https://www.faz.net/-gtl-79sxh

Neymar : Der Social-Network-Kicker

  • -Aktualisiert am

Gestatten, Neymar: Nach der Generation Ronaldo und Ronaldinho sehnt sich Brasilien nach einem neuen Ausnahmekicker Bild: AFP

Superstar, Werbekönig, Hoffnungsträger: In Brasilien gilt Neymar als der neue Wunderstürmer. Doch beim FC Barcelona muss der 21-Jährige beweisen, ob er ebenso viel sportliches Potential besitzt, wie die Marketing-Strategen in ihm erkennen.

          4 Min.

          Es sind die Momente, die die Kids lieben: Ein Haken, zwei Haken, und dann tunnelt er auch noch seinen Gegenspieler. Neymar Junior zelebriert diese Momente auf dem grünen Rasen, es reicht ihm nicht, die gegnerischen Abwehrspieler nur auszuspielen, er will sie offenbar auch demütigen. Zehn, zwanzig Sekunden dauern diese Einlagen. Eine ideale Länge, weil sie anschließend als kleine Clips in den sozialen Netzwerken und bei Video-Abspielplattformen im Internet die Runde machen. Seine Tricks haben im Netz Kultstatus, Hunderttausende Fans klicken die Clips an, mailen sich die Sequenzen auf ihre Smartphones.

          Nun soll der 21 Jahre alte Wunderstürmer aus der brasilianischen Hafenstadt Santos seine Fußball-Kunststücke auch beim großen FC Barcelona zeigen. „Er bringt alles mit, was ein ganz großer Fußballer haben muss. Er ist ein Ausnahmetalent“, sagt die brasilianische Fußball-Legende Pelé, der wie Neymar einst beim FC Santos groß wurde. Aber er warnt auch vor übertriebenen Erwartungen: „Ich hoffe, sie bürden ihm nicht zu viel auf.“

          Gleich siebenmal prangte Neymar am vergangenen Wochenende an den Kiosken von verschiedenen Titelseiten brasilianischer Magazine. Es sind Mode-, People- oder Teenager-Illustrierte, die die Popularität des jungen Mannes nutzen. Öfter war in diesen Tagen auf den Titelseiten nur das Bild von Bruna Marquezine zu sehen, einer jungen Schauspielerin aus der Telenovela-Riege des TV-Giganten Globo. Sie ist Neymars Freundin und kokettierte bei dessen Vorstellung in Barcelona mit den Kameras der Fotografen.

          Santos’ Klubpräsident Luis Alvaro de Oliveira Ribeiro hatte seinen wertvollsten Spieler im Kader in den vergangenen Monaten angeboten wie in einem Gourmet-Restaurant: „Neymar ist wie ein hervorragender Champagner, prickelnd, explosiv und unverwechselbar.“ In all der Begeisterung gab es nur wenige Stimmen, die angesichts des Kults um den Jungstar Zurückhaltung anmahnten. Nationaltrainer Luis Felipe Scolari wird der Rummel zu viel: „Ich denke, dass er schon eingesehen hat, dass er mehr abgeschirmt werden muss.“

          Mit 21 Jahren ist Neymar schon viel mehr als nur ein Fußballspieler

          Neymar füllt in Brasilien eine Lücke, die eigentlich gar nicht auszufüllen ist. Nach der Generation Ronaldo und Ronaldinho sehnt der südamerikanische Fußball-Gigant einen Ausnahmekicker herbei, der den Argentinier Lionel Messi endlich vom Thron des Weltfußballers stürzen und die Seleção wieder zu alter Stärke führen kann.

          Kaká war der letzte Brasilianer, dem 2007 dieses Kunststück gelang. Die drei waren die Letzten, die in Europa zu Superstars reiften. Als Fifa-Präsident Joseph Blatter im November in São Paulo die Nominierungen für die Wahl des Weltfußballers 2013 bekanntgab, musste er sich wütende Fragen der brasilianischen Medienvertreter gefallen lassen, warum Neymar in der Auflistung fehle. Blatter konterte cool: Die europäische Champions League sei nun einmal das Maß aller Dinge.

          Südamerikas Fußballer des Jahres

          Mit seinen jetzt 21 Jahren hat Neymar in Brasilien bereits fast alles gewonnen, was ein Profi in seinem Alter erreichen kann. Den FC Santos führte er nach Jahrzehnten erstmals wieder zum Gewinn der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Gegenstück zur europäischen Champions League. Natürlich wurde Neymar zu Südamerikas Fußballer des Jahres gewählt. Er wurde brasilianischer Pokalsieger und gewann mit Santos dreimal nacheinander die Staatsmeisterschaft von São Paulo.

          Nun soll er Brasilien zum Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft schießen. Seit dem letzten Triumph Brasiliens 2002 schaffte es der fünfmalige Weltmeister nicht mehr in ein Halbfinale. Die WM 2014 soll zur Krönungsmesse Neymars werden. So erträumen es sich die Brasilianer. Mit einiger Spannung schaut das Land erst einmal auf den Confed Cup, der an diesem Samstag (21.00 Uhr) mit dem Spiel gegen Japan beginnt beginnt und die Generalprobe zur WM ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bildungsministerin Karliczek : Die Unterfliegerin

          Bildungsministerin Anja Karliczek gilt als ungeschickt, die Länder wollen sie in der Debatte um Bildungszusammenarbeit sogar ausbooten. Sie macht trotzdem weiter. Ein Porträt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.