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Übernahme von Newcastle United : Die Saudis haben keine Lust mehr

Kein Verkauf von Newcastle United: Die Investoren aus Saudi Arabien wollen nicht mehr. Bild: AP

300 Millionen Pfund war der Traditionsklub Newcastle United den kauffreudigen Investoren aus Saudi-Arabien wert. Doch gegen die geplante Übernahme regte sich erheblicher Widerstand – mit Erfolg.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Am Ende hatten die Investoren wohl keine Lust mehr. Im April war bekanntgeworden, dass ein Konsortium um Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF vor der Übernahme des Premier-League-Klubs Newcastle United stand. Es ging um 300 Millionen Pfund, nur die Zustimmung der Liga fehlte noch, die bei solchen Akquisitionen Hintergrund-Checks der künftigen Eigentümer vornimmt. Reine Routine, hieß es zu der Zeit, das Geschäft werde bald abgeschlossen. In der vergangenen Woche haben sich die Investoren nach monatelanger Wartezeit zurückgezogen.

          Offenbar dauerte ihnen das Prozedere zu lange. Die Unternehmerin Amanda Staveley – das Gesicht des Konsortiums in den britischen Medien – sagte: „Es ist furchtbar.“ Die Schuld gab sie der Premier League und rivalisierenden Klubs wie Liverpool und Tottenham, die Stimmung gegen die Übernahme gemacht hätten. Das Scheitern sei ein Verlust für Verein, Region und Fans.

          Staveleys Firma PCP Capital Partners sowie die Immobilien-Investoren Reuben Brothers hätten bei einem Gelingen jeweils zehn Prozent an Newcastle gehalten; 80 Prozent wären an den Staatsfonds gegangen, hinter dem Kronprinz Muhammad bin Salman steht. Wegen dessen Rolle hatten Aktivisten von Amnesty International und Human Rights Watch vor dem aus ihrer Sicht schmutzigen Geschäft gewarnt. Saudi-Arabien verfolge die Strategie, durch die Finanzierung und Austragung von Sportereignissen von der miserablen Menschenrechtslage im Land abzulenken – Stichwort: „Sportswashing“. Der Fall löste in England eine öffentliche Diskussion darüber aus, ob es ethisch vertretbar ist, mit der Aussicht auf sportlichen Erfolg das Geld eines solchen Regimes anzunehmen. Diese Form der Aufmerksamkeit kann bin Salman nicht gefallen haben.

          Widerstand gegen die Übernahme

          Prominente Gegnerin der Übernahme war Hatice Cengiz, die Verlobte des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi, der 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde. Westliche Geheimdienste beschuldigen bin Salman, das Verbrechen in Auftrag gegeben zu haben. Der Kronprinz streitet das ab. „Lasst diese Niederlage eine starke Botschaft für Saudi-Arabiens Führung sein, dass sie ihr Geld nicht benutzen kann, um ihre Menschenrechtsverstöße zu verdecken oder diejenigen zu schützen, die für den Mord an Jamal verantwortlich sind“, schrieb Cengiz nun.

          Womöglich ist die Investorengruppe aber freiwillig von ihrem Angebot zurückgetreten, um das Risiko zu vermeiden, dass sie von der Premier League an der Übernahme gehindert wird. Dabei ist nicht einmal klar, zu welchem Ergebnis die Hintergrund-Checks der Liga geführt hätten. Laut BBC zogen sich die Prüfungen unter anderem deshalb so lange hin, weil nicht deutlich geworden ist, wer nach der Übernahme in den Klubvorstand gerückt wäre und wie eng die Verbindungen zwischen dem Konsortium und der Regierung Saudi-Arabiens sind.

          Piratensender „BeoutQ“

          Die Vermutung hält sich, dass es gar nicht in erster Linie um die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien ging, sondern um die illegale Übertragung von Premier-League-Fußball in dem Land durch den Piratensender „BeoutQ“. Die Übertragungsrechte für die Region hält das qatarische Unternehmen „BeIN Sports“. Laut einem Bericht der Welthandelsorganisation WTO wird „BeoutQ“ von „Einzelpersonen oder Gesellschaften betrieben, die der strafrechtlichen Jurisdiktion Saudi-Arabiens unterliegen“. Mit anderen Worten: Die Regierung ist ihrer Pflicht, geistiges Eigentum zu schützen, nicht hinreichend nachgekommen. Saudi-Arabien hat sich 2017 zusammen mit anderen Golfstaaten gegen Qatar verbündet.

          Die meisten Fans von Newcastle sind enttäuscht. Sie unterstützen nicht unbedingt das Konsortium, sondern protestieren gegen Mike Ashley, der seit 13 Jahren Eigentümer des Klubs ist. Bei den Anhängern ist er verhasst. Sie werfen dem Sportartikel-Milliardär vor, dem Verein zu schaden, indem er – wenn überhaupt – nur das Nötigste investiere, und den Klub vor allem als Werbefläche für seine Kaufhauskette benutze.

          Sie fühlen sich von der Liga hingehalten und ungerecht behandelt. Sie verweisen auf die Eigentümer anderer Fußballvereine wie Manchester City und Paris Saint-Germain, die seit Jahren aus Abu Dhabi beziehungsweise Qatar finanziert werden. Auch der Besitzer des Konkurrenten Sheffield United ist Mitglied der Königsfamilie von Saudi-Arabien. Ashley soll die Hoffnung nicht aufgegeben haben, dass der Verkauf an das Konsortium doch noch zustande kommt. „Sag niemals nie“, orakelte Lee Charnley, Geschäftsführer des Klubs.

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