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Kritik am Fifa-Präsidenten : Infantino bastelt an der eigenen Legende

Kann sich nicht vom Druck befreien: Fifa-Präsident Gianni Infantino. Bild: dpa

Das Misstrauen gegen den Fifa-Präsidenten wächst. Nun reagiert Gianni Infantino wortgewaltig auf die Kritik – und verstrickt sich in immer neue Widersprüche.

          Der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Gianni Infantino, hat wortgewaltig auf Kritik an seiner Führung reagiert, aber die unterschiedlichen Vorwürfe gegen ihn nicht entkräften können. Er sprach in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Le Matin Dimanche“ von einer „Hexenjagd“ und „geplanten Vernichtung“ seiner Person. Zugleich ging er auf die von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorgebrachten Vorgänge bei den Council-Sitzungen vor dem Fifa-Kongress Mitte Mai in Mexiko-Stadt ein, ohne jedoch hierbei für Aufklärung zu sorgen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die dort von ihm hinter verschlossenen Türen gesagten Sätze dementierte Infantino nicht, nannte sie aber aus dem Zusammenhang gerissen. „Die Fakten haben belegt und werden weiter belegen, dass all diese Theorien an den Haaren herbeigezogen sind. Vielleicht wollen mich gewisse Kreise entmutigen.“ Wie diese „Fakten“ lauten, darauf ging er allerdings nicht ein. Seine Erklärungen hierzu blieben vage und inhaltlich unfundiert.

          So wächst das Misstrauen gegen den Fifa-Präsidenten weiter. Private Tonaufzeichnungen und Dokumente, die der F.A.Z. vorliegen, belegen, dass in Mexiko-Stadt auf Betreiben Infantinos eine Intrige zur Absetzung des Fifa-Chefkontrolleurs Domenico Scala diskutiert worden war. Außerdem hatte sich der Präsident damals zu seiner Bezahlung geäußert: Er wolle das von der Fifa-Vergütungskommission festgesetzte Gehalt nicht akzeptieren – angeblich zwei Millionen Franken im Jahr. Der vorgesehene Betrag sei für ihn „beleidigend“, hatte Infantino Mitte Mai den Council-Kollegen in Mexiko hinter verschlossenen Türen gesagt.

          Auch hierzu lieferte er am Sonntag zu seiner Verteidigung keine substantiellen Erkenntnisse. Er sorgte nur wieder für Verwirrung. Infantino führte an, dass man bald sehen werde, dass sein Gehalt unter zwei Millionen Franken liegen werde, der Vertrag sei derzeit „Verhandlungssache“. So widersprach Infantino nicht nur den Aussagen von Mexiko-Stadt, sondern auch der eigenen Reformagenda. Seine Vergütung sollte nämlich gerade nicht mehr Bestandteil von Verhandlungen sein. Die Vergütungskommission hatte schon vor Monaten knapp zwei Millionen Franken als Jahresgehalt festgesetzt. In Mexiko dann machte der neue Fifa-Präsident deutlich, was er davon hält.

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          Derweil gab sich der Fifa-Chef emotional und in der Rolle eines Underdogs, dessen Aufstieg in die Position des Weltfußballpräsidenten angeblich von äußeren Kräften verhindert werden solle: „Meine Gegner wollen mich als geldgierig darstellen, das ist absurd. (...) Ich bin nicht mit dem Silberlöffel im Mund geboren, und ich vermute, dass es letztlich auch darum geht. Oft sind wohlhabende Menschen neidisch, wenn jemand gesellschaftlich aufsteigt, der nicht zu ihnen gehört.“

          In Wirklichkeit gehört Infantino seit vielen Jahren zu den Topverdienern im Fußball, war zuletzt unter dem für vier Jahre gesperrten europäischen Fußballpräsidenten Michel Platini Generalsekretär der Uefa. Infantino glaubt, im zurückgetretenen Vorsitzenden der Audit- und Compliance-Kommission, Domenico Scala, seinen Hauptfeind ausfindig gemacht zu haben. Der Fifa-Präsident nannte den Schweizer Wirtschaftsmanager „allmächtig“. Scala glaube, „dass sich eine Weltfußballorganisation nach denselben Prinzipien führen lässt wie ein pharmazeutisches Unternehmen oder ein Pestizidhersteller“. Dies sei eine „kapitale Fehleinschätzung“, sagte Infantino. Was der Fifa-Chef allerdings damit meinte, erschloss sich nicht aus seinen Ausführungen.

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