https://www.faz.net/-gtl-9r75d

Erst Pfiffe, dann Traumtor : Neymar will bei PSG „neues Kapitel aufschlagen“

  • Aktualisiert am

Neymar und der Ball: Zwei Freunde. Neymar und das Publikum: Beziehungsstatus kompliziert. Bild: dpa

Neymar ist zurück auf dem Platz – und demonstriert gleich seine Bedeutung für Thomas Tuchels Paris St. Germain. Dennoch: Die Beziehung zu den Fans bleibt kompliziert.

          2 Min.

          Neymar steckte sichtlich im Gefühlschaos. Erst der Buhmann der eigenen Fans, dann der Matchwinner für Paris St. Germain. „Es ist traurig, aber ich weiß, dass ich von jetzt an nur noch Auswärtsspiele habe“, jammerte der brasilianische Fußballstar nach seinem Comeback zwischen Traum und Albtraum im Prinzenpark.

          Es ratterte kräftig im Kopf, denn Neymar ist völlig klar, dass der Weg zurück in die Herzen der Treuen auf den Rängen trotz seines spätes Fallrückzieher-Traumtores beim 1:0 (0:0) gegen Racing Straßburg ein weiter bleibt. Das Sommertheater um den 27-jährigen hat tiefe Risse hinterlassen. Erst gab es Schlagzeilen um Vergewaltigungsvorwürfe, dann forcierte Neymar seine Rückkehr zum FC Barcelona.

          Es wurde nichts, sehr zur Enttäuschung des Hochbegabten, das betonte Neymar am Samstagabend ausdrücklich. „Jeder weiß, dass ich weg wollte“, sagte er, „ich hatte meine Gründe, leider haben sie mich nicht gehen lassen. Das ist das erste und letzte Mal, dass ich darüber reden möchte.“ Neymar will einen Schlussstrich ziehen. Es sei „Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, sagte der Südamerikaner nach seinem gelungenen Comeback.

          Ganz so einfach wird das nicht, die Fans sind mächtig sauer und ließen es den Großverdiener spüren. Es gab Pfiffe, Buhrufe und deftige Plakate. „Neymar Senior, verkauf deinen Sohn nach Vila Mimosa“, war etwa zu lesen. Die Botschaft bezog sich auf den berühmten Rotlichtbezirk in Rio de Janeiro. Auf einem anderen Banner nannten die PSG-Fans den Profi „Calimero“ und meinten damit das glücklose schwarze Küken aus einer italienischen Zeichentrickserie. Der Kleine trägt eine Eierschale auf dem Kopf.

          Es ist eine schwierige Situation für den Profi – und für die Fans. Denn der Olympiasieger zeigte gegen Straßburg, warum Paris vor zwei Jahren die Weltrekordsumme von 222 Millionen Euro für ihn hingeblättert hatte. Nach einer Hereingabe des ehemaligen Dortmunders Abdou Diallo sorgte der Offensivkünstler mit einem sehenswerten Fallrückzieher auf Höhe des Elfmeterpunktes für den Sieg (90. Minute +2).

          Paris behauptete am fünften Spieltag der Ligue 1 durch den Sieg die Tabellenführung. Neymar wünscht sich, dass schnell Ruhe einkehrt. „Ich habe deutlich gemacht, dass ich nichts gegen die Fans habe, nichts gegen Paris St. Germain als Verein“, sagte der Rückkehrer. „Heute bin ich ein PSG-Spieler.“ Dass er nebenbei Öl ins Feuer goss, war da eher kontraproduktiv. „Diejenigen, die dich auspfeifen, sind dieselben, die deine Tore bejubeln“, sagte Neymar nach seinem ersten Einsatz seit Mai. „Die Fans sollten uns 90 Minuten anfeuern.“

          Thomas Tuchel hatte Verständnis für alle Seiten. „Es war nicht einfach für ihn, denn er ist ein sehr sensibler Junge“, sagte der Trainer. „Aber es war in der Transferperiode auch nicht einfach für die Fans, deshalb müssen wir ihre Reaktionen akzeptieren.“ Neymar brauche jetzt „einige Partien, um wieder in seinen Rhythmus zu kommen“. In der Champions League wird daraus zunächst nichts. Wenn PSG am Dienstag (21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und beim Streamingdienst DAZN) zum Auftakt der Gruppenphase den spanischen Rekordmeister Real Madrid empfängt, ist Neymar wegen einer Sperre nicht dabei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein bisschen im Zimmer sitzen, ein bisschen Gitarre spielen, sich dabei filmen. Das kann für eine Karriere reichen – der Weg ist aber steiniger als man denkt.

          Traumberuf Youtuber : Irgendwas mit Internet

          270.000 Menschen folgen dem Kanal von Youtuber Yosuto. Mit jedem Klick verdient er Geld, eine Faustregel sagt: 10 Dollar für 1000 Aufrufe. Viele denken: Traumkarriere, sowas kann ich auch. Ein Irrtum!

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.