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Neues DFB-Zentrum : „Fort Knox“ in Frankfurt

„Kein Supermarkt“: Die künftige Nutzung der DFB-Zentrale ist noch offen Bild: dpa

Der DFB baut sich für 89 Millionen Euro eine neue Zentrale. Die Kritik reißt nicht ab. Was wird eigentlich aus dem bisherigen Sitz des Verbandes? Nun gibt es nach F.A.Z.-Informationen erste Ideen.

          Etwas mehr als drei Jahre sind es noch bis zur Fertigstellung der neuen Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) - so zumindest ist der Plan. Auf dem derzeitigen Gelände der Niederräder Galopprennbahn soll dann eine neue Akademie mit einem modernen Trainingszentrum entstehen. Doch schon jetzt forcieren die Verantwortlichen des DFB den Wegzug vom bisherigen Standort an der Otto-Fleck-Schneise im Stadtwald. Dabei geht es vor allem um die Frage, was mit der rund 7000 Quadratmeter großen bisherigen Verbandszentrale passieren wird.

          Michael Wittershagen
          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock bestätigte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „erste Gespräche“ mit möglichen Interessenten. Dazu gehöre unter anderem der Fußball-Bundesligaklub Eintracht Frankfurt, dessen Geschäftsstelle derzeit im benachbarten Stadion untergebracht ist. „In die Zentrale wird sicher kein Supermarkt kommen. Wir haben als Eigentümer verschiedene Optionen in Bezug auf die zukünftige Nutzung. In Betracht könnte ein Verkauf kommen, aber auch eine Weitervermietung oder Eigennutzung“, sagte Sandrock weiter.

          Eine Eigennutzung der bisherigen Zentrale könnte vor allem dann wieder interessant werden, wenn der DFB definitiv die Europameisterschaft im Jahr 2024 ausrichten würde, für die er sich gerade bewirbt. Dafür müsste wie bei der WM 2006 ein Organisationskomitee mit vielen neuen Arbeitsplätzen gebildet werden, die dann an der Otto-Fleck-Schneise eingerichtet werden könnten. Der DFB hat für die Immobilie ein Exposé erstellt, um Nachfolgenutzung und Akquise voranzutreiben.

          Denn auch andere Sportorganisationen könnten in einigen Jahren als Mieter oder Käufer in Frage kommen, schließlich sind schon jetzt verschiedene Verbände an der Otto-Fleck-Schneise untergebracht. Dazu zählen der Deutsche Olympische Sportbund, die Stiftung Deutsche Sporthilfe, Landessportbund Hessen, Deutsche Volleyball-Verband oder Deutsche Motorsport Verband. Auch das Sportmedizinische Institut und der Olympiastützpunkt Hessen sind dort zu Hause.

          „Uns wurde nichts geschenkt“

          Zusammen mit den Tochtergesellschaften arbeiten derzeit unter dem Dach des DFB etwa 300 Angestellte - Tendenz steigend. Anfang 2016 sollen die Bauarbeiten der neuen Zentrale beginnen, das Großprojekt mit einem Volumen von 89 Millionen Euro steht also noch in der Startphase.

          Kritik und Vorwürfe an den DFB und die Stadt Frankfurt aber gibt es weiter. Einer lautet, dass die Stadt das Areal auf der Rennbahn unter Wert an den DFB vergeben habe. Sandrock wehrt sich dagegen und sagt: „Es waren immer faire Verhandlungen mit der Stadt, aber uns wurde nichts geschenkt.“ Über einen Zeitraum von 99 Jahren läuft der Erbbauvertrag mit der Stadt für das fünfzehn Hektar große Gelände in Frankfurt, dafür zahlt der DFB 6,835 Millionen Euro.

          Möglicherweise wird die Zentrale für die Organisation der EM 2024 nochmal wichtig

          Die Bürgerinitiative „Pro Rennbahn“ aber will die Ansiedlung des Leistungszentrums weiterhin verhindern und strebt deshalb einen Bürgerentscheid an. Rund 13.000 Unterschriften hat das Bündnis dafür bisher gesammelt, bis zum kommenden Freitag wird die Aktion weitergehen. „Wir kämpfen weiter, wir geben so schnell nicht auf“, sagt Rebekka Unrath, der Kopf der Bürgerinitiative „Pro Rennbahn“.

          Sie kritisiert unter anderem, dass der DFB siebzehn weiteren Standortoptionen gehabt, sich aber letztlich für das Rennbahn-Areal entschieden habe. Mit allen Konsequenzen: Die Stallungen würden abgerissen, ebenso wie die knapp einhundert Gast-Boxen. Rund 900.000 Euro soll allein der Abriss der Haupttribüne kosten, und anders als für die anderen Gebäude kommt hierfür nach Informationen dieser Zeitung nicht der DFB, sondern die Stadt Frankfurt auf. Immerhin bleibt das Eingangstor, es steht unter Denkmalschutz.

          „Wer nicht rein darf, der kommt auch nicht rein“

          Nach derzeitigem Stand wird es noch fünf Renntage auf der Galopprennbahn in Niederrad geben: Saisonauftakt ist der 3. Mai des kommenden Jahres, weitere Rennen sind am 4. Juni, 2. August und 10. Oktober angesetzt. Das Saisonende, also das Ende des Pferderennsports in Frankfurt, ist für den 15. November 2015 terminiert. „Hier wird kaum noch etwas so sein, wie es einmal war“, sagt Pferdetrainer Wilfried Kujath. Seit 1989 ist die Galopprennbahn seine Heimat, nun muss er sich allmählich eine neue suchen. Iffezheim? Köln? Düsseldorf? „Das muss ich sehen“, sagt Kujath. Der Mann ist 61 Jahre alt.

          Am vergangenen Samstag hatte der Rennklub zu einer Nikolausfeier auf das Gelände eingeladen, die Kinder konnten auf Ponys reiten, sich schminken lassen, Süßes essen. „Unser Gelände war immer offen für jeden, es gab keine Mauern“, sagt Kujath. „Aber es soll doch keiner glauben, dass das so bleibt. Wenn der DFB erst hier ist, dann ist das wie Fort Knox: Wer nicht rein darf, der kommt auch nicht rein.“

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