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Merk neuer Aufsichtsrat : Der Hoffnungsträger des 1. FC Kaiserslautern

  • -Aktualisiert am

Der frühere Fifa-Schiedsrichter Markus Merk sitzt künftig im Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern. Bild: Picture-Alliance

Mit Markus Merk wählt der 1. FC Kaiserslautern ein bekanntes Gesicht in den Aufsichtsrat. Doch auch die Wahl des früheren „Weltschiedsrichters“ kann nicht über die finanziellen Nöte der „Roten Teufel“ hinwegtäuschen.

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          „Diese vier Stufen nach oben und das Bild von Fritz Walter im Hintergrund spiegeln das wider, was ich im Moment fühle: seine Werte, Demut.“ Schon die ersten Worte, mit denen Markus Merk auf die Bühne kam, sorgten für frenetischen Jubel in der Versammlungshalle. Am Sonntag erhielt der ehemalige „Weltschiedsrichter“ bei der Wahl zum Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern die meisten Stimmen.

          Merks jovialer Auftritt konnte aber nicht über den bedrohlichen Finanzzustand des Fußball-Drittligavereins hinwegtäuschen. Zudem glitt die Jahresversammlung bisweilen in Polemik ab. Nachdem ehemalige Funktionäre an der Klubführung harsche Kritik geübt hatten, verweigerten die Mitglieder der Geschäftsführung, dem Vorstand und einigen Aufsichtsräten die Entlastung. Die Wahlergebnisse dürften nun vermutlich wichtige Partner des Vereins verunsichern; zudem steht eine neue Diskussion mit der Stadt um die Stadionpacht bevor.

          Ein Streitpunkt beim 1. FC Kaiserslautern ist der mögliche Einstieg des Luxemburger Unternehmers Flavio Becca als Hauptinvestor. Die Kritik zielt unter anderem darauf ab, dass die Mittel, die Becca zur Lizenzsicherung zusagte, dem Verein nicht als Eigenkapital, sondern als Darlehen bereitstehen. Beccas selbst blieb bei der Versammlung fern. „Es geht ums nackte Überleben“, hielt der zum Jahresende scheidende Geschäftsführer Michael Klatt den Kritikern entgegen. Im vergangenen Geschäftsjahr habe man einen operativen Verlust von 5,5 Millionen Euro geschrieben. „Finanziell ist die dritte Liga für den FCK ein Millionengrab“, sagte Klatt. Dabei scheint die Managementleistung der Klubführung zum Erhalt der diesjährigen Ligalizenz, für den es eine Finanzlücke von rund zwölf Millionen Euro zu schließen galt, vielen Mitgliedern nicht bewusst zu sein.

          „Advent, Advent, der Betze brennt“

          Als Hoffnungsträger gilt nun Merk. Die Situation des Vereins sei prekär, doch er fühle sich dazu verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen, sagte der 57 Jahre alte Merk. Das Stadion sei sein „Kinder- und Jugendzimmer“, sagte Merk pathetisch: „Mein Elternhaus steht 300 Schritte hinter der Westtribüne.“ Den jubelnden Mitgliedern versprach er „Ehrlichkeit“ und zeitnah eine neue Geschäftsführung zu installieren. Für einen bizarren Höhepunkt der Versammlung sorgte der Schweizer Juraprofessor Jörg Wilhelm, der mit Merk in den Aufsichtsrat einzieht. Seine Rede begann er mit einem selbstgereimten Gedicht („Advent, Advent, der Betze brennt“). Daraufhin keilte Wilhelm gegen „investorengesteuerte Aufsichtsräte“ und versicherte, unter seiner Kontrolle „kein Amigo-Business“ dulden zu wollen. Wilhelm warnte vor Investoren, die ein „Unternehmen zerschlagen“, um sich seine „Filetstücke einzuverleiben“.

          Während Mitglieder zustimmend johlten, warfen sich anwesende Investoren irritierte Blicke zu. Nicht nur dem Verhältnis des Klubs zu seinen Gönnern drohen neue Risse. Auch mit der Stadt Kaiserslautern stehen schwierige Verhandlungen bevor. Aktuell beantragt der Klub im Hinblick auf die Lizenz für die kommende Saison bei der Stadt abermals eine Reduzierung der Stadionpacht sowie eine Übernahme von Unterhaltskosten. Am Montag mahnte der Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Steuerzahlerbundes, Rene Quante, gegenüber der F.A.Z., dass dies den Steuerzahler fünf bis sieben Millionen Euro pro Jahr kosten könnte: „Entweder sollte die Stadt die volle Pacht bekommen oder bei einer Reduzierung zumindest wertgleiche Anteile an der Profi-Gesellschaft“, fordert Quante. Die Stadionfrage war den neuen Aufsichtsräten um Merk am Sonntag nicht der Rede wert.

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