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Aufregung beim FC Barcelona : „Messis Verhalten war jämmerlich“

  • -Aktualisiert am

Es läuft alles andere als rund für Lionel Messi und den FC Barcelona. Bild: EPA

Als wäre die sportliche Krise nicht genug. Beim FC Barcelona gibt es mal wieder mächtig Stunk. Im Mittelpunkt stehen diesmal Lionel Messi, ein nachtretender Berater und Steuerfahnder. Und das ist noch nicht alles.

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          Die Zeiten, in denen Spaniens Medien Marc-André ter Stegen als „Bruder Leichtfuß“ betiteln konnten, sind lange vorbei. „Ter Stegen dribbelt mehr als Ronaldo in der Liga“, schrieb Barcelonas „Sport“ kurz nach Beginn der Saison 2016/17. Längst ist der 28-Jährige die unumstrittene Nummer eins im Tor des FC Barcelona, ohne seine Paraden hätte Atlético Madrid am Samstag in der ersten Halbzeit früh geführt. Doch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte eilte ter Stegen aus dem Strafraum, um einen langen Ball auf Yannick Carrasco abzufangen. Bei solchen Aktionen riskiert ein Torwart alles, diesmal kam ter Stegen einen halben Schritt zu spät. Carrasco schoss ins verwaiste Tor zum 1:0 ein.

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          Nun gilt der Deutsche als einer der Verantwortlichen für Barças Niederlage, doch damit wird einmal mehr die Leistung Atléticos in den Schatten gestellt. Da steht an erster Stelle der Torschütze Yannick Carrasco. Mit dem Außenfuß schob er den Ball dem deutschen Torhüter durch die Beine, umkurvte ihn elegant mit einem Schritt zur Seite und ließ sich beim Schuss aus 30 Metern auch von den herbeigeeilten Abwehrspielern nicht nervös machen.

          Trainer Diego Simeone hatte den in Belgien geborenen Sohn spanischer Einwanderer, der sonst auf der Linksaußenposition spielt, als offensiven Außenverteidiger aufgestellt. Dabei lieferte er sich spannende Zweikämpfe mit Ousmane Dembélé, einem der wenigen Aktivposten beim FC Barcelona. Doch ebenso oft, wie Carrasco am eigenen Strafraum verteidigte, lief ihm Dembélé bei den Offensivaktionen auch hinterher. Man könnte von einem unentschiedenen Ausgang im Duell sprechen, hätte Carrasco nicht seinen sehenswerten Treffer erzielt.

          Man fragt sich aber auch, wie Atlético im Januar 2019 ein solches Talent an den chinesischen Profiklub DL Yifang abschieben konnte. Der damals erst 24-jährige Carrasco und Simeone passten nicht zusammen, hieß es damals, der Belgier wirkte wie ein Fremdkörper im taktikgeprägten Kollektivspiel, das sich Atléticos Trainer wünscht. Auch bei seiner Rückkehr nach zwei Jahren zu Atlético schien er eher eine Notlösung zu sein. Simeone wollte im Februar Edinson Cavani verpflichten, der damals noch in Paris spielte. Doch am Ende kam Carrasco aus China zurück.

          Dass Atlético am Samstag gegen den FC Barcelona so glänzen konnte, lag aber nicht nur an Carrascos Beitrag. Das Spiel mit fünf Verteidigern, drei Innenverteidigern plus den beiden Außen, ermöglichte Atlético, die Bälle bei Verlust schnell wieder zu erobern, aber auch sicher mit fünf Abwehrspielern auf einer Linie zu verteidigen. Und im Mittelfeld dirigierte Koke Resurrección effektiver als Lionel Messi bei Barça. Der 28-Jährige erkämpfte mehr Bälle, hatte mehr Ballkontakte, spielte mehr Pässe und war dabei genauer als der Argentinier auf der anderen Seite. Schon beim 6:0 der Spanier gegen Deutschland war Koke einer der Ballsichersten im Mittelfeld. So fiel in der zweiten Hälfte zwar kein Tor mehr, doch Atlético kontrollierte mit passgenauem Spiel und entschlossenem Kampf das Mittelfeld wie seit Jahren nicht gegen Barcelona.

          Dass es für Barcelona schwer werden würde, hatte sich schon vor dem Spiel abgezeichnet. Die Länderspielpause war eine günstige Gelegenheit für neue Polemiken um Messi: Eric Olhats, Griezmanns ehemaliger Berater, hatte von einem „Terrorregime Messis“ bei Barça gesprochen. „Antoine ist zu einem Klub gekommen, in dem Messi alles kontrolliert. Er ist ein Kaiser und empfing Antoine nicht wohlwollend. Sein Verhalten war jämmerlich“, sagte Olhats und versuchte damit zu erklären, warum sich sein ehemaliger Klient in der französischen Nationalmannschaft offenbar wohler fühlt als in Barcelona.

          Messi kam entsprechend sauer aus Peru zurück, wo er mit Argentinien in der WM-Qualifikation 2:0 gewonnen hatte. „Ich bin es leid, immer für alles Schlechte verantwortlich zu sein, was dem Verein widerfährt“, sagte er am Freitag nach seiner Ankunft am Flughafen und ließ noch eine weitere Beschwerde folgen. „Zu alledem warten hier nach 15 Stunden Flug auch noch Steuerfahnder auf mich. Das ist verrückt“, sagte Messi.

          „Barça ist in Madrid über den Rasen gelaufen wie eine Seele im Fegefeuer“, schrieb die Zeitung „La Vanguardia“ aus Barcelona treffend über das Spiel der Katalanen, „ohne Selbstvertrauen, mit Messi und Griezmann in der Depression.“ Es deutet nichts darauf hin, dass es besser werden könnte. Die alten Leistungsträger sind verletzungsanfällig geworden. Sergio Busquets fehlte schon vor dem Spiel, am Samstag verletzten sich zudem noch Gerard Piqué und Sergi Roberto. Trainer Ronald Koeman fehlen Alternativen sowohl im Sturm wie in der Verteidigung. Sein Team liegt mit neun Punkten Rückstand auf die Tabellenführung abgeschlagen auf dem elften Tabellenplatz. An der Spitze stehen hingegen punktgleich San Sebastián und Atlético Madrid und träumen womöglich von der Meisterschaft.

          An diesem Montag nun wurde bekannt, dass Messi nicht mit zum Champions-League-Spiel bei Dynamo Kiew an diesem Dienstag reisen darf. Der niederländische Barça-Trainer Koeman versicherte zwar, der argentinische Fußballprofi benötige wie Frenkie de Jong angesichts der vielen Spiele eine
          Ruhepause. Aber „As“ schrieb von einem „Urknall“. Die Sportzeitung spekulierte, es könne andere Gründe als nur die Schonung des wichtigsten Spielers geben.

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