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Neuanfang der Nationalelf : Wie soll das gehen?

  • -Aktualisiert am

Der Neuaufbau des DFB-Teams ist für Joachim Löw eine undankbare Aufgabe. Bild: dpa

Die jungen Nationalspieler sollen frei und unbeschwert aufspielen, alle mitreißen und den schwerfälligen Tanker DFB von allem Mief befreien. Doch beim Neuanfang der Nationalelf gibt es ein gravierendes Problem.

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          Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, hat uns Hermann Hesse beigebracht. Aber wie kommt es, dass auf diesem Neuanfang in der Nationalmannschaft tonnenschwerer Mehltau liegt? Dass nicht das Gefühl entsteht, da geschehe gerade etwas Neues, da entwickele sich etwas Großes? Sondern eher, das Altbekannte käme nur in neuer Verpackung daher? Es klingt eben wie immer, und schlösse man die Augen, spürte man keinen Unterschied.

          Fußball-Länderspiele

          Oliver Bierhoff schafft es, die Welt auch weiterhin nur mit seinen Augen (und Ohren) wahrzunehmen. Die schlechte, weil kaum vorhandene Stimmung beim Debüt des neuen Teams in Wolfsburg hat er einfach nicht bemerkt – so, wie weiter an ihm vorbeigeht, dass der Slogan „Die Mannschaft“ außerhalb des Planeten namens DFB auf Ablehnung stößt. Und auch Bundestrainer Joachim Löw klingt so, wie er immer klingt, wenn er mit sich zufrieden ist, und das darf er ja sein, autark und unangreifbar, wie er ist. Diesen Sound hat man so oft vernommen, wie könnte man da bemerken, dass gerade eine neue Ära bei der Nationalmannschaft begonnen habe?

          Für die Spieler, die es nun richten sollen in den nächsten Jahren, ist dies eine äußerst unangenehme Ausgangslage. Ein Neuanfang sollte atmosphärisch von Aufbruchstimmung getragen werden, die diesem Projekt aber völlig abgeht. Während noch gestritten wird, wer wann und warum ein Abschiedsspiel bekommt, sollen die jungen Nationalspieler frei und unbeschwert aufspielen, alle mitreißen und den schwerfälligen Tanker DFB von allem Mief befreien, der sich wie Patina angesetzt hat. Wie soll das gehen?

          Ein Neuaufbau ist systemimmanent im Sport, ja selbst beim DFB. Es gab radikale Lösungen, als Franz Beckenbauer 1984 Jupp Derwall ablöste und nicht einmal den Trainerschein hatte. Es gab überraschende Experimente, als Rudi Völler nach der misslungenen EM 2000 übernahm und gegen jede Wahrscheinlichkeit das WM-Finale 2002 erreichte. Oder Jürgen Klinsmann, der 2004 wie Kai aus der Kiste sprang und jeden Stein umdrehte.

          Und nun? Selbst für den Visionär Joachim Löw ist das eine undankbare Aufgabe. Alles anders zu machen ist immer das Privileg der Neuen. Bis die Akzeptanz da ist, dass er für diesen Neuanfang stehen kann, muss er viele gute Ergebnisse liefern. Zum Beispiel beim Auftakt der EM-Qualifikation an diesem Sonntag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur EM-Qualifikation und bei RTL) gegen die Niederlande. Und das steht diametral zu der Geduld, die man mit einer jungen Mannschaft haben muss. Das hätte man aber wissen können.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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