https://www.faz.net/-gtl-8hvnl

Kritik am Fifa-Präsidenten : Infantino bastelt an der eigenen Legende

Für Experten steht fest, dass Sportverbände trotz einiger Reformbemühungen immer noch große Defizite haben, wenn es um sauberes, transparentes Geschäftsgebaren geht. Das gilt insbesondere für die Fifa, in der sich in der Vergangenheit gerade das Führungsgremium (Exekutivkomitee) als sehr korruptionsanfällig erwies. Eine Reihe Funktionäre musste aus unterschiedlichen Gründen das höchste Organ verlassen und wurde gesperrt. Ihre höchsten Vertreter, Joseph Blatter und Platini, erhielten eine vierjährige Suspension. Das Exekutivkomitee heißt nun Council – die Problematik bleibt. Bei einer der fragwürdigen Council-Sitzungen in Mexiko-Stadt äußerte sich Infantino vor den Kollegen, dass es Menschen gebe, die das Leben kompliziert machten. Man sei „die Geisel“ einer Situation, die keiner gut finden könne. Meinte er damit die neuen hohen Compliance-Richtlinien und den dafür verantwortlichen Chef der Audit- und Compliance-Kommission, Scala?

Dieser war seit 2012 Chefkontrolleur der Fifa, führte dort die Verhaltensregeln ein und war nach dem Rückzug des Anti-Korruptions-Experten sowie früheren Fifa-Reformbeauftragten Mark Pieth maßgeblich am Zustandekommen weiterer Reformen beteiligt. Scala wollte auf Anfrage keinen Kommentar zu den Aussagen Infantinos abgeben. Der Wirtschaftsmann, der in der Schweiz in mehreren Aufsichtsräten von Konzernen sitzt, war nach Mexiko-Stadt zurückgetreten, nachdem sich das Council dort per Kongressbeschluss zur weitgehenden Kontrolle über die unabhängigen Aufsichtsorgane für ein Jahr ermächtigen ließ.

Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

Mehr erfahren

Auch der Strafrechtsprofessor Pieth aus Basel, der sich zuletzt nicht mit Kritik am Fifa-Chef zurückgehalten hatte, wurde von Infantino jetzt angegriffen. „Wird er von einigen Gegnern instrumentalisiert, um mich zu verunglimpfen?“, fragte der Präsident des Weltfußballverbandes.

Infantino befürchtet nicht, dass die Fifa-Ethikkommission gegen ihn tätig werden könnte. „Ich bin total ruhig und genauso stark wie die Berge in meiner Heimat Wallis“, sagte er. Am Freitag hatte die Fifa interne Untersuchungen offenbart, wonach die frühere Führung mit Blatter, dem für zwölf Jahre gesperrten ehemaligen Generalsekretär Jerôme Valcke und dessen jüngst ebenfalls fristlos entlassenen Stellvertreter Markus Kattner sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre in einer Art Gehaltskartell insgesamt Bezüge von 79 Millionen Franken zugestanden habe. Der Vorstoß wirkte wie ein Ablenkungsmanöver Infantinos von seinen eigentlichen Problemen. Am Wochenende forderte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, von der Fifa, die nach deren Angaben zu Unrecht gezahlten Bonifikationen von Blatter und dessen ehemaligen Führungskollegen zurückzufordern. „Ich erwarte von der Administration auch, die Gelder zurückzuholen. Sie gehören dem Fußball und nicht den drei Funktionären“, sagte Grindel dem ZDF. Die Gesamtbezüge der Topfunktionäre und Fifa-Direktoren tauchten allerdings jedes Jahr in den jeweiligen Finanzberichten auf und waren einsehbar.

Weitere Themen

Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho Video-Seite öffnen

Transfer-Neuzugang : Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho

Auf dem Spielfeld während des Trainings suchte man ihn noch vergebens. Der FC Bayern hatte aber bestätigt: Er und der FC Barcelona haben grundsätzlich eine Einigung über einen Transfer von Philippe Coutinho nach München erzielt.

Topmeldungen

Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.