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Neymars laute Rückkehr : Das Spektakel kickt wieder

  • -Aktualisiert am

Ist das auch genug Applaus? Neymar endlich wieder in seinem Lieblingstrikot. Bild: AFP

Nach Vergewaltigungsvorwürfen, Verletzungspause und Wechseltheater hat er mal wieder Fußball gespielt. Beim 2:2 gegen Kolumbien zieht Neymar wieder alle Blicke auf sich.

          Es geht nicht ohne Aufregung: Nach einem Zweikampf mit Kolumbiens Davinson Sánchez rutschte der Rückkehrer mit dem Kopf voran in Richtung Werbebande. Die Kollision war nicht zu vermeiden gewesen, genauso wenig wie die anschließende Diskussion. Spätestens da war auch dem letzten der rund 65.000 Zuschauer im Hard Rock Stadium in Miami klar: Neymar ist nach drei Monaten Verletzungspause, die ihn zwar vom grünen Rasen fern-, aber nicht aus von den Skandalnachrichten heraushielt, wieder zurück auf der großen Bühne. Mit einem 2:2 gegen den Erzrivalen Kolumbien begann das wohl schwerste Projekt des Superstars von Paris Saint Germain: Seine Rückkehr in die – allerdings Neymar’sche – Normalität nach einem katastrophalen Sommer.

          Der Albtraum begann mit Vergewaltigungsvorwürfen eines brasilianischen Models, das Neymar zuvor nach Paris hatte einfliegen lassen. Die Frau konnte allerdings keine Beweise vorlegen, die ihre Behauptungen belegten. Inzwischen ist der Fall bei den brasilianischen Behörden archiviert. Es dürften auch noch ein paar juristische Gefechte über den Umgang Neymars mit diesem Fall folgen, denn er veröffentlichte zur eigenen medialen Entlastung intime Fotos und Meldungen der Frau über die sozialen Netzwerke und verletzte damit ihre Persönlichkeitsrechte.

          Unmittelbar vor der Copa America im eigenen Land und wenige Tage nachdem die Vorwürfe der jungen Frau ans Licht gekommen waren, verletzte er sich bei einem Testspiel so schwer, dass er die Südamerikameisterschaft in Brasilien verpasste. Neymar erlebte von der Zuschauertribüne aus, wie seine Nationalmannschaftskollegen den ersten Titel bei einer WM oder Copa America seit 2007 einfahren konnten. Die bitterste Erkenntnis: Es ging auch ohne ihn. Ein Turniergewinn, der die Menschen im Land seit langer Zeit endlich mal wieder jubeln ließ. Dem aber der Glamour und das Spektakel fehlte.

          Es folgte eine schier unendliche Geschichte um seinen Wechsel aus Paris zu Real Madrid oder zum FC Barcelona. Neymar selbst war sich seiner Sache offenbar so sicher, dass er die Klubverantwortlichen in der französischen Hauptstadt wissen ließ, dass er nicht wieder an die Seine zurückzukehren gedenke. Überhaupt sei sein Wechsel nach Paris ein schwerer Fehler gewesen. Doch weil Transfers dieser Größenordnung inzwischen finanzielle Dimensionen erreicht haben, die ganze Fußballkonzerne ins Wanken bringen können, entwickelte sich die Angelegenheit nicht so, wie es der Brasilianer zu beeinflussen gedachte. Weil die Zweifel an Neymars physischer Belastbarkeit nach der neuerlichen Verletzung und aufgrund seines unsteten Lebenswandels nicht kleiner wurden, er selbst trotz seiner 27 Jahre immer noch wie ein Teenager agiert, muss Neymar nun im goldenen Käfig in Paris bleiben. Viele Fans wollen ihn nun mit dem gleichen Mittel bestrafen: Liebesentzug. Der Wechsel zum FC Barcelona, dessen Spieler angeblich sogar bereit gewesen wären, mit eigenem Geld Neymars Verpflichtung mitzufinanzieren, war trotzdem gescheitert. „Aus dem Deal wurde nichts, weil wir die Forderungen von PSG nicht erfüllen konnten“, sagte Vereinspräsident Bartomeu im klubeigenen TV-Sender und kündigte bereits das nächste Kapitel in dieser Telenovela an: Anfang des neuen Jahres werde man abermals über dieses Thema sprechen.

          Bevor es wieder nach Paris geht, durfte Neymar das Trikot anziehen, das er wirklich liebt. Und das die für Brasilianer heilige Nummer 10 trägt. Die Klub-Querelen spielten in Miami keine Rolle. Dort sollte und konnte Neymar beweisen was in ihm steckt. Treffer Nummer eins von Casemiro (19. Minute) bereite er mit einem Eckball vor, den Ausgleichstreffer zum 2:2 (59.) erzielte Neymar selbst. Zwischenzeitlich waren die Kolumbianer durch Luis Muriel 2:1 in Führung gegangen. Auch dabei hatte Neymar seine Füße im Spiel, als er Muriel elfmeterreif foulte. Die Partie in Miami offenbarte auch eine andere Eigenschaft Neymars, die Brasilien in den vergangenen Jahren viel Effizienz und Erfolg gekostet hat: Wie ein Magnet zieht Neymar Aufmerksamkeit und Spielgeschehen an sich. Ohne ihren Superstar hatte die Seleção bei der Copa America ausgewogener und auch schwerer ausrechenbar gewirkt. Diesmal waren wieder alle Augen auf Neymar gerichtet. Und der lieferte das gewünschte Spektakel, aber eben nicht das gewünschte Ergebnis. Genau davor fürchten sie sich in den nächsten Wochen auch in Paris. Spektakel gewinnt eben keine Titel.

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