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Fußballstar sorgt für Aufsehen : Neymars gefährliche Nähe zum Rechtspopulismus

  • -Aktualisiert am

Sorgt für Meinungsverschiedenheiten: Fußballprofi Neymar Bild: dpa

Viele seiner brasilianischen Landsleute fremdeln mit Neymar. Das hat längst nicht nur sportliche Gründe, sondern auch mit Präsident Jair Bolsonaro zu tun. Aktuell erhält er Unterstützung von einer erzkonservativen Abtreibungsgegnerin.

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          Zu den überraschenden Fakten im Leben des Neymar da Silva Santos Júnior, 28 Jahre, gehört, dass ihn seine Landsleute noch nie in einem entscheidenden Spiel für die Nationalmannschaft haben auflaufen sehen. Mal war es eine Verletzung, mal das überbordende Temperament, das eine Sperre auslöste. Dramen wie das 1:7 im WM-Halbfinale 2014 von Belo Horizonte oder der erste Siegeszug seit Jahren bei einer Südamerikameisterschaft im eigenen Land verfolgte Neymar stets aus der gleichen Perspektive wie seine rund 210 Millionen Landsleute: Aus der eines interessierten Zuschauers.

          So wie jetzt in der Ligue 1. Neymar hatte bei der Niederlage von Paris gegen Marseille seinem Gegenspieler Alvaro Gonzalez gegen den Hinterkopf geschlagen und dafür die Rote Karte gesehen. Später schrieb der Südamerikaner bei Twitter, dass ihn Gonzalez rassistisch beleidigt habe. Neymar erhielt zwei Spiele Sperre und eines auf Bewährung, an diesem Sonntag (13.00 Uhr) wird er PSG gegen Nizza fehlen.

          Abfällige Äußerungen

          Neymar wird in Brasilien inzwischen nicht mehr wie zu Beginn seiner Karriere als der kommende Pelé wahrgenommen, sondern als Entertainer, der zwar sehr gut Fußballspielen kann, bislang die Versprechen einer überragenden Karriere aber nicht vollständig erfüllen konnte. Brasiliens Spielmacher-Legende Zico sagte vor einigen Wochen in der „Gazzetta dello Sport“: „Er muss sich professioneller verhalten. So wie Messi und Ronaldo es tun, sie leben für den Fußball. Bei Ney gibt es zu viele Dinge, die ihn ablenken.“

          Das verlorene Champions-League-Finale gegen Bayern München passt ins mittlerweile gefestigte Bild eines Königs der Sozialen Netzwerke, der auf dem Rasen den Sprung in den höchsten Fußballadels zu oft verpasst. Statt eines internationalen Titels blieb Neymar als größten Erfolg des Sommers vorbehalten, den Wechsel seines Ausrüsters zu verkünden. Es ist nicht der einzige Grund, warum so viele Brasilianer mit Neymar fremdeln. Dem Superstar aus Paris wird eine Sympathie für Brasiliens rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro zugesagt. Mit ihm ließ sich Neymar 2019 am Rande der Copa America in den Vip-Räumen fotografieren.

          Es überrascht deshalb nicht, dass Neymar in dieser Woche eine Frau zur Seite sprang, die als der evangelikal-ideologische Motor der Bolsonaro-Regierung gilt: Damares Alves, erzkonservative Abtreibungsgegnerin, Pastorin und Ministerin für Frauen, Familie und Frauenrechte, zeigte sich wegen des Rassismusvorwurfs von Neymar gegen seinen Gegenspieler Alvaro Gonzales von Olympique Marseille besorgt.

          Es sei nicht das erste Mal, dass Neymar ein Opfer von Rassismus im Fußball werde, erklärte Alves. Als nationale Sekretärin der Politik für ethnische Gleichheit (SNPIR) verurteile sie vehement jede Art von Gewalt und Abweisung, besonders Diskriminierungen wegen der Hautfarbe. Eine Vielzahl der Fans von Neymar in Brasilien haben jedoch selbst eine dunkle Hautfarbe und sind ob der Nähe ihres Lieblings zur Bolsonaro-Regierung zumindest irritiert. Denn Bolsonaro hatte sich in der Vergangenheit immer wieder abfällig über Afro-Brasilianer geäußert, was er allerdings als Witze verstanden haben will.

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