Aztecs (1979-80), Washington Diplomats (1980-81), UD Levante (1981), Ajax Amsterdam (1981-83), Feyenoord Rotterdam (1983-84); in der niederländischen Nationalmannschaft von 1966 bis 1977
          Stationen als Trainer: Ajax Amsterdam (1985-88), FC Barcelona (1988-96), Katalonien (2009-2013)
          Größte Erfolge als Spieler: Sieger Europapokal der Landesmeister 1971, 1972 und 1973, Vize-Weltmeister 1974, neunmaliger niederländischer Meister, spanischer Meister 1974
          Größte Erfolge als Trainer: Sieger Europapokal der Landesmeister 1992, Sieger Europapokal der Pokalsieger 1987, 1989, viermaliger spanischer Meister
          Auszeichnungen: Europas Fußballer des Jahres 1971, 1973, 1974, bester Spieler der Weltmeisterschaft 1974

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