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Neymar-Transfer : Der Wunsch des Emirs

Qatar stand einmal auf Barcelonas Trikots: Neymar bleibt dem Wüstenstaat treu Bild: AP

Der Wechsel Neymars von Barcelona nach Paris hat nicht nur sportliche und irrwitzige wirtschaftliche Seiten. Es geht auch um Politik.

          2 Min.

          Der Emir duldete keinen Widerspruch. „Ich will den großen Kuchen“, sagte Scheich Hamad Bin Chalifa Al Thani im September 2010, als ein Besucher von der Fifa versuchte, dem Herrscher von Qatar den Appetit auf die Weltmeisterschaft auszureden. Der Emir bekam den großen Kuchen. In fünf Jahren wird die Fußball-WM am Persischen Golf stattfinden. Den Angeboten, die das Haus Al Thani zu machen hatte, war nicht zu widerstehen.

          Sieben Jahre später heißt der Emir von Qatar Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Das Interesse am Fußball als Machtinstrument wird bei den Al Thanis in direkter Linie vererbt, als Teil der Staatsräson. Der Transfer von Neymar zu Paris Saint-Germain, alles in allem wohl rund eine halbe Milliarde Euro teuer, ist das größte Stück Kuchen des Fußball-Sommers.

          Den Appetit des Vaters hat Qatars Herrscher ebenfalls geerbt. Der Transfer von Neymar in die französische Hauptstadt – welch ein Signal aus Qatars Herrscherhaus mitten in der schwersten diplomatischen Krise seit der Unabhängigkeit im September 1971, unter ständigem Druck durch die Nachbarn Saudi-Arabien, Bahrein, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten.

          Der Scheich entscheidet: Tamim bin Hamad Al Thani
          Der Scheich entscheidet: Tamim bin Hamad Al Thani : Bild: AP

          Scheich Tamim war als 30 Jahre alter Kronprinz am 23. November 2010, Tage vor der Vergabe der Weltmeisterschaft, im Elysée-Palast zu Gast bei Nicolas Sarkozy. Außerdem anwesend: Michel Platini, mit dem der Qatarer schon abends zuvor in Genf gespeist hatte. Und Sébastien Bazin, ein Vertreter von Sarkozys hochverschuldetem Lieblingsklub: Paris Saint-Germain. Es ging um Platinis Stimme für Qatar bei der WM-Vergabe, nicht zuletzt weil sich Sarkozy von Qatar lukrative Geschäfte für französische Unternehmen versprach. Und es ging um die Zukunft von PSG.

          Qatars Verbindungen zu Barcelona sind beendet

          Der Kronprinz hatte einen Vorschlag: Qatar übernimmt den Klub und stellt einen Sportsender auf die Beine, der in Konkurrenz zu Canal Plus tritt. So berichtete das Magazin „France Football“ über die Übernahme des Klubs, vollzogen 2011, und über die Gründung von beIN Sports ein paar Monate später. Nasser al-Chelaifi, Vorstandsvorsitzender bei PSG, der beIN Mediengruppe und bei Qatar Sports Investment, der Beteiligungsgruppe, die PSG übernommen hat, war Tennispartner des jungen Emirs.

          Seit einigen Jahren ist er dessen Minister ohne Aufgabenbereich. Dass er Neymar aus Barcelona nach Paris lockt, nachdem von den Trikots der Katalanen der Schriftzug der Staatsairline Qatar Airways verschwunden ist – der Vertrag endete zum 30. Juni –, während der Verein weiterhin Geld von Banken aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie einer saudi-arabischen Fitnesskette bezieht, lässt seinen politischen Auftrag erkennen.

          Neymar da Silva Santos Júnior wird, Teil des sich abzeichnenden Geschäfts, Botschafter der WM 2022. Bliebe er bis zum Ablauf des ihm angebotenen Vertrages bei PSG, endete das Engagement in der französischen Hauptstadt im Weltmeisterschaftsjahr. Sein Auftrag bis dahin: der große Kuchen des Klubfußballs, der Gewinn der Champions League. Die jüngere Geschichte des Fußball-Geschäfts zeigt: Die Wünsche des Emirs von Qatar sind vom Trieb der Selbsterhaltung gesteuert. Und: Sie sind käuflich. Deshalb gehen sie für gewöhnlich in Erfüllung.

          Rekordtransfer : Wechsel von Neymar zu PSG perfekt

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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